Halberstadt l Gesundheitsämter, die – bundesweit gesehen – mit den Auswirkungen der grassierenden Corona-Pandemie mehr und mehr überfordert sind: Kontaktnachverfolgungen werden zunehmend schwieriger, das Ausfertigen von Quarantäne-Bescheiden erfolgt oft erst Tage nach der mündlich angeordneten Isolierung. Damit der Harzkreis in der bevorstehenden Wintersaison nicht buchstäblich von der Pandemie überrollt wird, hat Landrat Thomas Balcerowski wenige Tage nach seinem Amtsantritt reagiert und auch unpopuläre Entscheidungen gefällt: Die Verwaltung mietet eine leerstehende Büroimmobilie an, um dort zusätzliche Mitarbeiter für das Gesundheitsamt unterzubringen. Um über genügend Personal zu verfügen, hat der CDU-Politiker darüber hinaus eine Urlaubssperre verhängt.

„Ich bin davon überzeugt, dass uns die Pandemie mit einer hohen Zahl von Infizierten und auch Kranken noch das gesamte Winterhalbjahr über beschäftigen wird. Ich möchte mit der von mir geleiteten Behörde darauf vorbereitet sein und der Welle nicht hinterherlaufen, sondern vorneweg sein“, erklärte Balcerowski auf Anfrage gegenüber der Volksstimme. Kurz zuvor hatte der neue Landrat, der seit 1. November im Amt ist, in einer Sondersitzung die Mitglieder des Kreistags über seine Schritte informiert.

Bundeswehr-Unterstützung

Um in den nächsten Monaten platzmäßig gewappnet zu sein, will die Behörde die leerstehende Büroimmobilie in der Nikolaus-Otto-Straße 5 in Halberstadt anmieten. Dort sollen im ersten Schritt so schnell wie möglich 45 Mitarbeiter Räume beziehen, um mit Schwerpunkt Corona-Pandemie für das Gesundheitsamt zu arbeiten. „Bei Bedarf können wir die Zahl der Mitarbeiter auf bis zu 160 aufstocken“, skizziert der 48-jährige Politiker die angepeilten Möglichkeiten.

Die jetzigen Schritte zur Unterstützung der seit Monaten extrem geforderten Gesundheitsbehörde erfolgen nach Balcerowskis Worten in direkter Abspache mit Amtsärztin Dr. Heike Christiansen. Aktuell, so der Landrat, arbeiteten im Gesundheitsamt 24 eigene Mitarbeiter und elf Unterstützer von der Bundeswehr sowie externen Institutionen und Einrichtungen. Die Mitarbeiter agierten an ihren Belastungsgrenzen und bräuchten dringend Unterstützung, um beispielsweise bei Infektionen die Kontaktverfolgung abzusichern oder den Kontakt zu infizierten, erkrankten und isolierten Personen aufrechtzuhalten.

Wirtschaftliche Folgen wären schlimmer

Das Stichwort Unterstützung gelte dabei auch für die Amtsärztin selbst. Damit sich die promovierte Medizinerin voll auf ihre fachlichen Aufgaben konzentrieren kann, arbeitet sie fortan mit Immo Kramer Hand in Hand. Kramer ist Amtsleiter für Gebäude- und Schulverwaltung in der Kreisverwaltung und solle Dr. Christiansen insbesondere von administrativen und organisatorischen Aufgaben entlasten, kündigt Balcerowski an.

Eine erste konkrete Aufgabe für Kramer sei dabei die Anmietung und Herrichtung der Immobilie an der Nikolaus-Otto-Straße. Ab wann und zu welchen Mietkonditionen und -kosten die Gesundheitsbehörde dort arbeiten kann, ist laut Kreisverwaltung noch offen. Balcerowskis Order indes ist eindeutig: „So schnell wie möglich.“ Kosten spielten bei einer solchen Notsituation wie der aktuellen eine nachrangige Rolle. „Pandemie-Bekämpung und Haushaltskonsolidierung passen ohnehin nicht zusammen. Die wirtschaftlichen Folgen einer außer Kontrolle geratenen Pandemie wären aber um ein Vielfaches größer als die jetzigen Kosten“, so der Landrat.

Unpopuläre Entscheidung

Nach Balcerowskis Worten soll die zusätzliche Liegenschaft mittels Richtfunk datenseitig an die Kreisverwaltung angebunden werden. Von der Anmietung erhofft sich der Behördenchef zugleich mehr Spielräume, um auch Mitarbeiter anderer Bereiche und Abteilungen unter den coronabedingten Abstands- und Hygienevorschriften unterbringen zu können. Wichtig sei, alle Mitarbeiter zu schützen, um personelle Ausfälle zu verhindern und Ämter arbeitsfähig zu halten.

Mit seinem Schritt, obendrein eine grundsätzliche Urlaubssperre für die rund 1000 Beschäftigten der Kreisverwaltung zu verhängen, sorgt Balcerowski derweil nicht nur für Beifall in der Behörde. Weil sich bislang zu wenig Mitarbeiter intern für eine Unterstützung des Gesundheitsamtes gemeldet hätten, gelte die Sperre – auch, um auf Mitarbeiter zugreifen zu können. „Es gibt natürlich Ausnahmen“, so der Landrat. Über selbige entscheide jedoch er persönlich, um hier den Gleichbehandlungsgrundsatz zu wahren. „Und ich habe auch bereits Ausnahmen abgesegnet.“

Zugleich macht Landrat Balcerowski klar, dass er gewillt ist, sich mit aller Macht gegen die Pandemie zu stemmen und er dabei auch auf die engagierte Mitwirkung seiner Mitarbeiter setzt. „Mir schmeckt die Corona-Pandemie auch nicht – aber wir sind nicht in der Situation, dass wir uns was wünschen können. Und ich will auch keine Hysterie verbreiten, sondern so schnell wie möglich zurück zum Normalfall.“