Kunst

„Vorfahrt“ für Fantasie und Spaß

Zum Kindermalen im Jerichower Bürgerhaus kommen längst nicht mehr nur Kinder aus der Klosterstadt.

Von Sigrun Tausche

Jerichow l Luise Winkelmann strahlt. Sie liebt diese Beschäftigung mit den Kindern. Sich zu Hause zu verkriechen, ist für die 93-Jährige keine Option. Sie muss aktiv sein. „Das hält mich am Leben“, sagt sie.

Sehr lebendig geht es auch beim „Kindermalen kunterbunt“ im Bürgerhaus immer zu. Kein Kind wird hier genötigt, dies oder jenes genau „nach Vorschrift“ zu malen, und auch Stillsitzen wird nicht gefordert. Kinder brauchen Bewegung, weiß die Jerichower Künstlerin, deshalb lacht sie nur, als zwei Jungs nach einer Stunde Malen eine Tischreihe von unten erkunden und hindurchrutschen. Die fertigen Bilder liegen derweil zum Trocknen auf den Tischen.

Ganz verschiedene Bilder sind an diesem Nachmittag entstanden. Man erkennt Altersunterschiede, und natürlich die unterschiedlichen Vorlieben und Talente. Das muss so sein. Kein Kind wird hier dafür getadelt, etwas „nicht richtig“ gemacht zu haben. Im Gegenteil. „Wir machen hier keinen Unterricht“, betont Luise Winkelmann.

Vorgaben wie in der Schule gibt es nicht. Die Kinder sollen ihrer Fantasie freien Lauf lassen, es muss nicht alles auf den ersten Blick erkennbar sein, was sie malen. Ein Bild spricht auf andere Weise, und Luise Winkelmann versteht diese Sprache gut.

Fantasiegebilde, allerdings sehr gut erkennbare, malt Caroline Hohmann. Sie ist mit zwölf Jahren die Älteste an diesem Nachmittag. Mit ihrem Bruder Georg (10) ist sie in Hannover zu Hause und über Weihnachten bei der Verwandtschaft in Jerichow zu Besuch. „Ich liebe es, Drachen zu malen“, schwärmt Caroline. Ihr Bruder dagegen hat eine Stadt mit buntem Silvester-Feuerwerk dargestellt.

Mit Papa und Oma ist Gracy Niering aus Güsen gekommen. Die Achtjährige hat einen Vogel gemalt und eine Reiterin auf einem Pferd. Ob sie das selbst ist? Ja, sie nickt, denn neben dem Malen ist das Reiten ihre Leidenschaft.

Aus Genthin sind Mathilda (6) und Johanna Eggert (2) dabei. Sie sind bei Oma Petra Pfau in Jerichow zu Besuch und mit ihr hergekommen. Emil Pfennigwerth (8) ist in Neuenklitsche zu Hause und zusammen mit seinem Cousin Matti Freihube aus Jerichow hier.

Aus Jerichow kommen auch Benjamin Kömmler (8), Lisa Pietz (8) und Lesie Fay Remus (9). Deren Mutti unterstützt schon seit einiger Zeit das monatliche Kindermalen hier im Bürgerhaus. Sie holt einen großen Stapel Bilder aus vorherigen Veranstaltungen hervor und zeigt sie den Erwachsenen, die die Kinder hierher begleitet haben.

Natürlich darf jedes Kind seine Bilder mit nach Hause nehmen, aber einige bleiben doch immer da. Und ab und zu wird ein Bild auch zum persönlichen Geschenk für Luise Winkelmann – als Dankeschön. Auch Gracy hat extra noch ein Bild für sie gemalt und auch selbst etwas dazugeschrieben.

So lange sie kann, wird sie weitermachen mit dem Kindermalen, verspricht Luise Winkelmann. Seit einiger Zeit kümmert sie sich allein darum, denn Marian Siwek, der das auch immer sehr gern gemacht hat, ist mit seiner Frau weggezogen aus Jerichow.

Der nächste Termin für das „Kindermalen kunterbunt“ im Jerichower Bürgerhaus ist Mittwoch, 27. Januar, 15 Uhr.