Genthin l Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Trinkwasser könnte wegen der hohen Nitratbelastung durch die Landwirtschaft deutlich teurer werden. Verbraucher müssten sich darauf einstellen, dass der Wasserpreis um bis zu 45 Prozent steigen werde, wenn nicht bald weniger Dünger auf die Felder gebracht werde, ließ das Umweltbundesamt (UBA) vor einigen Wochen verlautbaren. Sollte die Belastung nicht bald sinken, müssten die Wasserversorger zu teureren Reinigungs- und Aufbereitungsmethoden greifen.

Grenzwert überschritten

Zwischen 2012 und 2014 sei bei 28 Prozent der Messstellen in Deutschland der zulässige Grenzwert von 50 mg/l überschritten worden, hieß es bereits Anfang des Jahres im Nitratbericht des Bundesumweltministeriums. Das sachsen-anhaltische Verbraucherschutzministerium beruhigte daraufhin etwas. An keinem Wasserwerk sei der zulässige Grenzwert überschritten worden, hieß es. Eine Belastung des Grundwassers gebe es jedoch in der landwirtschaftlich stark genutzten Börde.

Große Bundes- und Landespolitik, die sich zwangsläufig auch beim TAV in Genthin Gehör verschafft. Die Nitratbelastung des Grundwassers war deshalb auch ein Thema, das beim Besuch von Klaus Rheda, Staatssekretär im Umweltministerium, und Dorothea Frederking vom Landesvorstand Bündnis 90/Grüne bei einem Besuch des kommunalen Unternehmens auf der Agenda stand. Das Team der Grünen wurde verstärkt durch Lutz Nitz, Mitglied des Stadtrates und des Kreistages. Dessen Besuch in Genthin erfolgte auf Initiative der Stadtratsfraktion der Grünen. Auch die Geschäftsleitung des TAV, bei dem Termin vertreten durch Geschäftsführerin Loretta Kablitz und Carola Liebscher, das wurde deutlich, betrachtet die steigende Nitratbelastung mit Sorge.

Messungen in Genthin

Denny Klunter, Bereichsleiter Trinkwasser des TAV, gab für die Zukunft keine Entwarnung. Regelmäßige Beprobungen der Grundwassermessstellen in den Wasserschutzgebieten zeigten in einem Fall bereits eine Überschreitung des zulässigen Grenzwertes in den vergangenen zwei Jahren. Betroffen sind ausschließlich Ackerflächen und nicht der Wald. Die gemessenen Konzentrationen des Nitrats ziehen in der Zukunft Konsequenzen nach sich. Denny Klunter schätzt, dass diese versickerten Nitrate im Einzugsgebiet, geologische Verhältnisse und die Fließrichtung des Grundwassers berücksichtigend, in etwa acht bis zehn Jahren den Brunnenbereich erreichen.

Dennoch: Höhere Gebühren für Trinkwasser wegen erhöhter Nitratbelastung, das versicherte die TAV-Geschäftsleitung, sind in Genthin vorerst kein Thema.Verursacher dafür, dass zu viel Nitrat ins Grundwasser gelangt, sind Agrarbetriebe, die mit viel Dünger die Äcker düngen. Der Gesetzgeber versucht nun, mit einer Novellierung der Düngemittelverordnung gegenzusteuern, was den Bauern verständlicherweise nicht behagt. Die Novellierung beschäftigt mittlerweile den Bundestag. 

Die Nitratbelastung zukünftig in den Griff zu bekommen, wird nach dem Dafürhalten von Denny Klunter ein Anwendungsproblem der neuen Düngemittelverordnung sein, die Sperrzeiten und Obergrenzen regulieren soll. Staatssekretär Klaus Rheda steht für den grünen Kurs im sachsen-anhaltischen Umweltministerium, das auf die Novellierung der Düngemittelverordnung drängt. „Hohe Nitratbelastungen sind ein Problem, das es vor 20 bis 30 Jahren noch nicht gab. Es zeigt, dass wir umsteuern müssen.“ Die Landwirtschaft müsse Anstrengungen mit der neuen Düngemittelverordnung unternehmen, die dazu führen, die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern zu verringern. Es sei ein langer Prozess, das was bereits im Boden ist, wieder los zu werden. Ohne Kontrollen, so der Staatssekretär, werde dies nicht funktionieren.