Halberstadt l Skispringen, Ski Alpin und Eiskunstlauf zählten in früher Jugend zu meinen Wintersport-Favoriten, die ich stets begeistert im Fernsehen verfolgt habe. Damals bauten wir kleine Schanzen und zogen auf gewachsten Brettern unsere Schleifen. Später wurden größere Langlauftouren daraus, mit Mitte 40 schnallte ich mir erstmals Abfahrtski unter. Biathlon allerdings spielte nie eine Rolle. Genau das sollte sich nun mit 68 Jahren ändern.

Als ich vor zwei Wochen gefragt wurde, ob ich bei der Biathlon-Tour in Halberstadt das Medien-Team verstärken könnte, benötigte ich zumindest einen Tag, um mich mit Blick auf die inhaltlichen Bedingungen erstmal auf Ballhöhe zu bringen. Und um meine persönliche Skepsis zu überwinden. Denn eigentlich passen Skilanglauf und Schießen unmittelbar nach maximaler körperlicher Anstrengung für mich einfach nicht zusammen.

Letztlich siegte aber das berühmte sportliche Motto: Dabei sein ist alles, sagte ich mir und begann – um fit ins Rennen zu gehen – mit dem Lauftraining. Dass ich mir die Runden im Wald glatt hätte sparen können und besser Klimmzüge, Kniebeugen und Liegestütze trainiert hätte, wurde mir am Wettkampftag schnell klar.

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Aha-Effekt beim Trainingslauf

Aber der Reihe nach: Bereits am Sonnabendvormittag nutzen zahlreiche Halberstädter und Starter aus der Region die Möglichkeit, sich auf dem Fischmarkt „in die Loipe“ zu begeben. Darunter auch ich als einer der 72 Teilnehmer von den 18 gemeldeten Staffeln. Überraschender Aha-Effekt beim Trainingslauf: Das Schießen mit dem originalen Biathlongewehr mit Infrarottechnik funktioniert besser als gedacht. Nach über 30-jähriger Schießpause immerhin vier Treffer zu landen, stimmt mich schon mal recht zufrieden.

Auf dem Thoraxtrainer hingegen erkenne ich sofort meine Schwäche. Die Doppelstocktechnik im Skilanglauf, die mit ihm simuliert wird, fordert mich, der sonst klassisch mit Parallelschwung in der Loipe unterwegs ist, sehr. Es fühlt sich an wie Rudern im Stehen. Während die Oberarmmuskulatur massiv gefordert wird und die Arme in Rekordzeit „hängen“, werden die Beine kaum beansprucht. Beruhigend ist es, zu sehen, dass es anderen Aktiven ähnlich geht.

Da bis zum Start der Staffeln noch Zeit bleibt, begnüge ich mich mit Zuschauen und versuche, mir was abzuschauen. Denn es sind schon einige mit Erfahrung unterwegs „in der Loipe“. So Familie Schliep-hake, die am Nachmittag als Team „Zwei in Zwei“ startet. Das Quartett hat es schon bis ins Bundesfinale geschafft und unternimmt nun den nächsten Anlauf.

Spontane Starts

Neugierige bleiben stehen und mancher startet spontan einen Versuch. Ein Ende hat die Jedermann-Testrunde in der maschinellen Trimm-Dich-Loipe, die gut und gern auch im privaten Fitness-Keller stehen kann, am frühen Nachmittag. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) als Schirmherr, Rathauscenter-Manager Enrico Burau und Nancy Schönknecht als Gastgeberin eröffnet Tourleiter Martin Bremer die Biathlonstaffel-Stadtmeisterschaft und lässt die 18 Teams über einen roten Teppich feierlich einmarschieren.

Bald darauf sind die ersten drei Quartetts in der Spur. Zuschauer umringen die Laufarena und feuern die Aktiven an. Die Stimmung ist grandios. Dazu trägt auch Martin Bremer bei, der stets in der Nähe der Starter ist und nicht nur deren Rennen kommentiert, sondern dem Publikum über jeden einzelnen viel zu berichten weiß.

Dank Startnummer 14 kann mein Medien-Team vier Wettkampfrunden beobachten und sich mental auf seinen Einsatz vorbereiten. Wir erleben ehrgeizige Sportler aller Altersklassen. Die Langensteiner „Ohne Einen Björndalen“ setzen sofort hohe Maßstäbe, die „Biathlon Ninjas“ als jüngste Starter sind vor allem mit Spaß bei der Sache und die „Vier von der Sarg-stedter Feuerwehr“ beweisen in voller Montur Einsatzstärke, während der Rest ihrer Mannschaft mit der Versorgung der Besucher beschäftigt ist.

Kämpfen im großen Moment

Dann endlich ist der große Moment gekommen: Als Teamleiter starte ich zuerst. Ich kämpfe, insbesondere das letzte Viertel der insgesamt 400 Langlauf-Meter kostet alle Kraft. Direkt im Anschluss heißt es ruhig werden, sich konzentrieren. Fünf Schüsse gehen ab, leider kann ich keinen einzigen im Schwarzen platzieren. Damit brumme ich meinem Team 75 Strafsekunden auf. Nun kämpft das Medienteam umso mehr, kann sogar einiges wettmachen. Insbesondere mein Sohn Raiko, der nicht nur die meiste Zeit herausläuft, sondern respektable vier Treffer landet. Und das beim ersten Schießen in seinem 40-jährigen Leben.

Nach sechs Vorrunden ziehen schließlich vier Teams ins Finale. Die Spannung steigt, die Frauen und Männer, frenetisch angefeuert vom Publikum und Fans, geben beim Rennen und beim Schießen alles. OB Henke freut sich über die vielen Staffeln, die sehr guten Ergebnisse und die hervorragende Stimmung im Herzen der Kreisstadt. Das sei ein erneuter Beweis, dass Halberstadt eine sportliche Stadt ist.

Auch ich habe als Starter einige neue Erfahrungen gesammelt. Eines ist klar: Selbst wenn ich am Abend, als ich die Bilder und Impressionen des Tages noch mal gedanklich vor Augen habe, meine, doch lieber einen Marathon zu laufen, wäre ich bei einer Biathlon-Neuauflage sofort wieder mit am Start. Ich würde mich dann aber anders vorbereiten. Wobei: Letztlich geht es trotz allen sportlichen Ehrgeizes vor allem um den Spaß an der Sache. Und den habe augenscheinlich nicht nur ich in vollen Zügen auskosten können. Auch die anderen Teams und die Zuschauer im Biathlon-Stadion hatten megamäßig Spaß.