Halberstadt l Der Duft von Gebratenem zieht durch das Gebäude. In der engen Küche herrscht aufgeregte Stimmung: Gleichzeitig wird geschnitten, gekocht, auf Platten angerichtet, gespült und geplaudert.

Die Stimme von Annika Ulrike Schiefler übertönt die Geräuschkulisse. Ihre Anweisungen sind kurz und resolut: „Dünner schneiden! Wo ist die Platte? Darüber!“ Es sind nur noch wenige Minuten, bis die geladenen Gäste an den eingedeckten Tischen Platz nehmen.

Auch wenn es Annika Schieflers Ton vermuten lässt, sie ist keine Küchenchefin. Sie ist erst 16 Jahre alt und besucht die 10. Klasse des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Halberstadt. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden kocht die Schlanstedterin ein Vier-Gänge-Menü. Einige der Schüler zeigen außerdem ein Kulturprogramm.

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Veranstaltungsort ist die Halberstädter Wärmestube. Dort, wo normalerweise für mittellose Menschen aus Spenden finanzierte Mahlzeiten gekocht werden, stehen nun die Schüler am Herd. Für den guten Zweck, nicht für gute Noten, versichert Schülerin Chantalle Zimmer.

Sponsorensuche anfangs schleppend

Zwar stammt die Idee von ihrem Lehrer Jörg Spix, dennoch haben die Schüler das Projekt eigenständig in ihrer Freizeit organisiert. „Die Schüler hatten freie Hand“, sagt Jörg Spix und gibt zu: „Das ist auch besser so. Ich koche zwar gern, aber schlecht“. Nur eine Bedingung hat er gestellt. „Die Veranstaltung muss in der Wärmestube stattfinden.“

Der Geschichts- und Religionslehrer pflegt seit einigen Jahren Kontakte zu der Einrichtung, schon vorherige Klassen hat er dort kochen lassen. „Das Charity-Essen ist eine gute Möglichkeit, Schülern und Eltern die Wärmestube näher zu bringen – und Geld zu sammeln“, sagt Spix.

Dieses Mal sind es 1003 Euro, die die Schüler vor und während des Charity-Abends einnehmen. „Das Geld geht komplett an wohltätige Einrichtungen, unter anderem natürlich an die Wärmestube“, berichtet Emanuel Mauritz.

Vier Wochen lang haben er und seine Mitschüler den Abend geplant. Einer der wichtigsten Punkte war die Sponsorensuche. „Anfangs war das etwas schwierig. Aber letztlich hat es ja geklappt“, berichtet Chantalle Zimmer. Die Spenden – Geld und Lebensmittel – kommen unter anderem von Händlern und den Eltern. Als Dank sind die Geldgeber – mehr als 40 Personen – zu dem Vier-Gänge-Menü eingeladen.

„Es ist ein Unterschied, ob man nur was für die Familie kocht, oder für so viele Leute“, sagt Josi Rackwitz. „Wir haben schon großes Lampenfieber.“

Koch-Crashkurs bei der Großmutter absolv

Allen voran Annika Schiefler. Dass sie als Küchenchefin agiert, ist eine Frage der Familienehre. „Meine Oma kocht beruflich“, verrät die 16-Jährige. „Sie hat mir Tipps gegeben und wir haben zu Hause Probe gekocht.“

In der Wärmestube muss sie auf die Unterstützung der Großmutter verzichten. Dafür hilft das Team um den Einrichtungsleiter Rolf Lange. „Wir freuen uns immer auf die Aktion“, sagt Lange. „So sehen die Jugendlichen etwas von der anderen Seite des Lebens und erfahren, was die Wärmestube ist.“ Kein trauriger Ort, sondern einer mit positiven Aspekten und Begegnungen.