Königliches Gemüse

Spargelbauern der Genthiner Region müssen magere Erträge mit höheren Preisen kompensieren

Eine teure Spargelsaison neigt sich ihrem Ende entgegen. Der Verbraucher musste sich das Königsgemüse etwas kosten lassen.

Von Simone Pötschke
Spargel bleibt auch zum Saisonfinale hochpreisig. Dem Geschäft schadete dies bisher nichts neennswert.
Spargel bleibt auch zum Saisonfinale hochpreisig. Dem Geschäft schadete dies bisher nichts neennswert. Symbolfoto: dpa

Genthin - Das Spargelsilvester steht in 14 Tagen bevor. Auch wenn auf dem Spargelhof Hoffheinz in Genthin erst vier Tage nach Johanni, am 27. Juni, der letzte Spargel der Saison gestochen wird. Dass mit dieser Saison ein unterdurchschnittliches Spargeljahr zu Ende geht, steht für Hofinhaber Henning Hoffheinz wie bei fast allen Spargelerzeugern Sachsen-Anhalts allerdings schon seit Wochen fest. Dass bedingt durch das kühle Wetter im Frühjahr erst spät mit der Ernte begonnen werden konnte und die niedrigen Temperaturen den Spargel nur langsam wachsen ließen, bekommt der Verbraucher an der Geldbörse deutlich zu spüren. Die geringeren Erträge ziehen bis zum Ende der Spargelsaison zwangsläufig höhere Preise nach sich, die sich regional durchaus unterscheiden.

Hoffheinz schätzt, die diesjährige Saison mit einem Ertragsdefizit im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 bis 30 Prozent beenden zu müssen. Etwa 100 Tonnen Spargel wurden bisher auf den 50 Hektar großen Spargeläckern durch rumänische Erntehelfer gestochen, 130 Tonnen waren es im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres.

Spargel bis zu 17 Euro pro Kilo

Der Genthiner Spargelhof startete zu Ostern mit einem Kilopreis um 14 Euro, aktuell pendelt er sich um 10.90 Euro ein. Das sei immer noch 50 Cent bis ein Euro teurer als im vergangenen Jahr, sagt Hoffheinz. Der Höchstpreis für ein Kilogramm belief sich im vergangenem Jahr auf etwa zwölf Euro. Nur über die Preisgestaltung ist es den Spargelbauern in dieser Saison möglich, geringere Erträge zu kompensieren. Dabei liegt der Genthiner Spargelbauer mit seinen Preisen immer noch leicht unter dem bundesdeutschen Preisniveau. So betrug der Durchschnittspreis für Spargel Ende Mai 11,30 Euro. Für Spargel in Top-Qualitäten ist der Kunde in manchen bundesdeutschen Regionen auch bereit, schon mal 17 Euro pro Kilo auf den Tisch zu legen. Henning Hoffheinz vertraut allerdings nicht darauf, dass der Kunde bereit ist, immer tiefer für das Königsgemüse in die Tasche zu greifen. Es gebe durchaus Verbraucher, so Hoffheinz Erfahrungen der letzten Wochen, die ihrem Unmut über die gestiegenen Preise freien Lauf ließen.

Wobei Hoffheinz, wie er sagt, mit den Umsatzzahlen noch zufrieden sei, der Absatz liefe gut. Er setzt den Schwerpunkt wie in den Vorjahren auf Direktvermarktung und weniger auf die Belieferung der Gastronomie, die in den Corona-Monaten schließen musste. Der Online-Handel, mit dem der Genthiner Spargelhof in diesem Jahr erstmals am Markt ist, habe zunächst nur „vereinzelt “ etwas gebracht, meist gingen diese Lieferungen nach Süddeutschland, sagt Hoffheinz in einer ersten Bilanz. Obwohl sich Hoffheinz wie die meisten Spargelproduzenten Sachsen-Anhalts über die magere Saison mit erhöhten Preisen hangeln konnten, stehen der Branche auch für die nächsten Jahre grundsätzlich schwere Zeiten bevor. So sagt der Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer der Branche in Anbetracht steigender Produktionskosten im Verhältnis zu gleichbleibenden Umsätzen eine spürbare Gewinnminimierung für viele Erzeuger voraus.

Preisverfall über den Großhandel

Patrick Wolter, Chef der Agrargenossenschaft Hohenseeden, einer der größten Spargelanbaubetriebe des Landes, sagte, dass der Gewinn der Agrargenossenschaft bereits in den vergangenen Jahren um 25 Prozent zurückgegangen sei. Wobei er aber auch ausdrücklich auf den Preisdruck auf die Erzeuger verwies, für die Billigimporte aus dem Ausland, vor allem aus Griechenland und Spanien, rund um das Jahr sorgen. Der Preisverfall speziell im Handel habe dazu geführt, dass die Agrargenossenschaft bereits in dieser Saison die Anbauflächen von einst 160 Hektar auf weniger als 90 Hektar heruntergefahren hat. In der Direktvermarktung bewegt sich der Kilopreis, den die Agrargenossenschaft berechnet, derzeit zwischen sechs bis zwölf Euro. Die Marktlage sei in diesem Segment relativ stabil, meint Wolter. Nebenkosten entwickeln sich jedoch wie überall in der Branche, auch in der Agrargenossenschaft zu einem großen Problem. Sie kletterten, so Wolter, effektiv immer weiter in die Höhe, so dass sie nicht mehr an die Kunden weitergereicht werden können.

Jaqueline Frick verkauft im Hofladen des Spargelhofes Hoffheinz die frische Ware.
Jaqueline Frick verkauft im Hofladen des Spargelhofes Hoffheinz die frische Ware.
Foto: Simone Pötschke