Genthin l Der Zirkus Belly gastierte am Wochenende in Genthin. Mit ihm Schimpanse Robby, der gerade bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Er ist der letzte Menschenaffe, der in einem deutschen Zirkus gehalten wird.

Die Tierschutzorganisation „Peta“ kämpft dafür, dass Robby in eine Auffangstation in den Niederlanden umzieht, um dort mit Artgenossen seinen Lebensabend zu verbringen. Zirkusdirektor Klaus Köhler will genau das verhindern. „Robby kennt kein Leben unter Artgenossen. Das wäre sein sicherer Tod“, sagt der 69-Jährige. Der Affe sei unter Menschen aufgewachsen, für ihn sei er wie ein Kind.

Gericht: Robby soll umziehen

Dr. Yvonne Würz ist Biologin und Fachreferentin für Zoo und Zirkus bei Peta. Sie sagt auf die Frage, ob der Schimpansen-Opa in seinem gewohnten Umfeld nicht besser aufgehoben ist ganz klar: „Nein. Denn sein gewohntes Umfeld ist ein umgebauter Lkw-Anhänger. Robby lebt unter katastrophalen Bedingungen.“ Laut „Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ stünden ihm 400 Quadratmeter zu. Er bräuchte Kletterstrukturen und Versteckmöglichkeiten. „Davon kann Robby nur träumen“, sagt Würz.

In Genthin stand Robby ein Außengehege zur Verfügung. Würz sagt: „Bei unseren Besuchen 2011/12 war das etwa 30 Quadratmeter große Außengehege meist gar nicht aufgebaut.“ Dass das nun öfter der Fall zu sein scheint, sei nicht der Tierfreundlichkeit des Zirkusses, sondern der Intervention Petas bei lokalen Veterinärbehörden zu verdanken.

Das Verwaltungsgericht Lüneburg gab im Mai Peta recht. Urteil: Der Affe soll in die Auffangstation AAP in den Niederlanden umziehen. Köhler geht gegen das Urteil vor, beantragte eine Berufung beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Das befindet gerade darüber, ob der Widerspruch zugelassen wird.

Peta kritisiert Zirkus

Peta kritisiert das scharf und wirft Köhler eine „Verzögerungstaktik“ vor. In einer Pressemitteilung heißt es: „Wir fordern ihn auf, seine Berufung zurückzuziehen.“

Robby bleibt bis zu einem rechtskräftigem Urteil im Zirkus, darf aber in den Vorstellungen nicht gezeigt werden. Die Genthiner Besucher bestaunten ihn während der Vorstellungspause.

Klaus Köhler und Robby wirken ein bisschen wie Vater und Sohn, der Direktor nennt den Schimpansen „Schatz“, der Affe fährt ihm liebevoll durch die Haare.

Zufriedener Eindruck

Diese Beobachtungen haben auch Dr. Kai Perret, Direktor des Magdeburger Zoos, und Wildtierärztin Alexandra Dörnath bei ihren Besuchen im Zirkus Belly gemacht. Beide kommen zu dem Schluss, dass Robby sich in einer Auffangstation nicht zurecht finden würde und gegenwärtig einen zufriedenen Eindruck macht.

Dr. Yvonne Würz sagt dazu: „Wir erleben leider häufig, dass zirkusnahe Experten gegen den Tierschutz arbeiten.“ Und: „Von einer Dr. Dörnath habe ich im Zusammenhang mit Schimpansen noch nie gehört. Die weltberühmte Schimpansenforscherin Dr. Jane Goodall hingegen hat sich bereits 2015 klar für Robbys Umzug in eine Auffangstation ausgesprochen.“

Während Köhler, Dörnath und Perret bezweifeln, dass man einen so alten Affen noch integrieren kann, sagt Würz: „Robby würde weder einfach mit anderen Tieren zusammengesteckt noch dauerhaft isoliert werden.“ Sie erklärt, dass auf eine Quarantänephase die Resozialisierung folgen würde, bei der er behutsam auf ein erstes Zusammentreffen vorbereitet würde. „Zunächst über Hör- und Geruchs- und Sichtkontakt, dann über Berührungen Gehege an Gehege“. Wenn sicher sei, dass er mit anderen Schimpansen gut zurecht kommt, würde er zu einem Artgenossen gelassen.

Robby ist laut Klaus Köhler 45 Jahre alt, seit 41 Jahren lebt er im Zirkus Belly. „Ihn hier raus zu reißen, das ist für mich Tierquälerei.“ Peta beruft sich dagegen auf Dr. Pierre Grothmann. Er ist Zoodirektor in Wingst und hat lange Zeit im Magdeburger Zoo als Tierarzt gearbeitet. Er hat Robby vor wenigen Monaten auf etwa 40 Jahre geschätzt. Yvonne Würz unterstellt: „Die Altersangabe wird vom Zirkus systematisch immer weiter etwas nach oben gesetzt, um den Eindruck zu verstärken, man könne einem so alten Tier eine Umsiedlung nicht zumuten.“

Zirkuschef will Robby behalten

Dem Vorwurf, dass man bei Peta gar nicht wisse, wovon man spreche, widerspricht sie: „Wir haben zwar keinen Menschenaffen-Experten im Team, haben uns aber 2011, bevor die Kampagne zur Rettung Robbys startete, mit der Schimpansen-Auffangstation AAP beraten, was das Beste für Robby ist.“ Diese Station sei die einzige wissenschaftlich geführte Einrichtung, die jahrzehntelange Erfahrung mit der Aufnahme von Schimpansen aus Zirkusbetrieben hat.

Klaus Köhler sieht sich und seine Familie als Opfer von Peta. „Die wollen Geld und Aufmerksamkeit und das auf meine Kosten.“ Für ihn gibt es nur einen richtigen Ort für Robby. „Der Zirkus ist sein Zuhause. Hier soll er bleiben.“ Dafür will Köhler weiter kämpfen. „Zur Not ziehe ich bis vor den Obersten Gerichtshof in Karlsruhe.“

Wie es mit Robby weiter geht, bleibt also unklar. Fakt ist, in Genthin werden Zelte und Manege seit gestern abgebaut, der Zirkus zieht nun weiter nach Rathenow.