Gatersleben (im) l „Wir haben schwarz gewählt und eine grüne Umweltministerin bekommen. Seitdem steht die Landwirtschaft nur noch an zweiter Stelle“, sagt Wilfried Feuerstack. Der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordharz spricht von „bewegten Zeiten“ und einem „ganzen Strauß von Problemen, der vor uns steht“.

Wirtschaftlicher und politischer Druck steigt

Das sei beim diesjährigen Bauernverbandstag im Leibnitz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben (Salzlandkreis) einmal mehr deutlich geworden. Feuerstack: „Wir sehen uns weiter zunehmend wirtschaftlichem und politischem Druck ausgesetzt.“ Hinzu kämen die Witterungsunbilden, mit denen die Branche zu kämpfen hat.

Der Wasserlebener zählt auf: Da wäre zunächst die seit etwa zwei Jahren anhaltene Preiskrise bei der Milcherzeugung. Zahlreiche Betriebe in der Region hätten die Produktion bereits eingestellt oder stünden vor dem Aus. Zwar habe sich die Situation zuletzt leicht entspannt. Statt nur rund 20 Cent wie im vergangenen Frühjahr würden aktuell wieder 30 bis 32 Cent pro Liter gezahlt. Nur, so der Verbandschef: „Das ist jetzt gerade so kostendeckend. Geld verdient wird damit noch nicht.“

Grundsätzlich müssten die Lieferbeziehungen zwischen Erzeuger und Molkerei neu gestaltet sowie andere Wege der Vermarktung, wie zum Beispiel durch Milchtankstellen, beschritten werden.

Fleischproduktion stagniert

Ebenso unbefriedigend sei die Lage für die Tierhalter. Die Fleischproduktion stagniere. Aus einem falschen Gesundheitsbewusstsein heraus oder aus ideologischen Gründen verzichteten immer mehr Konsumenten auf solche Erzeugnisse.

Als weiteren Punkt nannte Wilfried Feuerstack vor den rund 120 Teilnehmern des Verbandstages verschärfte gesetzliche Auflagen für die Agrarier. Der Vorsitzende: „Nehmen wir den Raps. 25 Prozent wird hier nicht über den Winter kommen.“ Ursache dafür seien die Beizmittel, für deren Einsatz es keine Erlaubnis mehr gibt.

„Hemmend“ wirke sich gleichsam die Glyphosat-Debatte aus. Das Herbizid werde im August gespritzt, „wenn die erste Welle Raps aufgelaufen ist“. Damit solle die sich zu dieser Zeit „explosionsartig aufbauende Mäusepopulation gestoppt werden“. Käme es zu einem Verbot, werde sich dies negativ auf die Erzeuger auswirken.

Wölfe sind zusätzliche Belastung

Dies gelte generell für die neue Düngerichtlinie. Dadurch würden sich die Ausbringezeiten verringern. Wilfried Feuerstack: „Tierzuchtbetriebe müssen Lagerkapazitäten ausbauen und deshalb investieren oder ihre Bestände anpassen.“ Für die Weidetierhalter entstehe zudem durch den für sie immer akuter werdenden Schutz vor Wölfen eine zusätzliche Belastung.

Der Verbandschef bezog im Gespräch mit der Volksstimme auch zu zwei geplanten Vorhaben im Harzkreis Stellung. In beiden Fällen seien zwar Mitglieder nicht unmittelbar betroffen. Dennoch würden sowohl der geplante Kiesabbau im Ilsetal als auch der Windpark in Derenburg ausdrücklich in Frage gestellt. Feuerstack: „In unserem Land verschwinden weiter täglich hektarweise teils hochwertige Böden.“ Gleichzeitig würden Ausgleichs- und Ersatzvorhaben nur all zu gern auf Ackerland geplant. Zwar gebe es Fortschritte. Dennoch werde noch nicht überall nach dem Grundsatz „Innenentwicklung vor Zersiedelung“ gehandelt.

Trotz aller Sorgen um die Zukunft der Branche zeigte sich der Vorsitzende in Gatersleben optimistisch. So warb er bei den Mitgliedern dafür, neben dem 20. Harzer Landwirtschaftsfest am 25. Juni in Reinstedt Hoffeste als gute Möglichkeit zu nutzen, um die Verbraucher „aufs Land zu holen“. Ebenfalls gefestigt werden sollen Kooperationen mit Schulen.