Halberstadt/Wernigerode l Wenige Stunden vor dem offiziellen Start in die Freibad-Saison 2020 herrscht vielerorts noch Rätselraten. Klar ist: Zusätzlich zum alljährlichen Check von technischen Anlagen und Wasserqualität müssen die Betreiber von Frei- und Hallenbädern aufgrund der Corona-Pandemie zahlreiche Auflagen erfüllen. Das Problem: Nachdem das Landeskabinett am Dienstagmittag, 26. Mai, mit der sechsten Eindämmungsverordnung formell grünes Licht für die Bäderöffnung ab Donnerstag, 28. Mai, gegeben hat, sind viele Details und Vorgaben bei den Machern vor Ort noch nicht angekommen.

Auch der Versuch der Volksstimme, auf Landes- oder Kreisebene Klarheit zu bekommen, hat sich schwierig gestaltet. So steckt besagte Verordnung zwar den grundsätzlichen Rahmen ab – Details werden laut Sozialministerium aber mit Kommentierungen geregelt. Und: Das letzte Wort vor Ort haben die Mitarbeiter der jeweiligen Gesundheitsämter.

Klar ist: Die Zahl der Badegäste auf Liegewiesen und in den Badebecken wird begrenzt, um den allerorts geforderten Mindestabstand von 1,5 Metern zu fremden Personen zu ermöglichen. So gilt laut Kreisverwaltung auf Liegewiesen ein Platzbedarf von 15 Quadratmetern pro Badegast als Vorgabe. Im Sommerbad Langenstein rechnen die Verantwortlichen bislang indes mit zehn Quadratmetern pro Gast.

Maximal 75 Prozent Auslastung in Bädern

Letztlich orientieren sich die Macher vielerorts an den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGB). Dort wurden spezielle Pandemiepläne erarbeitet, die nun gewissermaßen das Praxis-Grundgerüst liefern. Ein Beispiel ist die Fläche, die pro Badegast im Becken vorgehalten werden soll. Im Regelfall, so Gido Maak vom Freizeit- und Sportzentrum (FSZ) in Halberstadt gelte im Sportbecken die Norm von 4,5 Quadratmetern pro Badegast, in Spaßbecken seien es 2,7 Quadratmeter pro Person. Die DGB empfiehlt nun wegen der Corona-Pandemie eine Belegung der Normflächen zu maximal 75 Prozent.

Maak peilt im FSZ eine maximal 70-prozentige Belegung an. „Das bedeutet, dass wir statt maximal 400 nur noch 200 Personen Einlass gewähren werden.“ Und: So wie in der Verordnung ausdrücklich vorgeschrieben, bleiben sowohl Whirlpool als auch Strömungsbecken außer Betrieb, weil aufgrund der Wellenbildung nicht garantiert werden könne, dass die Mindestabstände eingehalten werden.

Gleichwohl bleiben Unklarheiten und Gestaltungsspielräume. So die Frage, ob Kontaktdaten der Badegäste erfasst werden oder nicht. Die Verordnung schreibt dies nicht vor, in Langenstein geht man davon bislang aber aus.

Saunen und Dampfbäder dürfen öffnen

Dafür dürfte Maak mit Blick in den Verordnungstext jubeln: Ging er Dienstagmittag und in Unkenntnis der Verordnung noch davon aus, dass die fünf Saunen im FSZ geschlossen bleiben müssen, findet sich im Text das Gegenteil. Laut Paragraph vier, Absatz zwei, Punkt 22 des Regelwerks dürfen Saunen und Dampfbäder öffnen. Allerdings müssen die Betreiber von Bädern wie Saunen sicherstellen, dass „Personen mit erkennbaren Symptomen einer Covid-19-Erkrankung oder jeglichen Erkältungssymptomen ausgeschlossen werden“.

Hinzu kommen laut Sozialministerium ein verstärktes Reinigungs- und Desinfektionsregime. Ferner die Vermeidung von Ansammlungen von mehr als zehn Personen, insbesondere in Warteschlangen an Kassen oder Rutschen sowie die Auflage, all die Vorgaben, über Aushänge oder Durchsagen zu kommunizieren. „Bei Zuwiderhandlungen sind unverzüglich Hausverbote auszusprechen“, so Ministeriumsmitarbeiter Martin Bollmann.

Zudem müssen sich die Gäste grundsätzlich darauf einstellen, dass Duschen oder Sanitärbereiche nur in eingeschränktem Umfang nutzbar sind und die Zahl der gleichzeitigen Nutzer – beispielsweise in Toiletten – begrenzt wird. Zudem darf es keine Gemeinschafts-Umkleidekabinen geben. Und auch bei gastronomischen Einrichtungen müssen die Gäste mit Einschränkungen und besonderen Hygieneauflagen rechnen.

