Stadt Osterwieck/Harzkreis l Ab Januar 2020 sollen endlich auch die Gewerbetreibenden und Einwohner von Hessen und Osterwieck einen „schnellen“ Breitband-Anschluss mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde im Download erhalten können. Der Termin steht – doch kann er wirklich gehalten werden?

Zuletzt hat es vor Ort massive Probleme mit dem Ausbau selbst gegeben. Sie mündeten gleich in mehrere Paukenschläge: Einen behördlich angeordneten Baustopp und ein Krisentreffen mit zahlreichen Verantwortlichen.

Referatsleiter aus Ministerium mit am Tisch

Anfang dieser Woche sind auf Betreiben des Wirtschaftsministeriums 19 Beteiligte aus dem Ministerium, von mehreren Behörden im Harzer Landratsamt sowie der Stadtverwaltung Osterwieck und dem Magdeburger Telekommunikationsanbieter MDDSL in Osterwieck zusammengekommen. Die Tatsache, dass mit Theo Struhkamp der zuständige Referatsleiter für den geförderten Breitbandausbau im Wirtschaftsministerium mit am Tisch saß, zeigt, wie brisant die Situation war und wie hoch die Runde angebunden war.

Anlass der Runde waren die aktuellen Bauarbeiten in Osterwieck. Dort waren die MDDSL-Monteure vorige Woche mit Technik und dem Leerrohr, in das schließlich die eigentliche Glasfaserleitung eingeblasen wird, angekommen. Zuvor waren sie seit Juli im Raum Hessen tätig. Am Montag plötzlich der Baustopp. „Um weitere Schäden zu verhindern“, wie Osterwiecks Wirtschaftsförderer Peter Eisemann auf Anfrage erklärte. Denn die Firma habe unter anderem ohne Schachtgenehmigungen, ohne Absprachen mit Kommune und weiteren Behörden sowie ohne Eigentümerzustimmung gearbeitet. Deshalb auch das Krisentreffen in Osterwieck.

In dem Treffen ging es nicht nur um genehmigungsrechtliche Punkte. „Es wurde geklärt, dass sich die Firma an gesetzliche Regelungen zu halten hat“, sagte Karin Müller von der Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung. Sie räumte zugleich ein, dass zuletzt „die Alarmglocken geschrillt“ hätten.

Der Termin der Fertigstellung sei beim Treffen kein Thema gewesen, sagte Eisemann. Trotzdem macht sich bei der Frage, ob MDDSL den Zeitplan beim Breitbandausbau insgesamt einhalten kann – trotz aller Versicherungen von MDDSL – Skepsis breit. Schließlich wurden zeitliche Zusagen, die MDDSL-Chef Andreas Riedel beim symbolischen ersten Spatenstich im Februar genannt hatte, schon überzogen: Im zweiten Quartal sollte in Osterwieck Bautechnik anrollen, um bis September die Glasfaserkabel zu den örtlichen Straßenverzweigern – Multifunktionskästen genannt – zu verlegen. Im Frühjahr sollte eine erste Informationsveranstaltung für künftige Nutzer stattfinden. Diese soll nun, Monate später, für den 11. September anberaumt werden.

Letztlich geht es beim staatlich geförderten Breitbandausbau in MDDSL-Regie im Harzkreis nicht nur um Hessen und Osterwieck, sondern auch um Städte und Gemeinden wie Timmenrode, Ballenstedt oder Gernrode. Sie liegen in der Mitte des Harzkreises oder am östlichen Rand. MDDSL zieht seine eigene Glasfaser- trasse jedoch vom Westen her kommend und ist gerade im Raum Hessen/Osterwieck mit dem Verlegen der Leerrohre beschäftigt. Letztlich muss das Netz laut Ausbauvertrag bis zum 8. Januar 2020 stehen. Ist das zu schaffen?

Bauleiter bekräftigt Termineinhaltung

„Aus momentaner Sicht liegen wir im Plan, wir werden den Termin halten“, so Jan-Michael Langner vom MDDSL-Baumanagement. Gebaut werde mittels Bohrspülung, mit drei Fräsmaschinen und mit Minibagger in offener Bauweise. Allein mit den Fräsmaschinen seien täglich bis zu 1500 Meter zu schaffen, so Langner, der seit Anfang Mai als Bauleiter bei MDDSL an Bord ist.

Auf solche Versprechen können die Verantwortlichen in den Behörden und die Breitbandkunden nur setzen und hoffen, dass sie eingehalten werden. „Solange wir keine Anzeige vom Unternehmen bekommen, dass sie den Termin nicht einhalten kann“, gehe man davon aus, dass Anfang Januar alles fertig sei, sagte Karin Müller. Alle Beteiligten, betonten Müller wie Eisemann nach der Krisenrunde, seien jetzt bestrebt, keine weiteren Verzögerungen zuzulassen. Es sei geklärt worden, welche Unterlagen die Firma beibringen müsse und dass Genehmigungen seitens der Stadt Osterwieck und des Landkreises so schnell wie möglich erteilt würden.

Nach dem Baustopp seien am Donnerstag zunächst in Osterwieck die Arbeiten wieder aufgenommen worden. Dass im Vorfeld der Bauarbeiten Fehler gemacht wurden, will Langner nicht in Abrede stellen. Es sei aber nicht etwa so, dass man keine Anträge gestellt habe. Im Fortgang habe es aber größere Missverständnisse gegeben. „Die sind jetzt ausgeräumt.“

Bei Hessen begannen im Juli die Breitband-Erschließungsarbeiten. Der genaue Verlauf der Trasse zwischen Hessen und Osterwieck steht aktuell noch zur Genehmigung. Die Leerrohre liegen bisher von beiden Orten aus in Richtung Fallstein und sollen nun um den Wald herumgeführt werden. Ein Kabel wird darüber hinaus nach Deersheim und Dardesheim führen, um die dortigen Gewerbegebiete anzuschließen.