#hilfdeinemkino

● Weischer.Cinema hat die deutschlandweite Aktion ins Leben gerufen unter dem Motto „Ungewöhnliche Zeiten bedürfen ungewöhnlicher Maßnahmen“.

● Nach eigenen Angeben teilt das Unternehmen alle über #HilfDeinemKino generierten und bezahlten Werbeumsätze im vertraglich vereinbarten Verhältnis mit den Kinopartnern. „Die Kinos erhalten den gleichen Anteil, den sie für die Spots im Kino bekommen hätten.“

So funktioniert die Aktion

1. Auf der Internetseite https://hilfdeinemkino.de/ das Lieblingskino auswählen.

2. Es öffnet sich ein Pop-Up Fenster, in dem die Auswahl bestätigt werden muss.

3. Kino-Werbespots ansehen, die normalerweise im Vorprogramm gezeigt werden.

Unterstützen, ohne Werbung zu gucken ist auch möglich: Per Mausklick kann für das Liebligskino gespendet werden.

Quelle: https://hilfdeinemkino.de/

Halberstadt/Wernigerode l Es ist ungewohnt still im Kino. Keine Spur mehr vom sonst so typischen Popcornduft. Die Beleuchtung ist ausgeschaltet, dennoch sind die bunten Filmplakate und -aufsteller zu erkennen. „Demnächst im Kino“, steht darauf in großen Buchstaben. Fast ironisch. Denn was „demnächst“ bedeutet, ist in der aktuellen Situation nicht abzusehen. „Am Montag, 16. März, hatten wir das letzte Mal geöffnet“, sagt Pierre Zimny. Er ist der Chef im Halberstädter Kinopark Zuckerfabrik. „Keine Ahnung, wann wir wieder öffnen dürfen und welche Auflagen wir dann zu erfüllen haben.“

Unwissenheit hat die Vorfreude, die er bisher hatte, vertrieben. „Für den April haben wir mit vielen Besuchern gerechnet“, so Zimny. Der neue James-Bond-Film sollte starten, mehrere Kinderfilme, potenzielle Publikumslieblinge, waren angekündigt. Vor Corona. Jetzt ist der Zeitplan für Filmstarts völlig durcheinander geraten, die Lage unverhersehbar.

Kündigungsschreiben für alle Aushilfen

Nur eines steht fest: „Den wirtschaftlichen Verlust durch Corona können wir nicht kompensieren“, so Zimny. Durchschnittlich besuchen 2500 Menschen pro Woche das Halberstädter Kino, laufen besondere Filme, sind es mehr. Elf Festangestellte und zahlreiche Aushilfen kümmern sich darum, dass die Gäste bei Popcorn und Nachos ein schönes Filmerlebnis haben. „Die Festangestellten sind jetzt alle in Kurzarbeit. Die Aushilfen mussten wir entlassen“, berichtet Zimny. Er habe allen einen Brief geschrieben, um ihnen die Situation zu erklären und mit der Bitte, dass sie zurückkommen, sobald die Kinos wieder öffnen dürfen.

Bilder

#hilfdeinemkino

Wobei sich er sich nicht sicher ist, ob sich damit die Lage wieder normalisiert. „Eigentlich ist das Jahr ganz gut gestartet, was die Besucherzahlen angeht“, berichtet der Emersleber. „Aber es wird eine spannende Frage, wie sich die Leute danach verhalten, ob sie nach Wochen des Kontaktverbots, daran gewöhnt, Abstand zu anderen zu halten, Lust haben, wieder ins Kino gehen.“ Trotz seiner Befürchtungen hat Zimny seinen Optimismus noch nicht ganz verloren: „Ich bin sicher, dass das Kino die Corona-Zeit überstehen wird.“

Daran können Filmfans selbst mitarbeiten – dank der Aktion „#hilfdeinemkino“. Diese wurde innerhalb von fünf Tagen von der Weischer.Cinema Deutschland GmbH & Co. KG ins Leben gerufen. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen die deutsche Nummer eins für Kinowerbung und betreut rund 80 Prozent aller nationalen Kinokampagnen. Die Idee der Aktion: Wer sich am heimischen Computer freiwillig Werbung ansieht, kann damit das Lieblingskino unterstützen, weil Weischer einen Teil der so generierten Werbeumsätze an die Lichtspielhäuser weitergibt. „Das zählt so, als würde ein Gast im Kinosaal die Werbung schauen“, erläutert Pierre Zimny. Den aktuellen Ausfall könne die Aktion nicht kompensieren. „Aber es ist eine kleine Hilfe“, sagt Zimny. Deshalb rühre er für „#hilfdeinemkino“ selbst die Werbetrommel auf Facebook und der Zuckerfabrik-Homepage.

Unterstützung von unerwarteter Seite

Auch Andreas Adelberger freut sich darüber, dass jemand die deutsche Kinolandschaft unterstützen möchte. Gerade kleine, unabhängige Häuser treffe der Umsatzausfall schwer, sagt der Kinopächter aus Wernigerode. „Ein Rettungsanker ist die Aktion natürlich nicht, aber besser als nichts.“

Auch die Volkslichtspiele in der bunten Stadt am Harz kann mit „#hilfdeinemkino“ unterstützt werden. Davon hat Adelsberger allerdings erst per Zufall erfahren. Im Vorfeld habe ihn niemand informiert. „Ich habe mich gewundert, weil wir gar nicht mit Weischer zusammenarbeiten“, berichtet der Wernigeröder. Statt Werbespots großer Auto- und Einzelhandelsfirmen bekommt das Publikum in Wernigerode normalerweise Einspieler lokaler Unternehmen zu sehen. „Ich habe mich bei unser Werbeagentur informiert und die haben mir bestätigt, dass alles seine Richtigkeit hat“, informiert Adelsberger. „Obwohl sie eigentlich Konkurrenten sind, arbeiten sie in dieser besonderen Situation mit Weischer zusammen.“

Wermutstropfen bleibt

Einen Wermutstropfen gibt es: die fehlende Transparenz. „Wir haben bisher keinen Link oder so etwas bekommen, um nachvollziehen zu können, wie viele Leute für uns Werbung schauen“, berichtet der Kinopächter. Die Zukunft seines Lichtspielhauses bereite ihm Sorgen. „Aufgrund der Schließung fehlen uns wichtige Einnahmen. Die kalte Jahreszeit ist unser Hauptgeschäft.“ Der Unternehmer rechne nicht vor Sommer mit Lockerungen der Corona-Bestimmungen – und das sei für seine Branche ohnehin die Saure-Gurken-Zeit.

Derzeit überlege er Möglichkeiten, wie er trotz Schließung die Besucher an sich binden könnte. Eine schwierige Aufgabe – Kino kann man nicht zum Liefern und Abholen anbieten, wie es einige Gastronomen notgedrungen mit ihren Speisen tun. Gutscheine auszustellen, die nach Corona eingelöst werde können, hält Adelsberger für keine adäquate Lösung. So werde das Problem fehlender Einnahmen nur verlagert. „Gutscheine sind betriebswirtschaftlich gesehen so etwas wie Schuldscheine, die zu erbringende Leistung steht noch aus“, erläutert Adelsberger.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. So bleiben Kunden, die auf der Großleinwand auf der Kino-Außenwand für sich werben, treu, berichtet Adelsberger. „Obwohl sie ja selbst wegen Corona schließen mussten.“