Zabakuck/Jerichow l Das Telefon klingelt, in Minutenabständen ploppen E-Mails auf, und wieder steht ein Camper am Empfangs-Tresen – Tagesgeschäft bei Cornelia Borner, Chefin des Touristenzentrums Zabakuck. „Wir müssen für das kommende Wochenende Anfragen absagen. Der Platz ist bis zur erlaubten Obergrenze belegt“, informiert Borner und weiß nicht richtig, ob sie sich freuen oder eher traurig sein soll. Platz genug wäre auf dem „Platz“, doch weiterhin gelten die Mindestabstände und da vermindere sich die Kapazität um gut ein Drittel. Die Platzchefin sagt: „Wir haben so viel Arbeit, dass ich noch zusätzliches Personal eingestellt habe, um alles zur Zufriedenheit unserer Gäste bewerkstelligen zu können.“ Und Zufriedenheit ist ihr ein wichtiges Kriterium, denn schließlich sei das Touristenzentrum bekannt für sein gepflegtes Gelände und das freundliche wie kompetente Personal. Es seien vor allem Reisende aus Brandenburg, Berlin und aus Sachsen-Anhalt selbst, die die Auszeit in der Natur suchen, sagt Borner.

Für Erholungssuchende biete Camping gerade aktuell mehrere Vorteile: keine langen Flugreisen mit ungewissen Aufenthalten in diesem Jahr, dafür sozusagen Urlaub nebenan. Bis vor kurzem war das Campen nur mit Caravan und Wohnwagen möglich, um am Zabakucker See zu urlauben – mit eigener Toilette, eigener Waschgelegenheit und eigener Küche – so die Kriterien für den Aufenthalt. Doch das habe sich jetzt geändert, so Borner und informiert: „Unser Sanitärtrakt ist wieder offen und setzten die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen um.“ Damit sei auch dass klassische Zelten wieder möglich – doch eben mit Abstand zum Nachbarn. Viele steuern das erste Mal den Zabakucker See an und sind noch dazu oftmals Erstcamper. Zum einen liegt die Urlaubsform des Campens, folgt man den Aussagen von Cornelia Borner, „schon länger im Trend“ und zum anderen bieten sich den Neu-Campern vollkommen andere Möglichkeiten, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Schon im letzten Jahr stieg das Aufkommen an Wohnwagen- und Caravan-Tourismus, sagt Platzchefin Borner, und das stelle sie auch aktuell fest: „Weniger Zelte, mehr Wohnwagen und mehr Familien.“ Endlich ungeteilt Zeit füreinander haben, den Tag gemeinsam erleben, ein wenig das Gefühl von Freiheit empfinden und das als Familie – da sei Camping genau das Richtige. Es sei eine Urlaubsform an der frischen Luft, und „das eigene Zuhause hat man dabei“. Gisela Dohm und Nancy Thiede aus Parchau gefällt, dass sie ganz individuell anreisen können, sich zudem naturnah erholen und viel Freiraum haben.

Jerichow als Startpunkt für Fahrradtouren

„Wir sind regelmäßig in Zabakuck“, sagen Mandy Schulz aus Rathenow und Sarah Strauß aus Großwudicke. Beide sind in der Gastronomie tätig. Sie suchen im Stremmeland Erholung und „wollen einfach runterkommen“. Darum genießen die Dauercamper das lange Wochenende in der idyllischen Umgebung ihrer Region. Ohne weite Anfahrt und gleichzeitig flexibel zu sein, sei der Vorzug des Campens mit einem Wohnwagen, so die beiden Frauen. „Mit unserem Caravan unterwegs zu sein, gibt uns tatsächlich dieses Gefühl von Freiheit“, sagen Tagestouristen am Kloster Jerichow. „Wir haben die Räder dabei, sind viel an der frischen Luft, können spontan reagieren, wenn es irgendwo so schön ist“, sagt Klaus Habermann aus der Nähe von Wesel in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit seiner Frau ist er auf einer Tour durch Nord- und Mitteldeutschland mit Station in Jerichow. Auf einem der vier Stellplätze der Klosteranlage machten sie halt, schlossen sich an die Versorgungssäule an, schraubten ihre Räder vom Wohnmobil: „Und haben per Rad erstmal die Gegend erkundet.“

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Die Deutschen haben den Urlaub im eigenen Land wieder entdeckt und sind durch die Ereignisse der letzten Zeit bereit, ihr näheres Umfeld mal genauer kennenzulernen. Touristen aus Berlin, Hamburg oder Hannover machen in Jerichow Halt und so sind die vier Stellplätze aktuell immer belegt. Geht es nach dem Verwaltungsleiter der Klosteranlage, Bernd Witt, könnten eher heute als morgen weitere Stellplätze dazukommen. „Derzeit kommen viele Tagestouristen mit Wohnmobilen zu uns und bleiben für ein, zwei Nächte“, so der Klosterchef. Er musste die Erfahrung machen, dass die „Wohnzimmer auf Achse“ Schlange standen. Dann habe er gestattet, Parkplätze am Kloster zu nutzen, denn „jeder Tourist ist hier willkommen und ein Multiplikator für unsere Region“. Die Kosten für den Bau eines Stellplatzes betragen, so Witt, rund 7000 Euro und das sei auch für die Stiftung nicht einfach zu schultern. Den Anfang würde Witt gern mit weiteren Versorgungssäulen machen, „damit die Wohnmobile zumindest einen Strom- anschluss bekommen“. Apropos Strom: Witt möchte mit der Zeit gehen und auf die steigende Elektromobilität reagieren: „Ich bin gerade im Gespräch mit dem größten Stromnetz-Anbieter vor Ort, um zu prüfen, ob hier nicht eine Ladestation für E-Autos installiert werden könnte.“ Nicht nur E-Autos in Pkw-Größe will er damit ansprechen, denn mittlerweile gibt es die ersten vollelektrischen Reisemobile mit bis zu 400 Kilometern Reichweite, wie Witt sagt.

Dass Urlaub im Wohnwagen hoch im Kurs steht, stellt der Klosterchef immer aufs Neue fest. Doch waren es sonst meist Pensionäre, die mit dem Wohnmobil reisten, sind es momentan zunehmend Familien. „Unsere Region ist wie geschaffen für den Wohnwagen-Tourismus“, stellt Witt fest und sagt, „Hier können Kinder gefahrlos Rad fahren und bei uns im Kloster gibt es auch immer etwas zu entdecken.“ Für Familie Habermann trifft das jetzt schon zu. Sie steuerten vom Kloster aus mit dem Fahrrad Tangermünde an und zeigten sich von den grünen weiten Elbauen mit ihren Backsteinkirchen begeistert. „Wir kommen bald mal wieder“, so ihr Fazit und bis dahin wird es bestimmt den einen oder anderen Stellplatz mehr geben in der Klosterstadt.

Mehr als 50 000 neue Zulassungen

Laut dem Caravaning Industrie Verband (CIVD) wurden in diesem Jahr bisher mehr als 50 000 Reisemobile und über 25 000 Caravans neu zugelassen. Das entspricht einem Anstieg von über 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im Mai wurden 10 674 Reisemobile neu zugelassen, laut Verband, so viele wie noch nie in einem Monat. Platz dafür ist in Deutschland genug. Hierzulande gibt es immerhin etwa 3000 Campingplätze mit 230 000 Stellplätzen für Caravans und Wohnmobile, dazu kommen 60 000 Zeltmöglichkeiten. Jedes Jahr öffnen 20 neue Campingplätze.