Genthin l Das Land hat in dieser Woche auch im Bereich Freizeitsport die Corona-Einschränkungen gelockert. Doch die Vorfreude unter den Sportbegeisterten der Kanalstadt muss sich in Grenzen halten. Zumindest Genthins größter Sportverein, der SV Chemie, in dem 1000 Mitglieder organisiert sind, wird davon keinen Gebrauch machen. Darüber informierte Vereinsvorsitzender Fritz Mund auf Nachfrage der Volksstimme.

Diese Entscheidung, darauf verweist er, sei am Dienstag durch den geschäftsführenden Vorstand gefallen. Nach der 5. Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus wird das Training im Freien möglich, wenn dabei das Abstandsgebot von mindestens 1,50 Meter eingehalten werden kann.

Es darf allerdings maximal nur in Gruppen bis zu fünf Personen durchgeführt werden. Eine Gruppe bilden dann vier Freizeitsportler und ein Übungsleiter. Und genau das ist die Krux für die Chemiker.

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„Vier plus eins“ ist eine zu kleine Gruppe und gegenüber allen Mitgliedern nicht zu verantworten, befand der geschäftsführende Vorstand. „Würden wir davon Gebrauch machen, müssten wir viele Sportfreunde von vornherein ausschließen und potentielle Teilnehmer namentlich benennen“, greift Fritz Mund die ablehnende Argumentation des Vorstandes auf. „Wir wollen aber untereinander solidarisch sein.“ Die Mindestgrenze, den Sportbetrieb wieder in Gang zu setzten, liegt nach Auffassung des geschäftsführenden Vorstandes bei einer Beteiligung von mindestens 50 Prozent der organisierten Sportler.

Weitere Beratung im Juni

Mit einer „Vier plus eins“- Regelung, ergänzt Fritz Mund, würden der SV Chemie auch personell an seine Grenzen stoßen. Mit den 40 ausgebildeten Übungsleitern, über die der Verein verfügt, könnte ein solches Modell nicht abgesichert werden, um einen Großteil der Sporttreibenden zu erreichen. Außerdem, auch das gab der Vereinsvorsitzende zu bedenken, seien die Möglichkeiten, im Freien für kleine Gruppen Sportangebote zu unterbreiten, sehr begrenzt.

Die Bestimmungen der aktuellen Verordnungen behalten bis zum 27. Mai ihre Gültigkeit. Der SV Chemie kann jetzt nur noch abwarten, sein Vereinsvorstand wird am 2. Juni zu seiner nächsten Beratung zusammenkommen. Fritz Mund bleibt dennoch vorerst optimistisch „Wir hoffen, dass wir dann im Juni mit den meisten Sportgruppen im Verein den Trainingsbetrieb beginnen können.“

Über den SV Chemie sind derzeit über 50 Gruppen im Breiten- und Gesundheitssport organisiert. Die meisten dieser Gruppen haben ihr Domizil in der Vereinssporthalle an der Scholl-Straße, die bis auf Weiteres verwaist bleibt. Sie teilt ihr Schicksal mit dem Sportboothafen, der sich in ihrer unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Corona kommt dem SV Chemie, der diese Anlage bewirtschaftet, auch hier kräftig in die Quere. Touristische Aktivitäten sind tabu und werden es nach Aussage von Fritz Mund selbst bei Lockerungen für den SV Chemie bleiben. Nur das Kranen, das Einsetzen der Sportboote, ist derzeit erlaubt.

17 Boote hat Hafenmeister Jürgen Dalchow in dieser Saison zu Wasser lassen können. „Soviel wie in der vergangenen Saison“, berichtet er. Damit hat sich aber auch schon die Normalität am Sportboothafen erschöpft.

2020 bisher kein Sportboot vor Anker

Die Statistik der Sportboote, die in diesem Jahr im Genthiner Hafen vor Anker gegangen sind, weist bisher eine große Null aus. Im Vorjahr war der Hafenmeister Anfang Mai bei Boot Nummer 70 angelangt. Für einen Einkauf können Skipper im Hafen zwar kurz anlegen, ein längerer Aufenthalt mit Übernachtung ist trotz Lockerungen nach wie vor nicht erlaubt. Fritz Mund macht sich allerdings darüber keine Illusionen, dass eine Freigabe des touristischen Bootsverkehrs mit hygenischen Auflagen verbunden sein wird. Die könne der Verein in den Sanitäranlagen sicherlich nicht leisten. Dafür fehle das Personal, das etwa für die Desinfektion verantwortlich ist. Dem Sportboothafen wird sicherlich noch eine lange Durststrecke bevorstehen, davon ist Mund überzeugt. Für den Verein wird sie erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge haben.