Halberstadt l Ärzte und Schwestern des Ameos-Klinikums Halberstadt stehen derzeit wie bundesweit Tausende ihrer Kollegen im Kampf gegen die Corona-Pandemie und retten jeden Tag Leben.

Am Dienstag (22. Dezember) lagen insgesamt zwölf Frauen und Männer im Ameos-Klinikum Halberstadt, die an Covid-19 erkrankt sind, informiert Prof. Dr. Klaus Begall, ärztlicher Direktor. Bei drei Patienten sei der Verlauf der Erkrankung so schwer, dass sie beatmet werden müssen. Betroffen seien alle Altersgruppen, außer Jugendliche. Die Patienten stammen aus dem Landkreis Harz und darüber hinaus. Vor allem Ältere seien erkrankt. „Ich habe schon viel in meinem Berufsleben erlebt, aber vor Covid-19 habe ich Respekt“, betont der Mediziner. Alle Leugner würden eines Besseren belehrt, wenn sie sehen würden, was auf den Intensivstationen los ist.

„Die Zahl der Erkrankten ist in den letzten Tagen stabil geblieben und wir sind arbeitsfähig. Das ist allerdings eine Momentaufnahme. Was die kommenden Tage bringen, wissen wir nicht“, so der ärztliche Direktor. Insgesamt verfüge das Krankenhaus über 16 Intensiv- sowie neun weitere Notbeatmungsbetten. Zwei Ärzte und mehr als 30 Pflegekräfte stünden für die Betreuung von am Coronavirus Erkrankte zur Verfügung. „Bei Bedarf können wir Pflegekräfte, die derzeit mit anderen Aufgaben betreut sind, für die Arbeit auf der Intensivstation reaktivieren“, sagt Klaus Begall.

Hoffnung auf Impfung

Die Handlungsfähigkeit des Krankenhauses würde allerdings nicht nur von der Zahl der Patienten abhängen oder von der Anzahl von Betten und Maschinen. Der Mensch sei wichtig. Mitarbeiter könnten sich selbst mit dem Virus anstecken, müssten vielleicht in Quarantäne gehen oder werden selbst krank und fallen für die Betreuung der Patienten aus. Das sei bislang Gott sei Dank nicht der Fall. Klaus Begall hofft, dass bald die Impfung des medizinischen Personals beginnt, um das Ansteckungsrisiko ausschließen zu können. „Bei uns werden als erstes die Mitarbeiter der Intensiv- und Isolierstation sowie der Notaufnahme geimpft.“

„Wir signalisieren dem Rettungsdienst, der die Patientenzuweisungen koordiniert, dass das Ameos-Klinikum Patienten von anderen Krankenhäusern, die bereits an ihre Grenzen gestoßen sind, übernehmen können“, informiert Klaus Begall. Solidarität sei in dieser Situation sehr wichtig. „Schließlich könnten wir selbst schnell an unsere Grenzen kommen und wären dankbar, wenn andere Krankenhäuser für Entlastung sorgen“, unterstreicht der Mediziner.

Weniger Patienten

Für Entlastung würde am Klinikum der Fakt sorgen, dass zu den Weihnachtsfeiertagen und zu Silvester nicht so viele Patienten im Haus sind. „Das ist nicht außergewöhnlich, sondern jedes Jahr so“, sagt Klaus Begall. Der Fakt käme natürlich entlastend dazu. So könnte man die Kräfte auf die Betreuung der Corona-Patienten konzentrieren. Natürlich habe man angesichts der Pandemie Operationen verschoben, um Intensivbetten freizuhalten. „Allerdings wissen wir gar nicht, wohin die Operationen verschoben werden sollen, weil die Lage so unklar ist. Niemand kann derzeit sicher sagen, dass zu Ostern sich wieder alles entspannt.“

Mit großem Interesse und vor allem Respekt verfolgen Sandra und Michael Herrmann wie viele andere Menschen dieser Tage das Geschehen in den Krankenhäusern und das Engagement der Ärzte und Schwestern auf den Intensivstationen bei der Betreuung von Covid-19-Patienten. Nur beim Zusehen wollten sie es allerdings nicht belassen.

Geschenke

„Wir saßen dieser Tage abends vor dem Fernseher und sahen wieder einen Bericht über die Lage an den Krankenhäusern. Spontan hatten wir die Idee, uns stellvertretend für viele andere bei den Mitarbeitern der Intensivstation für ihren Einsatz zu bedanken“, berichtet Michael Herrmann aus Halberstadt. In den Krankenhäusern werde eine großartige Arbeit geleistet. Beide packten kurzerhand hochwertige Weine, Pasta, Mandeln, Nüsse und andere leckere Sachen in vier Geschenkkörbe. „Vielleicht für eine gemeinsame Weihnachtsfeier der Mitarbeiter, wenn dafür wieder die Zeit ist“, sagt Sandra Herrmann. Am Mittwoch (23. Dezember) übergaben sie das festlich verpackte Dankeschön an Bianca Kraus, die leitende Schwester der Intensivstation, und Klaus Begall.

„Über die Geschenke freuen wir uns sehr. Es ist einfach toll, wenn man sieht, dass die Menschen an uns denken“, bedankt sich Schwester Bianca. Bislang hätten sich vor allem von Covid-19 geheilte Patienten für die Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte bedankt. „Die Solidarität der Bürger ist groß. Dafür auch mein Dank“, so Klaus Begall.