Neuenklitsche l Die Überraschung ist eingeschlagen. Maria Wulkau nimmt den Gutschein mit einem festen Handgriff entgegen, als ob sie ihn auf seine Echtheit prüfen will. Mit ihrem Ehemann Marek tauscht sie schnell einen Blick aus: „Ich glaube, dafür gönnen wir uns ein richtig schönes Essen. Wenn das kein Grund ist, dabei auf das Wohl unserer jungen Familie anzustoßen!“

Tatsächlich. Maria und Marek Wulkau bleiben auch als Traumhochzeit-Preisträger irgendwie im Feier-Modus.

Nur wenige Tage nach ihrer Eheschließung im Jerichower Standesamt und einer kleinen Familienfeier im Altenklitscher Dorfgemeinschaftshaus erblickte am 10. Juli Sohn Matti das Licht der Welt.

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Marek hatte seine Maria im Sommer hochschwanger ins Standesamt geführt. „Die bevorstehende Geburt unseres Sohnes hat uns allerdings nicht zur Heirat gedrängt“, sagt die junge Frau. Eine Hochzeit sei auch ohne den Kleinen geplant gewesen, aber eben erst 2018.

Und daran halten die Beiden fest. Die Ehe hat für sie einen hohen Stellenwert. Nach der Generalprobe im Jerichower Standesamt wird nämlich im Juni sozusagen als Kür die kirchliche Eheschließung mit einem festlichen Gottesdienst in St. Stephan in Tangermünde gefeiert. Dann wird die Braut, im Gegensatz zur standesamtlichen Trauung, auch von ihrem Mann ganz in Weiß vor den Altar geführt.

Schon in den nächsten Tagen wird das Paar mit dem Pfarrer der Tangermünder Gemeinde Modalitäten der Hochzeit besprechen. Der Trauspruch ist noch ein wohlgehütetes Geheimnis.

Zeitlich versetzt zu heiraten, das bleibt für die Krankenschwester und den Industriemechaniker, die beide im Land Brandenburg arbeiten, nicht ohne Charme.

Und die Hochzeitsreise? Marek Wulkau huscht bei dieser Frage ein herzhaftes und sympathisches Lachen über das Gesicht. „Die haben wir gemeinsam mit unserem neugeborenen Sohn im Familienzimmer der Stendaler Klinik erlebt. Vielleicht klappt es später einmal mit einigen Tagen an der Ostsee“, bleibt der junge Vater zuversichtlich.

Ein Mehrgenerationenhaus

Das erste halbe Jahr ihrer Ehe hat den jungen Eheleuten noch keine Kopfschmerzen bereitet. Bodenständigkeit und Familie sind Konstanten, die ihren privaten Kompass bestimmen.

Dass die junge Familie in Neuenklitsche mit den Eltern von Maria Wulkau unter einem Dach lebt, ist für sie selbstverständlich.

Bezogen haben sie die einstige Wohnung der Großeltern. Die Wulkaus setzen die dörfliche Tradition des Mehrgenerationenhauses fort, die eigentlich in der Beliebtheitsskala jüngerer Menschen nicht mehr ganz weit vorn rangiert.

Marek Wulkau und seinerzeit noch Maria Lichtenberg zogen von Rathenow vor zwei Jahren nach Neuenklitsche. Das häusliche Zusammenleben klappt. „Warum sollte es auch nicht funktionieren“, fragt der junge Familienvater?

Ehefrau Maria betrachtet das Zusammenleben der Generationen auch ganz praktisch. „Es ist schön und beruhigend, wenn die Großeltern in unserer Abwesenheit nach Matti schauen. Es ist uns wichtig, dass unser Kind die Fürsorge und Zuwendung unserer ganzen Familie erfährt.“

Maria und Marek Wulkau wollen aber auch kleine, ganz persönliche Zeichen setzen, um zu zeigen, dass ihnen die Familie wichtig ist.

Die Wahl, in der Kaiserstadt kirchlich zu heiraten, fiel deshalb nicht zufällig. „Hier haben schließlich auch meine Eltern geheiratet“, verrät Maria Wulkau. „Wie meine Eltern haben wir uns übrigens auch bei einer Hochzeitsfeier in Sydow kennengelernt, erwähnt sie am Rande.

Kennenlern-Datum und der gewählte kirchliche Hochzeitstag fallen deshalb nicht ohne Grund ausgerechnet auf den 9. Juni.

Zwischen den beiden Hochzeiten bietet sich dem Paar nun die Möglichkeit, eine „Zwischenbilanz“ ihrer ersten Ehemonate zu ziehen.

Ein neuer Name

Maria Wulkau tut dies ebenso heiter wie offen und ehrlich: „Wir streiten uns eigentlich wie vor der Heirat“. Aber es sei schon gewöhnungsbedürftig, in Gesprächen die Formulierung „mein Mann“ zu verwenden. „Das ist auch sehr schön“, gesteht sie.

Ihr neue Name verlange ihr eben noch Gewöhnung ab. Hin und wieder melde sie sich noch mit ihrem Mädchennamen Lichtenberg. „Aber das wird schon noch“, ist die junge Ehefrau, die in einer Rathenower Dialysepraxis arbeitet, ganz zuversichtlich.