Das Eiserne Kreuz aus Stein

Warum in Zitz und bei Karow ein Denkmal aus dem Jahr 1849 an den preußischen Volkskrieg erinnert

Während der Besatzungszeit in den Napoleonischen Kriegen kam es immer wieder zu Konflikten mit der Bevölkerung. Mit dem Gefecht bei Karow und Zitz 1813 geboten Bürger und Soldaten den plündernden Franzosen Einhalt. Ein Denkmal und ein Baum zeugen noch heute von den Kämpfen.

Von Thomas Skiba
Das Denkmal in der Ortsmitte von Zitz wurde 1849 erbaut. Zum gleichen Zeitpunkt wurde auch die benachbarte Linde gepflanzt
Das Denkmal in der Ortsmitte von Zitz wurde 1849 erbaut. Zum gleichen Zeitpunkt wurde auch die benachbarte Linde gepflanzt Foto: Thomas Skiba

Karow/Kade

Die französische Besatzungs in Preußen (1807 – 1813) während der Herrschaft Napoleon Bonapartes hinterließ auch im nördlichen Jerichower Land ihre Spuren. Zwar war die Region um Genthin und Jerichow kein Schauplatz großer Schlachten, und die epochale Wende fand 150 Kilometer weiter südlich mit der Völkerschlacht bei Leipzig ihren Ausgangspunkt, doch sind die Ereignisse im Jerichower Land als Teile eines großen Ganzen zu betrachten. In Kade, Karow und Zitz, letzterer Ort heute zum Land Brandenburg gehörend, waren französische Soldaten einquartiert – wie damals üblich in den Häusern und Höfen der Bürger und Bauern.

Dabei kam es immer wieder zu Konflikten, da sich die Besatzer eben als Besatzer aufführten. Oftmals gab es ein Kräftemessen, ob handfest oder auch im wörtlichen Schlagabtausch. Auf dem Hof Böttcher in Kade waren sechs Soldaten einquartiert. Üblich sei es gewesen, folgt man der Ortschronik in Kade, dass die Besatzer mit ihren Gastgebern an dem Tisch des Hauses zusammen speisten. Dabei soll ein französischer Unteroffizier sein Bajonett hervorgeholt und auf den Tisch gelegt haben. Hofbesitzer Böttcher konterte, indem er eine Mistgabel holte und neben sich legte. Auf die Frage des Franzosen: „Warum?“, antwortete Böttcher, „Zu einem großen Messer gehört auch eine große Gabel.“ Damit nahm die Kraftprobe Fahrt auf, auf dem Hof gab es eine Prügelei zwischen den Franzosen und dem Hofherren, bei der Bauer Böttcher die meisten Franzosen kampfunfähig gemacht haben soll – er soll der stärkste Mann von Kade gewesen sein. Ein Soldat konnte entkommen und Hilfe holen.

Starker Widerstand gegen die Franzosen

Nun da die Franzosen deutlich in der Überzahl waren, traten sie Böttcher derartig zusammen, dass er wenige Tage daraufhin verstarb, berichten die Quellen. Jahre später, mit dem Beginn des Preußischen Volkskrieges 1813 konnten sich die Franzosen nicht mehr im Genthiner Umland behaupten. Wenn schon vorher kaum Rücksicht auf die Bevölkerung genommen worden war, so spielte Schonung jetzt erst recht keine Rolle mehr. So versuchte am 24. August 1813 eine französische Infanteriekompanie die Orte Zitz und Karow zu plündern.

Mittlerweile hatten sich die Menschen in der sogenannten Landwehr zusammengeschlossen und setzten den Franzosen organisierten Widerstand entgegen. Außerdem waren Teile eines preußischen Kavallerie-Verbandes vor Ort, die herausfinden sollten, wie stark die Franzosen rund um das Fiener Bruch aufgestellt waren. Etwa 30 Reitern des 5.?Kurmärkischen Landwehr-Kavallerie-Regimentes gelang es bei dieser Aufklärungsmission, einen Angriff den Hang der Karower Platte hinabreitend und mit Unterstützung der Zitzer Dorfbevölkerung, die etwa 120 plündernden französischen Soldaten nach kurzem Gefecht aufzureiben und etwa 100 gefangenzusetzen. Mehrere Franzosen fielen, lediglich einem sei die Flucht gelungen. Die Kampfhandlungen müssen dort stattgefunden haben, wo sich aktuell mehrere Windkraftanlagen in den Himmel recken. Zu Ehren dieses für die Preußen vorteilhaft ausgegangenen Scharmützels ließ am 29. April 1849 Gustav Ludwig Graf von Wartensleben an der Dorfstraße in Zitz ein Denkmal zum Gedenken an die Kämpfe im Dorf und die Hilfe der Zitzer Dorfbevölkerung bei der Überwältigung der plündernden französischen Soldaten errichten. Damit wollte der Erbauer seinen Dank gegenüber den Helfern aus Zitz zeigen, denen es zu verdanken war, dass das Rittergut Karow der Familie von Wartensleben, und ebenfalls Ziel der französischen Plünderer gewesen war, verschont blieb.

Linde beschattet Denkmal seit 172 Jahren

Der Text auf dem aus Feldsteinen gemauerten Denkmal ist zweigeteilt. Auf einem steinernen, nachempfundenen Eisernen Kreuz steht in vergoldeter Schrift „Mit Gott für König und Vaterland“. Neben dem Denkmal steht eine Linde, die der Legende nach am selben Tag gepflanzt worden ist. Damit beschattet der Baum das Andenken seit mittlerweile 172 Jahren.

Am Hang der Karower Platte Richtung Brandenburg verhinderten Bürger und Soldaten das Plündern von Karow und Zitz.
Am Hang der Karower Platte Richtung Brandenburg verhinderten Bürger und Soldaten das Plündern von Karow und Zitz.
Foto: Thomas Skiba