Genthin l „Das Jerichower Land ist im Landesvergleich ein sehr sicherer Landkreis“, sagt die Kriminalstatistik 2019 des Polizeireviers Jerichower Land aus. Die Kriminalitätsrate sei im Vergleich zu 2018 nahezu konstant geblieben. Ein Blick in die jüngste Vergangenheit belege: „Die Zahl der erfassten Straftaten ist seit 2016 leicht gesunken.“ Dennoch brennt den Mitgliedern der Seniorenvertretung der Einheitsgemeinde Genthin seit ihrer letzten Arbeitsberatung, die noch im Februar stattfand, ein wichtiges Thema auf den Nägeln. Thematisiert wurde dort das Sicherheitsgefühl der Bürger in der Kernstadt und in den Ortschaften. „Wir haben von vielen Bürgern den Hinweis bekommen, dass es an Polizeipräsenz in Genthin fehlt“, erklärt der Vorsitzende Heinz Köppe, im Nachgang, wie das Thema auf die Tagesordnung kam. Es sei nicht nur ein Problem in Genthin, sondern bundesweit, sprach er von der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit. „Für uns als Seniorenvertreter ist es daher wichtig, ein Informationsgespräch mit der Polizei zu führen, um zu erfahren, wie die Organisation ist und wie dort etwas verändert werden könnte.“ Klar sei, die Sicherheit habe abgenommen, kristallisierte sich in der Diskussion damals heraus.

Ungewohnt sei es, wenn die Polizei nur mit dem Auto durch die Innenstadt fahre. „Es ist in unseren Köpfen noch drin, dass in der Stadt viel Streife gelaufen wurde“, was ein größeres Sicherheitsgefühl vermittelt habe. Die Stadtsenioren blicken dabei weniger auf die Abend- und Nachtstunden, sondern viel mehr auf die Hauptgeschäftszeiten, in denen in der Stadt viel Betrieb herrsche.

Guter Kontakt zu Regionalbereichsbeamten

Der Kontakt zu den Regionalbereichsbeamten in Genthin sei gut. „In der Vergangenheit hatten wir Polizeihauptmeister Heiko Möhring und Polizeihauptmeister Michael Kliemann zweimal bei uns zu Gast“, berichtet Köppe. Die beiden Regionalbereichsbeamten waren im Rahmen der Vortragsreihe, zu der die Seniorenvertretung regelmäßig Bürger einlädt, im Lindenhof vor Ort, um über ihre Arbeit zu informieren. Allerdings habe sich deren Arbeit seitdem verändert. „Damals war es noch etwas aktiver“, vergleicht Köppe. „Es hat sich etwas verändert und wir haben es in den vergangenen drei Jahren gespürt.“ Es könne nicht sein, dass beispielsweise bei Demonstrationen in Großstädten gefühlt 1000 Polizisten vor Ort seien „und bei uns wird nicht einmal Streife gefahren“, stellt der Vorsitzende die Situation im ländlichen Raum gegenüber. „Das relative Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist Null. Dadurch entsteht bei den Bürgern ein Angstgefühl“, gibt der Köppe seinen Eindruck wieder. Ob dies nur eine Frage der öffentlichen Wahrnehmung sei, sollte in einem Gespräch mit Kriminaloberrätin Janine Herfen, Leiterin des Polizeireviers Jerichower Land, geklärt werden. „Anvisiert war dazu der 12. Mai“, erklärt Köppe. „Dieser Termin für unsere nächste Arbeitsberatung im Polizeirevier Genthin wird nun wegen Corona vorerst nicht stattfinden. Aber wir bleiben dran“, verspricht der Vorsitzende. Geplant war zudem im Nachgang, die Revierleiterin im Rahmen der Vortragsreihe in den Lindenhof einzuladen, um über die Fakten auch öffentlich zu informieren.

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Auf Nachfrage der Volksstimme gibt Revierleiterin Janine Herfen vorab einen Einblick in die neue Organisationsstruktur der Polizei. „Wir gehören seit dem 1. Januar vergangenen Jahres zur Polizeiinspektion Stendal, welche neu gegründet wurde.“ Zuvor gehörte das Revier zur Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord. Aufgrund der großen Fläche sei diese 2019 in die Polizeiinspektionen Magdeburg und Stendal aufgeteilt worden, erklärt Herfen die neue Struktur. „Die Umstrukturierung hat jedoch wenig Einfluss auf das Revier Jerichower Land.“ Das Revier bestehe in seinen Grenzen wie vorher auch, für den gesamten Landkreis zuständig.

Polizeipräsenz hat sich kaum verändert

„Innerhalb des Reviers mit der vorhergehenden Polizeistrukturreform wurden Streifenbereiche eingeführt. Diese müssen innerhalb von 20 Minuten erreichbar sein.“ Vom Revierkommisariat Genthin aus starte der Polizeiwagen, der für den Streifenbereich Genthin zuständig sei. Zu diesem Bereich gehöre der nördliche Teil des Landkreises. „Dazu zählen die Gemeinden Elbe-Parey, Jerichow und die Stadt Genthin mit Ortschaften“, so Herfen. An dieser Struktur habe sich nichts geändert. „Dort ist die Polizei noch genauso präsent wie vor einigen Jahren und der Polizeistrukturreform 2019“, stellt Herfen klar.

Wie viele Polizeiwagen gleichzeitig in diesem Bereich unterwegs sind, gibt Herfen nicht öffentlich preis. „Es ist aber gewährleistet, dass rund um die Uhr mindestens ein Streifenwagen in diesem Kreis unterwegs ist.“ Zudem gebe es in den drei Gemeinden jeweils zwei Regionalbereichsbeamte. „Die Beamten orientieren sich an den Öffnungszeiten der Gemeinden, sind aber beispielsweise bei Veranstaltungen oder Verkehrsüberwachungen auch außerhalb der Gemeindeöffnungszeiten an den Wochenenden im Dienst, ergänzt sie.

Ordnungsamt mit Polizei unterwegs

„Zudem führen die Regionalbereichsbeamten zusammen mit dem Ordnungsamt gemischte Streifen durch.“ Die Aufgaben seien gleich geblieben, welche auch weiterhin die Fußstreifen in der Innenstadt beinhalten.“ Somit habe die Polizeipräsenz im Landkreis nicht abgenommen, so die Revierleiterin. Zum Polizeirevier, das für alle Städte und Gemeinden im Kreis zuständig ist, gehören 150 Mitarbeiter. Im Kreis leben auf 1500 Quadratkilometern etwa 90.000 Einwohner, informiert das Revier. Zu den Standorten im Landkreis gehört neben Burg und dem Revierkommissariat in Genthin - beide rund um die Uhr besetzt - auch die Außenstelle in Gommern. An allen drei Standorten sind Angehörige des Revierkriminaldienstes tätig. Zudem stehen jeweils zwei Regionalbereichsbeamte in den Städten Burg und Genthin sowie in den Gemeinden Gommern, Biederitz, Möser, Elbe-Parey, Jerichow und Möckern zur Verfügung.