Burg/Genthin l Beim Genthiner Tierschutzverein läuft die Pflege und Betreuung der Tiere derzeit in vollem Umfang. Denn die Tiere benötigen gerade jetzt an den heißen Tagen ihre Versorgung. Der Verein zeichnet verantwortlich für zwei öffentliche Futterstellen für Katzen, die täglich etwa von 20 Tieren frequentiert werden. Derzeit hat das Tierheim laut seiner Internetseite rund 20 Katzen in seiner Obhut. Das liegt im normalen Bereich.

Ganz anders sieht es derzeit im Burger Tierheim aus. Die Vorsitzende des Burger Tierschutzvereins, Astrid Finger berichtet im Gespräch mit der Volksstimme, dass der Verein jeden Tag Anrufe bekomme, weil wieder irgendwo Katzenbabys gefunden wurden. „Wir haben zwar schon einige an neue Tierhalter vermittelt, aber mindestens genau so viele wieder reinbekommen. Im Moment sind es weit über 50. Viel Platz ist nicht mehr.“

Kaum natürliche Feinde

Wodurch sich die Zahl der Katzen so explosionsartig entwickelt hat, könne auch sie nicht genau sagen. Finger meint: „Einerseits hat die Katze kaum natürliche Feinde. Andererseits ist die Population von wilden Katzen immer wie eine Pyramide aufgebaut ist. Wenn sich erst ein Kater mit einer Kätzin paart und die Kinder sich dann untereinander paaren, können es in ein paar Jahren schon 30 oder mehr sein. Ausgehend von zwei Katzen wohlgemerkt.“

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Die frei laufenden Katzen werden sowohl von den Burger als auch von den Genthiner Tierschützern kastriert. In Genthin übernimmt der Verein nicht nur die Kosten für die Kastration der Tiere, sondern auch die der Untersuchung und Impfung. Erst dann werden die Tiere vermittelt.

Nachwuchs der Freigänger ist Problem

Ein Problem seien die Nachkommen der Freigänger mit Besitzern, die ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Denn neben den Sorgen der Tierheime gibt es auch Gefahren: Katzenbisse können weitaus schlimmere Folgen haben als beispielsweise Hundebisse, erklärt Astrid Finger. „Der Speichel der Katze ist infektiöser. Wenn die wildlebende Population an Katzen, wir schätzen diese auf um die 200 allein in der Burger Region, sich ohne Kontrollen vermehrt, besteht zudem ein Risiko an Krankheiten. Sie können zum Beispiel Würmer haben, die über den Kot auf Spielplätzen leicht an Kinder gelangen.“

Die Kastration helfe, die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen. „Die Kontrolle über die wilde Population und dadurch auch über mögliche Sicherheitsrisiken wie Krankheitsübertragungen wächst dadurch rasch.“

Katzenproblem in einigen Orten

In Genthin hatte man vor etwas mehr als einem Jahrzehnt ähnliche Probleme mit unkontrolliert steigenden Katzenzahlen. In dieser Folge wurde ein durch den Tierschutzverein durchgeführtes Kastrationsprogramm geschaffen, das allerdings in erster Linie im Stadtgebiet umgesetzt wurde.

In einigen Orten etwa in Mützel gab es danach immer noch ein Katzenproblem, das heute aber auch dank der privaten Initiative von Monika Urbanczik weitestgehend im Griff ist. Dennoch ist auch ihre Arbeit immer noch notwendig. „Zu Hochzeiten versorge ich bei mir zu Hause etwa 30 Katzen, bis sie vermittelt werden“, berichtete die Tierschützerin vor einigen Wochen. Mitte April waren es nur halb so viele Katzen. Eine Unterbrechung in der Vermittlung von Katzen hat es zu diesem Zeitpunkt durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gegeben. Dies betraf die Aufnahme und die Vermittlung von Tieren – sowohl in Mützel als auch beim Tierschutzverein in Genthin. Mittlerweile normalisiert sich die Lage wieder.

Unkontrollierte Vermehrung im Griff bekommen

Die Tierschützer raten, Tiere aus ihren Händen zu übernehmen und nicht auf Internetportalen wie Ebay zu kaufen. Diese Tiere seien häufig weder auf Krankheiten geprüft, noch geimpft. Im Tierheim wird in dem Kaufvertrag vereinbart, dass eine Kastration nach dem Kauf Bestandteil des Vertrages ist. „Somit stellen wir sicher, dass diese Tiere sich nicht unkontrolliert vermehren können“, sagt Astrid Finger.

Sie sei der Überzeugung, dass Kastrationen nicht nur den Menschen schützen, sondern auch das Tierwohl. „Durch die Kastration werden Katzen insgesamt ruhiger. Die Rolligkeit kann im dauer- haften Zustand ein großer Stressfaktor sein. Zudem kommt es durch die Verkleinerung der Population zu weniger Tierleid.“