Halberstadt l Seit Wochen verperren Gitter den südlichen Fußweg der Gerberstraße. Sie bilden eine Gasse neben dem Gehweg und leiten Passanten über die sonst immer zugeparkten Pkw-Stellflächen. Nachdem es eine Weile wuselig zuging, herrscht seit Wochen Stille.

Die aufgeschlitzte Hauswand verrät, was hier eigentlich passieren soll: Die Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) will Fahrstühle an den Treppenhäusern anbauen. Die großen Öffnungen in der Hauswand sind mit Bauplatten gesichert. Doch warum tut sich hier in der Gerberstraße und an fast allen Wohnblöcken in der Schuhstraße nichts mehr? An anderen Stellen in der Stadt wird doch auch kräftig weitergebaut.

Peter Schubert, gemeinsam mit Frank Adelsberger seit Januar dieses Jahres Vorstand der WGH, bestätigt den Stillstand der Arbeiten in der Gerberstraße. Das liege aber nicht daran, dass niemand mehr Lust habe, weiterzumachen, im Gegenteil. „In der Kulkstraße bauen wir ja auch ganz normal weiter, hier gibt es bislang keinerlei Einschränkungen. Die Firmen sind alle an Bord und solange es keine Lieferengpässe bei den benötigten Materialien wegen der Corona-Krise gibt, liegen wir im Zeitplan“, sagt Schubert.

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Sanierung trotz Kontaktverbot

Und auch bei der Sanierung von zurzeit ungenutzten Wohnungen gebe es keinerlei Probleme. Hier könnten die Handwerksfirmen ungestört ihrer Arbeit nachgehen, müssen allerdings auf die Einhelatung der Hygienevorschriften und Abstandsregeln achten. In den leeren Wohnungen ist das jedoch meist keine besondere Herausforderung für die Firmenmitarbeiter.

Der Baustopp an dem Wohnblock in der Gerberstraße, nur wenige Meter Luftlinie von der Großbaustelle Kulkstraße entfernt, sei den strengen Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Neuinfektionen geschuldet. „Der Paragraf 17 dieser Verordnung untersagt, dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst ausrückt“, erklärt Peter Schubert.

Das heißt, die Fachleute kommen nicht mehr vor Ort, um Verdachtsflächen zu sondieren. Denn, sollten sie auf Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg stoßen, müssten ja vor einer Entschärfung oder Bergung die Anwohner evakuiert werden. Und das würde dem Zweck der Kontaktsperre zuwiderlaufen. Schließlich müssen für die Evakuierten immer in Turnhallen und ähnlichen großen Räumen Sammelstellen und möglicherweise Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Und um solche Situation zu vermeiden, kommen die Kampfmittelbeseitiger nicht mehr in die Städte und Gemeinden, wenn hier auf Verdachtsflächen gebaut werden soll.

Zwar stehen in Gerber- und Schuhstraße die Gebäude schon seit den 1950er/1960er Jahren, aber für die geplanten neuen Aufzüge sind Fundamente erforderlich. „Und die reichen bis in vier Meter Tiefe“, berichtet Schubert. Bevor hier geschachtet und Beton gegossen wird, braucht es eine Freigabe vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Doch die kann er nur geben, wenn vorher vor Ort der Baugrund sondiert wurde.

„Wir haben zwar an allen Häusern schon die Schlitzarbeiten ausführen lassen, mussten wegen der aktuellen Situation aber die Arbeiten erstmal einstellen. Also heißt es jetzt für uns, warten, bis die Corona-Verordnungen gelockert werden können“, so der WGH-Vorstand.

Geschäftsstelle weiterhin zugänglich

An vier Eingängen der Schuhstraße jedoch kann aktuell weiter an den neuen Aufzügen gebaut werden, denn hier waren die Sockel für die Liftschächte schon fertig, bevor die Verordnungen in Kraft traten. „Und bei einem zweiten Block waren wird schon zur Hälfte mit den erforderlichen Tiefbauarbeiten fertig“, so Schubert. Auch da könne man die beauftragten Firmen ihre Arbeiten fortsetzen lassen.

Nicht betroffen von den Einschränkungen sind die Arbeiten, die die Mitarbeiter der Halberstadtwerke an den WGH-Blöcken vornehmen. Wegen der Fahrstuhlschächte müssen Hausanschlussleitungen umverlegt werden. Da die nicht so tief im Erdreich lägen, sei das jedoch kein Problem. „Wir bereiten also alles soweit es geht vor, um dann bei Lockerung der Bestimmungen sofort weitermachen zu können.“

Auch Reparaturen in den Wohnungen der Nutzer erfolgten weiterhin, wenn diese erforderlich sind. Die Geschäftsräume der WGH am Breiten Weg seien weiterhin für die Nutzer geöffnet, so Schubert. „Wenn zwingende Probleme vorhanden sind, können unsere Nutzer weiterhin persönlich hier vor Ort vorsprechen. Schließlich sind wir ja ein Dienstleister für unsere Genossenschaftsmitglieder. Wir haben im Haus entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen, halten uns an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, um für unsere Nutzer und unsere Mitarbeiter gleichermaßen das Ansteckungsrisiko zu minimieren“, so Peter Schubert.