Halberstadt l Die Staatsschutzabteilung im Harzer Polizeirevier hat im Umfeld der Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende (Zast) in Halberstadt Ermittlungen aufgenommen. Anlass sind wechselseitige Strafanzeigen von Zast-Bewohnern und einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Die im Raum stehenden Vorwürfe lauten auf Freiheitsberaubung und Bedrohung sowie Körperverletzungen.

Eine Sprecherin des Harzer Polizeireviers hat die Anzeigen auf Anfrage der Volksstimme bestätigt. Es gebe zwei Vorfälle, bei denen es zu Konflikten zwischen syrischen Zast-Bewohnern und Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes gekommen sein soll. So werfe ein 28 Jahre alter Syrer Wachleuten vor, ihn vor gut einer Woche in einer Abstellkammer eingesperrt zu haben. Zudem sei er von einem Wachmann bedroht worden. Zuvor soll es zu einem Disput gekommen sein, weil der Mann auf dem Zast-Gelände unerlaubt einen Bewohner-Block betreten wollte.

Hintergrund sind nach Volksstimme-Informationen verschärfte Corona-Regeln. So dürfen Bewohner nur noch den eigenen Wohnblock betreten, alle anderen sind tabu. Entsprechend häufig müssen sie sich nun ausweisen.

Auf Anzeige folgt Gegenanzeige

Eine solche Kontrolle soll laut Polizei Auslöser eines zweiten Zwischenfalls in der Nacht zum Sonntag gewesen sein. Dabei werfe ein 33 Jahre alter Syrer Wachleuten vor, ihn zu Boden gestoßen zu haben. Zu diesem Vorfall liege auch eine Anzeige eines 21 Jahre alten Wachmanns mit Migrationshintergrund vor, der dabei Kratzspuren erlitten haben soll, so die Polizeisprecherin.

Der Harzer Polizeichef Marco Zeuner kündigte an, dass die Staatsschützer nunmehr allen Vorwürfen nachgehen. Der Sprecher des Sicherheitsdienstes, der die Vorwürfe gegen seine Mitarbeiter am Donnerstag noch nicht kannte, sagte den Ermittlern jede Zustützung zu.

Sollten sich im Zuge der Ermittlungen die Vorwürfe gegen seine Mitarbeiter erhärten, würden diese umgehend suspendiert. So wie im Sommer 2019. Damals sollen vier Wachleute übermäßige Gewalt angewendet haben, um zwei in Streit geratene Zast-Bewohner zu trennen. Gegen drei der mittlerweile entlassenen Sicherheitsleute ist jetzt vor dem Amtsgericht Halberstadt Anklage wegen Körperverletzung erhoben worden.