Genthin l Der Postkasten von Elvira Herden in Genthin bleibt nur selten leer, obwohl sie keinen großen Briefwechsel pflegt. Das überrascht die Seniorin schon lange nicht mehr. So unterschiedlich der Absender der Briefe, die sie erreichen auch sind, eint sie doch der Grund des Schreibens. Ganz unterschiedliche Vereine und Organisationen appellieren an die Spendenbereitschaft der alten Dame, finanzielle Wohltaten zu verteilen.

Nicht mehr nachvollziehbar

Nichts Ungewöhnliches gerade in der Vorweihnachtszeit. Doch für die Genthinerin haben die Bitten um Spenden ein Ausmaß erreicht, das für sie nicht mehr nachvollziehbar ist.

Schon im vergangenen Jahr erreichten sie 27 solcher Spendenbriefe, am Sonnabend registrierte sie für dieses Jahr Brief Nummer 22. Und noch vergehen einige Tage bis zum Fest …

Überforderung

Mittlerweile füllen diverse Kalender, Karten, Aufkleber und Fotografien eine mittelgroße Box, in der die Genthinerin das ihr zugesandte Schriftgut sorgsam aufbewahrt. Das alles sei inzwischen zu viel des Guten, meint die Seniorin. Mit der Fülle der Spendenbriefe fühlt sie sich mittlerweile überfordert.

Ihre Bereitschaft, die Geldbörse für einen guten Zweck zu öffnen, stößt damit an Grenzen. In den letzten Jahren hatte sie für eine große renommiertes Organisation gespendet, die Kindern in Not hilft. Wie die anderen Organisationen, Vereine und Stiftungen aus ganz Deutschland an die Anschrift der Genthinerin gelangt sind, lässt sich schwer nachzuvollziehen.

Wer einmal gespendet hat, sagt die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, erhalte oft wieder Post.

Spendenorganisationen nutzten häufig kommerzielle Adresshändler oder beschaffen sich Anschriften über Preisausschreiben oder von Ver- sandhändlern.

Spendengelder

Als „Wegweiser durch den Spendendschungel“ verweist die Verbraucherzentrale Empfängern von Spendenbriefen, auf ein Spendensiegel zu achten, das das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) an förderungswürdige Organisationen jährlich nach einer Prüfung vergibt. Derzeit führen es 230 Organisationen.

Das DZI, schränkt die Verbraucherzentrale ein, prüfe allerdings nur Hilfswerke, die mindestens Spendengelder in Höhe von 25.000 Euro in den vergangenen zwei Geschäftsjahren eingenommen haben und sich freiwillig einer Kontrolle unterziehen. Diese Organisationen übernehmen auch für die Kosten für diese Prüfung. Kleinere Organisationen, die eine solche Prüfung finanziell nicht stemmen können, würden in ihrem Spendenaufruf einen DZI-Sternenkranz führen.

Auch der der, so die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, belege die Seriosität des Spendenaufrufes und die ordnungsgemäße Verwendung der Spende.

Schade um das Material

An der Seriosität der meisten Spendenaufrufe, die sie erreichen, hegt Elvira Herden jedoch keine Zweifel, meist handelt es sich dabei um namhafte und bekannte Organisationen. Die Seniorin könnte die Absender auffordern, ihre Daten zu löschen. Elvira Herden hat auch das Kleingedruckte, in dem sich dieser Hinweis befindet, in den Briefen aufmerksam gelesen. Doch sie winkt ab. „Es ist einfach schade um das viele Material, das hier mit den Aufrufen verschickt wird.“

Was davon irgendwie zu gebrauchen ist, hebt sie auf fürs Basteln auf. In den vergangenen Jahren habe sie gespendet, viele Spendenbriefe seien durchaus ansprechend gestaltet. Doch jetzt sei Schluss damit. „Was zu viel ist, ist zu viel.“