Paplitz l Kurz vor dem Jahreswechsel, am Mittwoch, hat der Wolf in der Region erneut eine Blutspur hinterlassen. Diesmal riss er auf einer Weidefläche zirka 800 Meter von Tucheim entfernt ein Schaf aus der Herde von Ralph Ohst, einem Schäfermeister im Nebenerwerb aus Paplitz. Ohst hat an dem verendeten Tier den für den Wolf typischen Kehlbiss ausgemacht. Die „Täterschaft“ Isegrims steht für ihn deshalb außer Frage. Zwei weiteren Tieren fügte der Wolf bei diesem Überfall noch Verletzungen zu. Um Beute zu machen, überwand das Tier einen mit mehr als 6000 Volt geladenen, 1.20 Meter hohen Zaun, das entspricht den Parametern eines genormten Wolfschutzzaunes.

Der Paplitzer Schäfermeister ist sich sicher, dass sich der Wolf nur so Zugang zu der Koppel verschafft haben kann. Mit Nachdruck versichert er: „Das war definitiv so.“ Dafür sprächen die beiden von ihm entdeckten Stellen, an denen der Wolf offensichtlich erfolglos versucht hat, sich unter den Zaun hindurch zu buddeln. Dass nur kurze Zeit zuvor, vermutlich am 28. Dezember, bereits ein Schaf der Herde durch den Wolf gerissen wurde, das inzwischen fast skelettiert war, stellte Ralph Ohst erst später fest.

Zaun muss erhöht werden

Der Wolf kann eigentlich nur am helllichten Tage dieses Schaf gerissen haben, schlussfolgert der Schäfermeister, nachdem er noch einmal alle betrieblichen Vorgänge in dem betreffenden Zeitraum Revue passieren lassen hat. Nach den jüngsten Vorfällen wird Ralph Ohst nun den stromführenden Zaun von 1,20 Meter auf 1,40 Meter erhöhen.

Bisher, sagt der Schäfermeister und studierte Betriebswirt, seien seine Tiere immer noch glimpflich“davon gekommen. 250 Herdbuchtiere, darunter Suffolk-Schafe und Rhönschafe mit Nachzucht, hält der Paplitzer. Im vergangenen Jahr wurde ein Schaf auf einer Fläche auf dem sogenannten Klingelberg bei Tucheim Opfer eines Wolfes. Dieser Riss konnte durch die genetische Untersuchung, die durch das Wolfskompetenzzentrum Iden veranlasst wurde, seinerzeit genau einem Tier zugeordnet werden. Dabei handelt es sich um einen Wolf, der aus dem Parchener Rudel stammt, aber jetzt seine eigenen Wege geht. Für Ralph Ohst ist es deshalb sehr wahrscheinlich, dass derselbe Übeltäter wieder über seine Schafe hergefallen ist. Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum Iden, der in Tucheim vor Ort war und von den verendeten Schafen Proben entnommen hat, äußert sich hingegen deutlich vorsichtiger. Die genetischen Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen, zunächst müsse zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass es sich um einen Wolfsbiss handele, erst dann seien Rückschlüsse auf ein ganz bestimmtes Tier möglich. Auszuschließen sei dies freilich nicht, räumt auch er ein.

Nur einzelne Wolfsfährten entdeckt

Mathias Holzberger, Vorsitzender der Genthiner Jägerschaft, übt sich nach dem jüngsten Wolfsriss in Tucheim nicht in vorsichtiger Zurückhaltung. Bei der Mehrzahl der Risse, die er in den vergangenen sechs bis sieben Monaten in Augenschein nehmen konnte, habe er stets nur eine einzelne stattliche Wolfsfährte ausmachen und auch verfolgen können. Auch der jüngste Vorfall in Tucheim passe in dieses Bild. Holzberger spricht von einem Problemwolf, der entnommen werde müsse.

Für Andreas Berbig ist die Wolfsfährte wiederum kein entscheidendes Kriterium, einem ganz konkreten Wolf die Risse zuzuordnen. Er räumt zwar ein, dass in der Vergangenheit ein einzelner Rüde bei den Vorfällen im Raum Krüssau (Volksstimme berichtete) auffällig geworden sei. Bei den in den vergangenen Wochen und Monaten bekannt gewordenen Rissen müssten erst genetische Analysen Klarheit bringen, wiederholt Andreas Berbig.