  • Waldhofbad Wernigerode: Das Freibad wird laut Verwaltungssprecherin Winnie Zagrodnik voraussichtlich am Samstag, 30. Mai, öffnen – wenn es dafür grünes Licht gibt. Auf dem Gelände können sich dann 533 Personen gleichzeitig aufhalten. Das entspreche einem Drittel der bisherigen Gästezahl. Eine Zeitbeschränkung werde es geben. Das Personal werde auch die Abstandsregelung im Bad kontrollieren. Von Decke zu Decke gelte auf der Liegewiese 1,5 Meter Mindestabstand und eine Belegung mit maximal fünf Personen.

    Aber: „Im Schwimmbecken selbst wird es keine Abstandsregelungen geben. Eine Infektionsgefahr im Chlorwasser besteht nicht“, erklärt die Behördensprecherin und widerspricht in diesem Punkt beispielsweise der Kreisverwaltung, die auch im Wasser auf besagten Mindestabstand pocht.

    Zudem würden die in Supermärkten hinlänglich bekannten Abstandsmarkierungen angebracht, zusätzliche Desinfektionsmöglichkeiten aufgestellt und die Zahl der Umkleidekabinen auf die Hälfte reduziert. Die Wertboxen könnten nicht genutzt werden, da an den Schlüsselbändern Corona-Viren haften könnten.

     

  • Brockenbad Wernigerode: Das Hallenbad im Hasseröder Ferienpark öffnet laut Geschäftsführer Erik Voigt am Donnerstag, 28. Mai, wieder seine Pforten – allerdings vorerst nur für Übernachtungsgäste der Anlage im Wernigeröder Nesseltal. So ließen sich im Notfall Infektionsketten besser nachverfolgen. Das Hygiene-konzept für die Wiedereröffnung sei abgenommen und genehmigt worden.

    Im Beckenbereich dürften sich 128 Besucher gleichzeitig aufhalten. „Doch wir sind flexibel, können bei gutem Wetter dank des Außenbereichs mehr Gäste zulassen“, so der Ferienpark-Chef. Gleichzeitig könne das Personal die Aufenthaltsdauer im Wasser begrenzen.

    Zum Infektionsschutz stünden die Liegen mit 1,5 Meter Abstand zueinander. Im Umkleidebereich sei nur jeder dritte Spind geöffnet. Im gesamten Bad sei ein Einbahnstraßensystem ausgeschildert, um Begegnungen zwischen Wasserratten zu minimieren. Der Bistrobereich im Brockenbad bleibe vorerst geschlossen, Wasserratten bekämen aber im Restaurant des Ferienparks Snacks.

  • FSZ Halberstadt: Die Besucherzahl wird von bislang maximal 400 auf 200 reduziert, es werden nur Tickets für ein und zweieinhalb Stunden verkauft, um einen gewissen Durchlauf zu erreichen. Ein Anmelde- oder Reservierungssystem gibt es nicht. Im Schwimmerbecken wird laut Betriebsleiter Gido Maak eine Bahn abgrenzt, ansonsten setzt er hinsichtlich der Abstände auf die Vernunft der Schwimmer. „Letztlich ist nicht das Wasser das Problem, sondern das Drumherum. Wir werden alles Menschenmögliche unternehmen, um das Risiko zu minimieren, können aber – das muss klar gesagt werden – nicht alles ausschließen.“

    Letztlich müsse jeder für sich abwägen und entscheiden. „Wir haben ja viele Frühschwimmer, die wollen sich endlich wieder sportlich betätigen.“ Wenn alles klappt, sollen sie ab Donnerstag, 6.30 Uhr, wieder ihrem Hobby frönen dürfen. „Wir müssen sehen, wie es anläuft und dann nachjustieren“, so Maak.

    Am Halberstädter See peilt er den Start für den 2. Juni an.

  • Freibad Dedeleben: Auch dort scharren die Vereinsmitglieder nach Angaben von Vorstandsmitglied Christian Wenig mit den Hufen. „Wir brauchen vier Wochen Vorlaufzeit, um zu öffnen.“ Mittlerweile sei alles vorbereitet – das Becken ist geputzt und gefüllt, die Chemie dosiert, die Umwälzanlagen laufen. „Nun wollen wir öffnen, sonst sind einige tausend Euro, die in all die Vorbereitungen geflossen sind, verloren.“ Aber: „Wir brauchen einen Hygieneplan, kennen aber die genauen Vorgaben noch nicht.“ Deshalb könne ein Starttermin – sonst Ende Mai – noch nicht genannt werden.
  • Freibad Langenstein: Hier peilen die Verantwortlichen, die mit dem FSZ Halberstadt kooperieren, einen Start am 13. Juni an. Vereinschef Rolf Guckland bleibt trotz offener Fragen – beispielsweise pro oder contra Zeitbegrenzung – gelassen: „Wenn wir jedem Gast zehn Quadratmeter Liegewiese garantieren müssen, sind das 550 Personen – so viele hatten wir zuletzt nie gleichzeitig.“ Das gelte auch fürs Schwimmerbecken. Rechnerisch seien bei 70-prozentiger Belegung 195 Personen denkbar. „So viele habe ich noch nie gleichzeitig im Wasser gesehen“, so Guckland.