Halberstadt l Er sitzt in einem neuen Büro. War der Wechsel auf den Chefsessel mehr als der Umzug in ein anderes Büro? „Natürlich“, sagt Rainer Gerloff und lacht. Der promovierte Physiker ist mit großem Respekt an die Aufgabe he­rangegangen, wie er berichtet. Froh ist er, dass die Belegschaft den Wechsel relativ entspannt wahrgenommen habe und vor allem, dass die Geschäftsprozesse alle reibungslos weiterliefen.

Reibungsloser Wechsel

Probleme diesbezüglich hatte er auch nicht erwartet, schließlich war Gerloff für das Team der Stadtwerke kein Unbekannter. Hat er doch zuvor mehrere Jahre den Vertrieb des Energiedienstleisters verantwortlich geleitet. Dennoch, Unterschiede spüren die Mitarbeiter schon. Gerloff ist sich dessen bewusst. „Ich stelle andere Fragen“, sagt der Wernigeröder. Er ist ein Mann der Zahlen, ein Analytiker, sachlich, immer wieder nachfragend. War sein Vorgänger Bodo Himpel eher ein nach außen gehender Motivator, ist Gerloff dagegen ein eher stillerer Typ. Aber genauso hartnäckig und zielstrebig.

Er hat die inneren Stukturen des Unternehmens genauso im Blick, hat Umbauprozesse schon seit Längerem begleitet. „Wichtig ist, dass man nicht umbaut um des Umbauens willen, sondern dass die Schwerpunkte, die man damit setzt, nachvollziehbar sind für das Team. Schließlich stehen wir vor großen Herausforderungen“, sagt Gerloff.

Er nennt diese Herausforderungen „die vier D“, und erklärt, was hinter jedem D steht: Dekarbonisierung, also die Senkung des Kohlendioxyd­ausstoßes in der gesamten Bundesrepublik, Digitalisierung, Dezentralisierung und demografischer Wandel.

Motiviertes Team

Die Herausforderungen kann das kleine Versorgungsunternehmen meistern, dessen ist sich Gerloff sicher – weil die Ausgangsbasis sehr gut ist, wie er sagt. Da sei zu allererst „die sehr, sehr gute, qualifizierte und motivierte Mannschaft in Betriebsstrukturen, die erfolgreiches Arbeiten möglich machen.“ Das könne er sehr gut beurteilen, erklärt Gerloff, weil er vor seiner Arbeit in Halberstadt in mehreren Unternehmen der Branche tätig war. „Was wir hier haben, kann sich sehen lassen“, sagt der Geschäftsführer, „die Mannschaft ist echt das Kapital unserer Gesellschaft.“

Projektbezogen arbeiten

Wichtig ist Gerloff auch, die hohe Kundenzufriedenheit, die dem Energieversorger immer wieder bescheinigt werde. Die Stadtwerke genießen in der Region eine große Wertschätzung, das gelte es ebenso zu erhalten wie die hohe Kundenakzeptanz. Dafür dürfe das Unternehmen durchaus dankbar sein, auch wenn es Ausdruck engagierter Arbeit sei. Und noch etwas habe seinen Start als Geschäftsführer leicht gemacht, berichtete der verheiratete Familienvater. „Wir haben das Glück, zwei sehr verantwortungsvolle Gesellschafter zu haben, die nicht nur kurzfristig denken, sondern denen die Entwicklung des Unternehmens wichtig ist und die strategische Planungen mittragen und fördern.“ Sowohl die Stadt über ihren Konzern Nosa als auch die Thüga seien sich bewusst, dass die komplexen Anforderungen nur mit leistungsstarken, wenn auch kleinen Einheiten zu bewältigen seien, die in hohen Maße eigenverantwortlich und projektbezogen agieren müssen. „Methodisch wird uns nichts anderes übrigbleiben, wenn wir weiter erfolgreich sein wollen“, sagt Gerloff, „deshalb werden wir auch die Qualifizierung unserer Mitarbeiter deutlich breiter aufstellen als früher.“ Die Thüga sei dabei den Stadtwerken nicht nur als Anteilseigner hilfreich, sondern biete inhaltlich Unterstützung.

Immerhin sind rund 100 Unternehmen unter dem Dach der Thüga vereint. „Das ist ein großer Vorteil, weil wir nicht alles allein ausprobieren oder entwickeln müssen, sondern untereinander von Erfahrungen und Lösungen profitieren können“, sagt Gerloff.

Zusammenarbeit wichtig

Überhaupt sind Koopera­tionen für Gerloff ein Schlüssel zum Erfolg – nicht nur für die Stadtwerke selbst, sondern für die gesamte Region. Dabei hat er Unternehmen ebenso im Blick wie die Hochschule Harz oder andere Bildungsträger. „Es ist doch für alle Beteiligten viel sinnvoller, Kraft in praktikable Lösungen zu stecken, anstatt sich in Kleinkriegen zu beharken.“

Ihm sei nach dem Wechsel viel Vertrauen entgegengebracht worden, sowohl vonseiten der Kunden und Geschäftspartner, als auch vonseiten der Verbände, in denen die Halberstadtwerke Mitglied sind.

Das klingt alles nach einem ziemlich entspannten Arbeiten. „Naja, stressig ist es schon oft genug. Aber natürlich darf Arbeit auch Spaß machen“, sagt Gerloff schmunzelnd. Um dann ernsthaft zuzugeben, einen wesentlichen Aspekt des Geschäftsführer-Seins vor dem Wechsel unterschätzt zu haben. „Der Zeitaufwand ist doch noch einmal erheblich größer als vorher. Da war ich ja auch schon in verantwortlicher Position tätig. Aber als Chef ist das nochmal anders.“