Tunnelsystem

13 Kilometer lang ist das historische Stollensystem in den Thekenbergen. Um diese Tunnel zu graben, in denen Flugzeugteile hergestellt werden sollten, wurde 1944 das KZ Langenstein-Zwieberge errichtet. Die Gefangenen arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen. Innerhalb von nur zwölf Monaten starben 2000 Menschen. Zu DDR-Zeiten in Teilen von der Armee als Munitionsdepot genutzt, wurde der Stollen in Nachwendezeiten berühmt, weil hier zeitweise das ungültig gewordene DDR-Geld gelagert worden war.

Halberstadt l Was wird aus dem Areal, unter dem sich der historische Stollen in den Thekenbergen befindet? Das riesige Gelände untersteht einem Insolvenzverwalter, es gab erfolglos gebliebene Versuche der Zwangsversteigerung. Dass möglicherweise dieser wichtige historische Ort nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein könnte, führte im vergangenen Jahr zu einer Unterschriftensammlung, die zu den Tagen der Begegnung gestartet wurde und letztlich von 1860 Menschen unterschrieben worden war. Grundlage für eine Petition an den Landtag Sachsen-Anhalts.

Damit wurde ein Stein ins Rollen gebracht, der möglichst nicht mehr aufgehalten werden soll, wie während der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge betont wurde. Denn es ist viel Bewegung in die Angelegenheit gekommen.

Arbeitsauftrag erteilt

Der Petitionsausschuss des Landes war vor Ort, sorgte dafür, dass der Landtag das Thema diskutierte und dieser einmütig – auch mit den Stimmen der Oppositionsparteien – der Landesregierung einen Arbeitsauftrag erteilte. Wie Kai Langer, Direktor der Gedenkstättenstiftung des Landes, berichtete, war dem Petitionsausschuss im vergangenen Oktober noch verweigert worden, sich das gesamte Stollensystem anzusehen. Als jetzt im Februar eine große Arbeitsgruppe mit Vertretern verschiedener Ministerien und Behörden des Landes und des Landkreises sowie der Gedenkstättenstiftung vor Ort war, konnte der gesamte Stollen besichtigt werden.

„Aus meiner Sicht“, sagte Langer, „wäre es jetzt ein nächster wichtiger Schritt, eine Gesamtkonzeption zu erarbeiten, die alle Fragen bündelt“. Denn der Stollen ist als authentischer historischer Ort wesentliches Element für die Arbeit der Gedenkstätte. Deren Mitarbeiter wünschen sich wie der Förderverein und die Angehörigen derer, die Opfer des unmenschlichen Lagersystems der Nationalsozialisten waren, schon lange, dass mehr zu sehen ist als nur der 120 Meter lange Zugang und ein Seitenblick in einen unausgebauten Stollenteil.

Welche pädagogischen Konzepte dafür sinnvoll sind, sollte in solch einer wünschenswerten Gesamtkonzeption ebenso stehen wie vieles andere. „Das geht bei der Anbindung an die öffentliche Infrastruktur, also Wasser, Strom, Abwasser, Telefon los und hört mit dem Personalbedarf und der Frage, wie und ob Parkplätze gebaut werden sollten, nicht auf“, sagte Langer. Denn erst wenn man solche Fragen beleuchtet hat, sind realistische Kostenschätzungen und Variantenabwägungen möglich.

Verhaltener Optimismus

Dass das Land sich jetzt so intensiv der Frage zuwendet, wie der Stollen für die Gedenkstättenarbeit zugänglich bleibt und möglicherweise diese Nutzung im Stollen erweitert werden könnte, löste bei den Vereinsmitgliedern verhaltenen Optimismus aus. Schließlich kämpft der Verein mit den Angehörigen der Opfer für dieses Ziel schon seit mehr als 20 Jahren. „Vielleicht war jetzt die Zeit reif dafür“, sagte Vereinsvorsitzende Hanka Rosenkranz.

Dass solch eine Prüfung viel Zeit in Anspruch nimmt, sei allen bewusst, sagt Rosenkranz. „Aber vielleicht gelingt in dieser Legislaturperiode ja noch, die Planungen soweit zu verfestigen, dass sie nach den nächsten Landtagswahlen nicht mehr so ohne weiteres zu stoppen sind.“