Halberstadt l Im derzeit herrschenden Streit zwischen Arbeitnehmern und der Geschäftsführung der Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt hat sich Lars Timm, Regionalgeschäftsführer Ameos Ost, zu den Vorwürfen der Angestellten und der Vertreter der Gewerkschaft Verdi geäußert.

„Unser Anliegen ist es – betriebswirtschaftlich seriös und gleichzeitig konstruktiv in der Debatte – jederzeit alle Ansätze und Ideen für den Erhalt der Häuser zu prüfen und zu fixieren. Und das bei gleichzeitiger Sicherung aller Arbeitsplätze“, teilte Timm mit. So habe man den Mitarbeitern der Ameos-Standorte ein sorgsam geschnürtes Zukunftspaket vorgestellt. Dabei setze man auf klare Fakten, offene Diskussionen und sichere Perspektiven.

Vertragsangebot

Das Zukunftspaket, das mit einer festgeschriebenen Gehaltssteigerung von insgesamt zehn Prozent sowie einem Kündigungsschutz von fünf Jahren ausgestattet ist, hält Timm für ein Vertragsangebot, das „weit über das hinausgeht, was andere Kliniken in Sachsen-Anhalt mittelfristig werden bieten können.“ Man freue sich, damit den Mitarbeitern der Krankenhäuser eine langfristige Perspektive geben zu können, sagte Regionalgeschäftsführer Timm. Überzeugt vom Vertragsangebot, äußerte Timm sein Unverständnis über die Haltung der Gewerkschaftsvertreter von Verdi. Diese hätten bereits 2012 mit ihren „überzogenen Forderungen“ 360 Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt gefährdet. So sei es auch dieses Mal. Der geführte Streik in den Salzlandkliniken und die Forderungen der Gewerkschaft gefährdeten nachhaltig den Erhalt der Krankenhauslandschaft im Land. Weiterhin sagte Timm, dass „Verdi lieber den Abbau von Arbeitsplätzen in Kauf nimmt, als auf die Durchsetzung der überzogenen Forderungen zu verzichten.“

Eine Haltung, die Gewerkschaftsvertreterin Manuela Hase vom Verdi-Bezirksfachbereich Sachsen-Anhalt Nord nicht nachvollziehen kann. „Wir haben mit allen Betreibern von Akuthäusern in meinem Zuständigkeitsbereich Tarifverträge abgeschlossen, nur mit Ameos kommen wir nicht zusammen.“ So sei auch das derzeitige Angebot alles andere als zufriedenstellend. „Die Kollegen kommen mit den vorliegen Verträgen nicht mal in die Nähe der Wertigkeit von Tarifverträgen“, berichtet Hase. In vergleichbaren Kliniken bekämen die Pflegekräfte laut Hase zwischen 500 und 600 Euro mehr Lohn.

Warten auf Gerichtsentscheidung

Für die Kollegen in Halberstadt sei außerdem der angebotene Kündigungsschutz eine Farce. „Sollte der Bundesarbeitsgerichtshof den Arbeitnehmern Recht geben, haben die Angestellten bereits einen gültigen Kündigungsschutz und können nicht betriebsbedingt gekündigt werden“, sagt die Gewerkschafterin. Mit dem Vorwurf, die Gewerkschaft nehme lieber Arbeitsplatzabbau in Kauf, als auf Forderungen zu verzichten, kann die Arbeitnehmervertreterin nichts anfangen. „Dieses Manöver dient vermutlich nur dem Versuch, die Belegschaft zu spalten“, sagte Hase. Man werde jetzt in Halberstadt die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes abwarten und dann eventuelle Schritte vorbereiten.

In den Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt gibt es seit Längerem Streit über die Höhe der gezahlten Löhne sowie über die Belastungen der Ärzte und des Pflegepersonals. In den Salzlandkliniken wurde deshalb in den letzten Wochen wiederholt zu Warnstreiks aufgerufen. Im Halberstädter Krankenhaus dürfen die Angestellten nicht streiken, da dort noch gerichtlich über die Durchsetzung eines 2014 geschlossenen Haustarifvertrages gestritten wird. Ein letztinstanzlicher Verhandlungstermin vor dem Bundesarbeitsgerichtshof in Erfurt ist für Februar angesetzt. Dennoch haben die Angestellten am letzten Donnerstag mit einer Demonstration auf ihre Situation aufmerksam gemacht (die Volksstimme berichtete).