Medizin

Trend Telemedizin – auch in Genthin

Vermehrt nutzen Patienten digitale Angebote zur medizinischen Beratung. Auch in Genthin war in den Corona-Hochphasen ein stärkerer Abruf digitaler Arztkontakte zu verzeichnen.

Von Mike Fleske
Ein Hausarzt spricht während einer Videosprechstunde in seiner Praxis mit einer Patientin.
Ein Hausarzt spricht während einer Videosprechstunde in seiner Praxis mit einer Patientin. Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Genthin - Telemedizin boomt. Die Krankenkasse Barmer hat errechnet, dass allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 ist die Zahl der von Ärztinnen und Ärzten abgerechneten Videosprechstunden in Sachsen-Anhalt auf rund 19 000 angestiegen ist.

Corona habe die Nutzung von Internet-Arztsprechstunden befördert. Gerade bei begleitenden Gesprächen seien diese Angebote eine gute Alternative zum Praxisbesuch, wie eine Genthiner Patientin, die ungenannt bleiben möchte, berichtet. „Ich habe Diabetes Typ 2 und muss mich immer wieder mit meinem Arzt zu Werten und Medikamenteneinstellungen beraten, das geht auch in der digitalen Sprechstunde.“

Digitaler Kontakt zum Arzt ist bei Berufstätigen beliebt

Vorteil ist für diese Seniorin, dass sie ihren Arzt auf dem Bildschirm sehe und dank der Kamera in ihrem Notebook selbst zu sehen sei. So könne sie dem Gespräch besser folgen und Medikamentenpackungen könnten auch mal in die Kamera gehalten werden. Ein umständliches Vorlesen wie am Telefon entfalle so.

Dass diese Sprechstunden beliebt sind, bestätigt auch Dr. Carola Lüke, Fachärztin für Innere Medizin/Diabetologie in Genthin. „Diese Form des Patienten-Arztkontaktes sind im vergangenen Jahr von 0 auf 100 gegangen“, sagt sie. Besonders genutzt würden diese Angebote von Jugendlichen und Berufstätigen, Senioren seien noch eine Minderheit.

„Wenn schnelle Internetverbindungen und leicht bedienbare Geräte vorhanden sind, wird der digitale Kontakt auch in dieser Altersgruppe zunehmen.“ Denn Wege aus den Dörfern zum Arzt in der Stadt müssten erst einmal bewältigt werden, und oft gehe es bei den Videokontakten nur um begleitende Gespräche, die mittels Telemedizin leichter zu initiieren seien.

Ergänzung zum üblichen Praxisbetrieb

Allerdings gibt es derzeit noch ein Problem: Nicht nur, dass sich ältere Menschen noch etwas mehr scheuen, medizinische Themen in einer Videokonferenz anzusprechen. In einigen Dörfern wie Dretzel, Gladau oder Krüssau ist eine Videotelefonie oft nur erschwert möglich. Wenngleich sich die Internetversorgung mittels Glasfaser in Orten wie Paplitz oder Tucheim in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat.

Im städtischen Bereich gibt es ohnehin weniger Probleme: „Man muss sagen, hier im Ärztehaus und in Genthin sind die Bedingungen gut, die digitale Infrastruktur lässt sich gut nutzen.“ Sowohl Ärztin Lüke als auch die Experten der Krankenkassen sind sich einig, dass diese Form der Sprechstunde als Ergänzung zum üblichen Praxisbetrieb zu sehen sei.

„Die Videosprechstunde kann in leichteren Fällen von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Ausstellung von Rezepten und Krankschreibungen alle erforderlichen Schritte digital abdecken“, heißt es in einer Information der Barmer.

Neues Modellprojekt zur Notfallversorgung setzt auch auf Telemedizin

Videosprechstunden werden künftig auch auf andere Weise mehr Gewicht bekommen. In Havelberg, wo derzeit an einem neuen Modell zur Notfallversorgung gearbeitet wird und wo man als Vorbild für den ländlichen Raum und Städte wie Genthin dienen möchte, wird ganz bewusst bereits in der Planung auf digitale Begleitung gesetzt. In Havelberg soll in drei Stufen ein Intersektorales-Gesundheitszentrum (IGZ) entstehen. Das sieht das Konzept der landeseigenen Krankenhausgesellschaft Salus vor, das diese bis August fertigstellen will.

Laut ersten Eckpunkten ist vorgesehen, mit einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zu starten, um dann pflegerische Übernachtungsbetten mit ärztlicher Rufbereitschaft sowie fachtherapeutische Angebote auszubauen. Zudem sollen Kooperationen von niedergelassenen Ärzten und Notärzten vor Ort mit den Krankenhäusern in der Umgebung entstehen. Die Angebote werden durch Telemedizin begleitet, heißt es in einer ersten Veröffentlichung.

Die Barmer fordert solche Verbünde von Medizinern insbesondere im digitalen Bereich. Auch Apotheken oder Physiotherapeuten könnten sich dort einbringen. „Gewissermaßen stellen diese Verbünde dann digitale Medizinische Versorgungszentren dar, in denen Einzelpraxen digital zusammenkommen und als gebündelte Angebote für die Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen“, sagt Axel Wiedemann, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen-Anhalt in einer Mitteilung.