Dretzel l „Man kommt nicht unweigerlich durch Dretzel, wenn man von Berlin in Richtung Marokko unterwegs ist“, mussten die beiden Weltreisenden mit einem Lachen verneinen. Tatsächlich seien sie auf dem Weg nach Hannover. Nachdem der Hanomag A-L 28 dort generalüberholt wurde, gehe es auf die große Reise nach Spanien über Marokko und nach Westafrika.

Seit 2010 unterwegs

Seit 2010 ist das Paar regelmäßig unterwegs in abgelegene Winkel der Welt. „Ich habe schon als Kind von weiten Reisen geträumt“, erzählt Patrick Fuchs. Als er die ebenfalls reisebegeisterte Verena Renneberg kennenlernte, wurde der Traum Wirklichkeit.

Die beiden bauten den Hanomag, ein altes THW-Fahrzeug, zum Camping-Mobil um, kratzten ihre Ersparnisse zusammen und brachen nach Südafrika auf. „Eigentlich sollte die Reise ein Jahr dauern, am Ende sind sechs Jahre daraus geworden.“ Mit dem Hanomag ging es durch Matsch, Steine und Sand, kleinere Pannen inbegriffen.

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Beruflich selbstständig

„Mit etwas technischem Geschick ließ sich das aber beheben“, so der 42-jährige Patrick Fuchs. Zwischendurch kehrte das Paar wieder in die Heimat zurück, doch zog es sie immer wieder in die Ferne. Finanziert durch die berufliche Selbstständigkeit. Die 37-jährige Verena Renneberg arbeitet als PR-Redakteurin und Autorin, Patrick Fuchs als Webdesigner.

Die Erfahrungen, die sie machten, waren ganz Besondere. „Es gibt überall auf der Welt eine große Gastfreundschaft“, so Verena Renneberg. Ein kurzes Gespräch beim Warten an der Grenze - schon werde man von einem Lastwagenfahrer im Sudan nach Hause zur Familie eingeladen. Durch Äthiopien wollten beide schnell hindurch, da sie viel schlechtes gehört hatten.

Sprachhemmnisse überwunden

„Es hat uns aber so gut gefallen, dass wir sieben Wochen dort geblieben sind.“ In Äthiopien habe es das beste einheimische Essen gegeben, berichten die Reisenden. Trickreich schlugen sie sich trotz Sprachhemmnissen durch die entlegensten Winkel. „Im Restaurant haben wir uns in die Nähe von anderen Gästen gesetzt und gesagt, das Essen möchten wir auch“, erzählen die beiden mit einem Lachen.

Beeindruckend waren nicht nur die Menschen, sondern auch die Natur und Tiere. In Südafrika müsse man in den Nationalparks oft warten, bis Giraffen, Elefanten und Nashörner die Wege überquert haben. „In Sambia haben die Nationalparks keine Zäune, Großkatzen und Elefanten kommen regelrecht an den Tisch, wenn man rastet.“

Überfall in Malawi

In einer Nacht hörten die beiden beim Übernachten in ihrem Camper merkwürdige Schmatzgeräusche. Diese kamen von draußen, ein Flußpferd lief interessiert um das Auto herum. Mit den Reisen hätten sie einen anderen Blick auf die Welt bekommen. „Durch das alte Fahrzeug weckten wir die Neugier der Leute und wurden oft angesprochen“, sagt Patrick Fuchs. Die Kontakte zu den Einheimischen sorgten für neue Einsichten und nötigten Respekt ab. „Viele Menschen, die nach unserer Auffassung ärmlich leben, sind viel zufriedener als wir mit unseren Besitztümern.“

Und doch gab es auch negative Erfahrungen. „In Malawi waren wir zur falschen Zeit am falschen Ort“, erinnert sich Patrick Fuchs an eine Nacht im Oktober 2014. Dort wurde das Paar von vier Männern überfallen. Mit Macheten schlugen sie auf Verena Renneberg ein, durchtrennten ihr vier Sehnen der Hand. Lange dauert der Heilungsprozess, lange bis der Schock der Oktobernacht überwunden war.

Reisen nicht aufgeben

Deshalb das Reisen aufgeben? „Nie! Eine schlechte Erfahrung soll uns nicht davon abhalten unseren Traum zu leben“, sagt Renneberg heute. Der Traum geht weiter - nun also Marokko. Demnächst vielleicht Europa, das die Reisenden noch gar nicht erkundet haben. 100 000 Kilometer hat der Hanomag bereits runter und schafft noch mehr.

Vielleicht gibt es zwischendurch eine Rückkehr nach Dretzel. „Mir würde ein Vortrag der beiden gut gefallen, wir haben schon ein wenig darüber geplaudert“, berichtet die Dretzeler Schlossherrin Petra von Ostau. Wer mehr über die Reisen lesen möchte, kann hier schauen: www.runterwegs.de