Halberstadt/Wernigerode l „Steh‘ hier gerade in einer Schlange mit unserem Sohn vor dem Fieberzentrum in der Kälte. Es sind noch 30 Leute vor uns. Mein Sohn wartet mit Fieber im kalten Auto, weil es ihm schlecht geht. Er soll sich auf Covid-19 testen lassen. Vor uns ein Junge, dem es so kalt ist, dass er schlottert. Das kann doch nicht sein.“ Worte einer der Redaktion namentlich bekannten Frau, die am Mittwoch, 2. Dezember, ihren kranken 19-jährigen Sohn zur Fieberambulanz in der Halberstädter Bismarckstraße begleitet hat.

Zuvor, so die Mutter, habe es einen telefonischen Kontakt mit der Hausärztin des Sohns gegeben. Letztere habe ihn zwecks Corona-Test zur Fieberambulanz geschickt. Und dort stehe sie nun im frostig-kalten Dezember in der Schlange: Fakten, die die Frage aufwerfen, ob hier nachjustiert werden kann, um die Abläufe zu optimieren.

Auch Hausärzte können Covid-Tests vornehmen

Henrik Straub – seines Zeichens Hausarzt in Derenburg und Silstedt und zugleich Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für den Alt-Kreis Wernigerode – zeigt sich zunächst überrascht, dass der Patient überhaupt zur Ambulanz geschickt worden sei und die Ärztin nicht selbst einen Testabstrich vorgenommen habe.

„Es ist immer ratsam, zunächst telefonisch den Hausarzt zu kontaktieren, um alle weiteren Schritte zu besprechen“, betont der Allgemeinmediziner. Und mittlerweile gebe es viele Hausärzte, die selbst Abstriche nehmen und ihren Patienten so den Weg zur externen Ambulanz ersparen. Er selbst mache das übrigens auch – in aller Regel am Ende der Sprechzeiten, um die Praxis danach in Ruhe zu desinfizieren.

Die Ambulanzen, so Straub, seien explizit für Leute mit typischen Covid-Symptomen gedacht. Dass die Menschen dort oftmals im Freien stehend auf den Abstrich warten müssen, sei – gerade jetzt im Winter – gewiss nicht schön. Aus rein medizinischer Sicht sei das Prozedere aber eigentlich eine ganz gute Idee – erwiesenermaßen sei das Ansteckungsrisiko ja an frischer Luft am geringsten. „Aber wir haben nun einmal Winter und haben obendrein eine angespannte Situation“, räumt Henrik Straub ein.

Wartezeiten lassen sich nicht vermeiden

Auch Dr. Sheila Holler, Vize-Chefin im Gesundheitsamt der Harzer Kreisverwaltung, zeigt sich mit Blick auf den aktuellen Fall verwundert. „Insgesamt arbeiten die Fieberzentren schon recht effizient. Allerdings lassen sich gewisse Wartezeiten nicht vermeiden, weil es ja in aller Regel auch keine Vorab-Terminvergabe gibt.“ Wobei auch die Medizinerin auf eine Ausnahme verweist: Für das Fieberzentrum in der Wernigeröder Kohlgartenstraße 2 können testwillige Personen über die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung online einen Termin buchen.

Letztlich verweist auch Dr. Holler auf die niedergelassenen Mediziner im Harzkreis. Nachdem es im Frühjahr bei der ersten Welle der Corona-Infektionen noch Probleme mit der Bereitstellung von Schutzbekleidung und -zubehör gegeben hatte, seien nunmehr die Ärzte entsprechend ausgerüstet. „Folglich sind alle niedergelassenen Kollegen in der Lage, Abstriche zu nehmen und die Kosten für diese Leistung auch abzurechnen.“

Fieberzentren nur als Ergänzung gedacht

Im Umkehrschluss, so die Vize-Amtsleiterin, seien die Fieberzentren nur als Ergänzung zu sehen. Für den Fall, dass die reguläre Praxis überlastet oder am Wochenende gänzlich geschlossen sei. Wobei nach Recherchen der Volksstimme manche Mediziner offenbar weiterhin versuchen, Covid-Verdachtsfälle für Testzwecke in die Fieberambulanzen zu schicken, um das Infektionsrisiko für das eigene Personal und damit einhergehende etwaige Quarantäne-Anordnungen zu minimieren.

Wobei dies aus Sicht von Dr. Holler nur eine relative Absicherung ist. Schließlich, so die Medizinerin, könne angesichts der hohen Infektionszahlen jederzeit mit jedem x-beliebigen Patienten eine Covid-Infektion in eine Praxis getragen werden. „Was die Notwendigkeit der Schutzvorkehrungen und Hygieneregeln untermauert.“

Harzer Impfzentrum in Quedlinburg aufgebaut

So schnell, wie im Frühjahr bei der ersten Corona-Welle jene Fieberambulanzen aus dem Boden gestampft worden sind, laufen nun die Vorbereitungen für den Aufbau des Harzer Impfzentrums. Dafür sei nunmehr ein früherer Supermarkt im August-Bebel-Ring in Quedlinburg auserkoren, bestätigt Dr. Holler. Dort gebe es genug Parkplätze, ausreichend Fläche und Sanitäranlagen. Aktuell würden Zwischenwände eingezogen, die Elektroanlage überprüft und eine Notstromversorgung installiert. Zudem werde mithilfe des Landes die nötige Kühlkette – der erste Impfstoff, mit dessen Zulassung gerechnet wird, muss bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden – aufgebaut.

Wann der erste Impfstoff eintrifft, ist unklar. Klar sei, so Holler, dass laut Impfstrategie des Landes zunächst Senioren in Pflegeheimen sowie medizinisches Personal immunisiert werde. Dafür werde auf mobile Teams gesetzt.