Jerichow l Die Fähre muss wieder fahren – da sind sich die Menschen in Jerichow, Ferchland, Grieben oder Tangerhütte einig. Um die Wiederherstellung der „fahrenden Straße“ zwischen dem Jerichower Land und der Altmark voranzutreiben, wollen die betroffenen Gemeinden vorab eine Machbarkeitsstudie erstellen, außerdem will die Kreisverwaltung einen Vorschlag erarbeiten, wie es mit der Fährverbindung weitergehen kann.

In der Ratssitzung der Einheitsgemeinde Jerichow am kommenden Dienstag, steht das Thema „Fähre Ferchland-Grieben“ ganz oben auf der Tagesordnung, denn es geht um das liebe Geld. Die Stadt will sich an den Kosten für die Erstellung des Gutachtens mit maximal bis zu 10 000 Euro beteiligen. „Wir wollen die Möglichkeiten ausloten, um eine Lösung für eine dauerhafte und umweltfreundliche Fährverbindung zu finden“, sagt Bürgermeister Harald Bothe. Damit setzt der Stadtchef auf die Zukunft – und das trotz eines knappen Haushalts.

Ohne Fähre keine Radtouristen

Denn die Fähre trug bisher maßgeblich zur Entwicklung der Region und zur Attraktivität als Tourismus-Ziel bei, „und das wollen wir wieder erreichen“. In Sachsen-Anhalt können Radtouristen auf beiden Seiten der Elbe zu ihren Zielen radeln. Der Wechsel zwischen den Ufern sei beliebt und werde gern genutzt, so eine Befragung unter den Reisenden und Anwohnern.

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Gerade Fähren seien Übersetzpunkte mit Charme, die Rad- oder Motorradwanderern ermögliche, viele Sehenswürdigkeiten, Pensionen oder Zeltplätze anzusteuern und das ohne zeit- und kräfteraubende Umwege. Viele Radwandergruppen und Tagestouristen aus Tangermünde, Stendal oder Magdeburg setzen mit der Fähre über.

Arbeitsgruppe aus verschiedenen Gemeinden

Andreas Dertz, Ortsbürgermeister von Jerichow, geht davon aus, dass so manche Rad- und Motorradtouristen nicht mehr in Jerichow Station machen werden. Dertz weiß, dass viele Tagestouristen in den Gaststätten der Klosterstadt pausieren und „die werden den Wegfall der Fährverbindung zu spüren bekommen“. Die Anliegergemeinden und beide Landkreise - links wie rechts der Elbe - sehen das ähnlich.

Um die Verbindung wieder neu zu beleben, gründeten sie, als die Stilllegung absehbar war, eine Arbeitsgruppe, bestehend aus fünf Mitgliedern. Zu ihr gehören der Landrat des Jerichower Landes, Steffen Burchhardt, der Stendaler Landrat Patrik Puhlmann, die Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Elbe-Parey, Nicole Golz, der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte, Andreas Brohm und Jerichows Stadtchef Harald Bothe.

Verschiedene Lösungsansätze

„Jetzt hat sich auch noch Tangermündes Bürgermeister Jürgen Pyrdok bereit erklärt mitzumachen“, freut sich Bothe. Damit liege das Projekt auf breiten Schultern. Jetzt müsse sich die Gruppe endlich auch einmal treffen und miteinander ins Gespräch gehen, appelliert der Stadtchef, „sonst sind wir nächstes Jahr noch nicht weiter“.

Dass die Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht wird, steht für Bothe außer Frage, doch merkt er kritisch an: „Mittlerweile beschäftigen sich viele mit der Fährschließung und haben dazu unterschiedliche Lösungsansätze.“ Die beginnen sich jetzt zu verselbstständigen und das sei, laut dem Bürgermeister, nicht zielführend. Bothe wünscht sich hier mehr Initiative des Landkreises: Hier muss die Führung und Koordination zusammenlaufen.

Fähre muss umweltfreundlicher werden

Derzeit kursiere, dass die alte Fähre den Betrieb einfach nur wieder aufnehmen müsse und damit wäre das Problem vom Tisch. Dem ist nicht so. „Das Fährrecht ist mit dem Abzug der Fähre in den Magdeburger Industriehafen erloschen und muss erst neu beantragt werden.“

Außerdem stehe dann weiterhin der Fähr-TÜV, die Revision an. Wenn die Dieselmotoren die Umweltauflagen nicht mehr erfüllen, müssten diese ebenfalls ausgetauscht werden – was dann unnötig Geld kostet, so Bothe. Da strebe er besser eine umweltfreundliche und kostengünstige Variante an. Folgt man dem Bürgermeister, sollte über die Einrichtung einer Gierfähre nachgedacht werden. Sie sei mit nur einer Person zu betreiben, außerdem, da kein Motorantrieb, umweltfreundlich, und sie fährt auch bei Niedrigwasser. „Doch hier sollten wir auf das Ergebnis der Machbarkeitsstudie warten.“

Viele Gründe für Schließung

Die Gemeinde Elbe-Parey gibt für die Schließung der Fährverbindung Ferchland – Grieben mehrere Gründe an: Zum einen sei es die fehlende Unterstützung bei der Finanzierung der laufenden Kosten, zum anderen müsse die Fähre alle fünf Jahre eine Landrevision durchführen. Diese Wartungs- und Untersuchungsmaßnahme wird auch als „TÜV“ für Fähren bezeichnet und ist geknüpft an die Gültigkeitsdauer des Fährzeugnisses. Diese gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung steht in diesem Jahr bei der Ferchländer Fähre an. Nimmt die Gemeinde dafür Landesfördermittel in Anspruch, müsste die Fähre noch fünf weitere Jahre betrieben werden. Ein anderes Problem stellt, rückwärts gesehen, die eingeschränkte Betriebszeit dar. 2019 stand die Fähre an 150 Tagen still, denn bei Niedrigwasser darf sie nicht ablegen. Das Betreiben der Fährverbindung gilt als freiwillige Leistung der Gemeinde.