Mützel/Magdeburg l Am Wochenende hat Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert aufgerufen, den in den Hecken und am Wegesrand liegenden Kleinmüll beim Spazierengehen oder Joggen einzusammeln. Die Grünen-Politikerin fügte hinzu, dass die Runde an der frischen Luft in Coronakrisen-Zeiten für die Gesundheit förderlich sei und gleichzeitig Natur und Umwelt schütze.

„Das haben wir schon längst gemacht“, sagen Dieter und Lias Pape aus Mützel. Denn obwohl Schüler Lias derzeit nicht in die Schule geht, hat er dennoch Mathe und Deutschaufgaben, die am Freitag alle erledigt waren. Kurzerhand beschlossen Vater und Sohn, einfach ein wenig Sachkundeunterricht anzuhängen und diesen in die Natur zu verlagern. „Gute Idee“, meinte Lias sofort ganz begeistert. Vater und Sohn schnappten sich Bollerwagen, Eimer, Müllsäcke, Handschuhe und Greifer und befreiten den nahegelegenen Wirtschaftsweg zwischen Mützel und Genthin vom Müll.

Sammeltour mit Erstaunen

Dort sei der Familie schon länger Unrat aufgefallen. „Ein Anruf beim Umweltamt von Genthin hatte ergeben, dass für diesen Weg außerhalb der Ortschaft Mützel der Landkreis zuständig ist.“ Allerdings sei eine Müllentsorgung schwierig, da ganz genau dokumentiert werden muss, wo genau der Müll gesammelt wurde.

Die Sammeltour versetzte Vater und Sohn in einiges Erstaunen: Sie stießen auf Unmengen an Schnaps- und Weinflaschen. „Wir haben rund 50 Flaschen gesammelt und anschließend in den Glascontainer gebracht“, berichtet Lias. An einer anderen Stelle wurde ein Plastiksack Hausmüll entsorgt: Mit Windeln, Plastikmüll, Dosen, Papier. An anderer Stelle lagen Reste von Dachpappe. Auch Autoteile wie Stoßstangen und Radkappen sammelten die Beiden. „Eigentlich war unser Ziel gewesen, hauptsächlich Plastik zu sammeln, da dieser früher oder später zu Mikroplastik zerfällt und dann nicht mehr geborgen werden kann. Aber dann haben wir natürlich auch allen anderen Müll mitgenommen.“

Zwei große Müllsäcke voll

Die Bilanz der zweistündigen Aktion macht sprachlos: Zwei große Müllsäcke und eine große Plastikkiste mit gröberen und spitzen Gegenständen. Sogar eine Gartenteichpumpe war unter den Fundstücken. Bei der Entsorgung des gesammelten Mülls haben sich Papes Unterstützung vom Bauhof des Landkreises geholt. „Momentan ist ja ungewiss, ob man den Müll beim Recyclinghof abgeben kann.“ Bei allem Engagement und Stolz auf die geleistetete Arbeit fragen sich die Sammler dennoch: „Was geht in Menschen vor, die ihren Müll einfach in die Landschaft werfen. Gerade Glasflaschen können doch an jeder Ecke entsorgt werden.“

Die Müllsammelidee hat die Familie übrigens aus dem Urlaub mitgebracht: „Wir waren im vergangenen Jahr in Dänemark an der Nordsee zelten und haben dort mit Freunden spontan Plastikmüll am Strand gesammelt“, sagt Dieter Pape. Für die Kinder sei es interessanter als einfach nur spazieren zu gehen. „Hier bei uns ärgert schon uns schon lange, dass überall so viel Müll an den Straßenrändern liegt.“ Aber ohnehin liegt der Familie der Umweltschutz am Herzen: „In der Familie diskutieren wir alle viel über den Klimawandel, aber auch darüber, wie wir mit unserer Photovoltaik-Anlage Energie sparen können. Wir säen Wildblumen im Garten, um die Insekten zu unterstützen, essen vegetarisch und fliegen aus Prinzip nicht in den Urlaub.“ Die Familie würde sich freuen, wenn künftig weniger Müll in die Natur geworfen würde, aber auch wenn ihre Idee des Müllsammelns Nachahmer findet. Aus ihrer Erfahrung geben sie den Hinweis, mehrere Behälter mitzunehmen. Einen Eimer für Glas, eine stabile Kiste für grobe und scharfkantige Dinge und stabile Müllbeutel für den Rest. „Dazu natürlich feste Handschuhe.“

Müll schon vor der Tür und überall

Fast eine traurige Erfahrung: „Wenn man Müll sammeln will, muss man nicht weit fahren, er liegt praktisch überall herum. Jetzt zu Beginn der Wachstumsperiode kann man ihn noch gut sehen, später im Jahr wir er dann durch Pflanzen überwuchert und kommt dann erst im Herbst wieder zum Vorschein.“

Die Mützeler sind in der Einheitsgemeinde nicht die Ersten, die sich des Müllproblems angenommen haben. Zu Beginn des Jahres sammelten bereits Teilnehmer der Gladauer Grünkohlwanderung Müll in der Umgebung der Ortschaft. Auch dort kamen leider mehrere Mülltüten Unrat aus der Natur zusammen.