Genthin l Ein abgelegenes Waldstück, irgendwo zwischen Genthin und der Landesgrenze nach Brandenburg. Weiß schimmern gelbe Säcke zwischen den Bäumen hervor. Ihr Inhalt: giftiges Wellasbest. Dieses Szenario wurde Anfang Mai an zahlreichen, insgesamt elf, Stellen im Jerichower Land entdeckt.

Fast 60 sogenannte Big Bags mit Wellasbestplatten sind gefunden worden. Mal waren es mehr als 30 Säcke, die unter anderem in den Bereichen Güsen, Roßdorf und Zabakuck illegal entsorgt worden waren, ein anderes Mal waren es mehr als 20 Big Bags im Bereich Elbe-Parey.

Firma steckt dahinter

„Diese vielen Säcke, das muss eine Firma gewesen sein“, war der Ortsbürgermeister von Kleinwusterwitz, Jürgen Staschull, schon damals auf der richtigen Fährte. Er hatte sich auch die Spuren angesehen, festgestellt, dass die Säcke nicht abgekippt, sondern von einem Kran abgeladen worden seien.

Der Landkreis musste in Aktion treten, nachdem der Verursacher nicht ermittelt werden konnte. Paragraph 11 des Abfallgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt, besagt nämlich, dass „für verbotswidrig abgelagerte Abfälle, die auf Grundstücken im Wald und der übrigen freien Landschaft abgelagert wurden“, der Landkreis zuständig ist.

1,5 Tonnen Asbest

Auch im benachbarten Brandenburg hatte es mehrere Funde von größeren Mengen Asbest in diesem Zeitraum gegeben. Ein privater Waldbesitzer aus der Gemarkung Altbensdorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark) zeigte beispielsweise bei der Polizei die illegale Entsorgung von Asbest in seinem Wald an. Am ersten Maiwochenende entsorgten unbekannte Täter dort sechs Big Bags mit jeweils 1,5 Tonnen Asbest.

Und auch im Nachbarbundesland blieb es nicht bei diesem einen Vorfall. So fanden Zeugen in einem Waldgebiet bei Wollin dreizehn Säcke mit offenbar gefährlichen Abfallstoffen. Und dann mussten Beamte des Polizeireviers Bad Belzig in einen Privatwald bei Groß Briesen fahren. Der dortige Waldbeauftragte hatte dreizehn Säcke gefunden, deren Inhalt offenbar aus illegal entsorgten Wellasbestplatten bestand. In beiden Fällen waren die Wellasbestplatten ebenfalls in extra für deren Entsorgung vorgesehene Big Bags eingelagert worden.

Firmen aus mehreren Bundesländern

Im Zuge der Ermittlungen, die vom zuständigen Fachkommissariat für Umweltdelikte der Polizeiinspektion Stendal geführt worden waren, stellte sich nun heraus, dass die Asbestplatten von den Dächern einer Agrargenossenschaft im benachbarten Brandenburg stammten. Dort waren Firmen aus gleich mehreren Bundesländern am Werk.

Als Generalauftragnehmer war eine niedersächsische Firma mit der Installation von Solaranlagen auf den Dächern der Gebäude beauftragt worden. Den Auftrag für den Abbau und die Entsorgung des alten Materials hatte als Subunternehmer eine Firma aus Nordrhein-Westfalen erhalten.

Fünf Männer zwischen 29 und 59 Jahren

Die Spur führte zu fünf Männern im Alter zwischen 29 und 59 Jahren, die diesen Auftrag ausführten. Das giftige Material wurde von ihnen aber eben nicht vorschriftsmäßig entsorgt, sondern mitten in der Natur, im Wald, auf Wiesen, in großen Paketen abgelegt. In der betreffenden Polizeimeldung wird von einer „massiven Umweltgefährdung“ gesprochen. Den fünf Männern droht nun eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.