Genthin l Im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung ging es Informationen der Volksstimme zufolge turbulent zu. Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) soll sich kritischen Fragen einiger Stadträte gestellt haben.

Nicht unerwartet.

Volksstimme-Recherchen zufolge wurden ihm im Vorfeld der Stadtratssitzung diese Fragen zugeleitet, auf deren Beantwortung er sich vorbereiten musste. Diese Fragen waren der Extrakt aus einer wiederum nichtöffentlichen Zusammenkunft von Teilen des Stadtrates, die von Falk Heidel (Pro Genthin), Tobias Ebert (Pro Genthin) und Lars Bonitz (Wählergemeinschaft Altenplathow) außerhalb der turnusmäßigen Beratungen angeregt wurde. Die Anwesenheit der Presse war dazu nicht erwünscht (Volksstimme berichete). Eine Verpflichtung seitens der Initiatoren bestand dazu auch nicht. Von den 28 Stadtratsmitgliedern waren seinerzeit knapp die Hälfte vertreten. Der Bürgermeister war nicht anwesend und auch nicht eingeladen. Eine offizielle Verlautbarung gab es nicht, die Initiatoren hatten Stillschweigen vereinbart.

Zweifel an Kompetenz

Nach Volksstimme-Recherchen wurde mit den Fragen, die an den Bürgermeister gerichtet wurden, vor allem die Kompetenz des Stadtoberhauptes im Verwaltungshandeln und auch bei der Führung der Verwaltung in Frage gestellt.

Mit den Antworten, die der Bürgermeister gegeben hat, sollen sich die Fragenden nach Informationen der Redaktion nicht zufrieden gegeben haben. Es wurden allerdings auch im Nachhinein Stimmen laut, die die Fragestellungen als „zu schwammig“ kritisierten.

Fronten verhärtet

Die Fronten zwischen dem Bürgermeister und Teilen des Stadtrates seien nach der „Anhörung“ weiter verhärtet, gab ein Stadtrat zur Auskunft.

Bürgermeister Günther hatte offensichtlich schon im Vorfeld der Stadtratssitzung die Brisanz des Vorganges erkannt und auch die leitenden Verwaltungsmitarbeiter, die in nichtöffentlichen Beratungen gewöhnlicherweise anwesend bleiben, von seiner Anhörung durch den Stadtrat ausgeschlossen. Wohl aus dem Kalkül heraus, dass er als Chef der Verwaltung einen Autoritätsverlust hinnehmen könne.

Günther abwartend

Der Bürgermeister spürt seit den vergangenen Wochen und Monaten Gegenwind aus den Fraktionen des Stadtrates. Kritiker beklagen zunehmend Günthers mangelnden Gestaltungswillen. Aus der CDU-Fraktion wurde ihm erst bei der jüngsten Stadtratssitzung Tatenlosigkeit in der Haushaltspolitik vorgeworfen.

In den öffentlichen Sitzungen des Stadtrates, er ist der Vorgesetzte des Bürgermeisters, bleibt die Kritik an Günther bisher jedoch verhalten und abwartend.

In einem an den Bürgermeister adressierter Brief eines Stadtrates, der an die Stadträte verschicket wurde, wird offen sein Rücktritt gefordert.