Berßel l Robert Klosinski ist gestrandet in Berßel. „Freiwillig“, fügt er hinzu. Eigentlich wäre er jetzt in den USA gefordert an der Penn State-Universität, um dort Studenten zu unterrichten und seine Doktor-Arbeit anzugehen. Doch das Coronavirus kam dazwischen. Immerhin – die heutige Kommunikationstechnik macht es möglich – kann der 30-Jährige auch aus seinem Heimatdorf Berßel seine Aufgaben wahrnehmen. Homeoffice diesseits vom „großen Teich“.

In Deutschland derzeit besser aufgehoben

An drei Nachmittagen in der Woche trifft sich Robert Klosinski nach wie vor mit seinen Studenten der Penn State-Universität zum Deutsch-Unterricht. Nicht vis-a-vis, sondern am Computer über eine Art Skype-Verbindung. Jeweils 50 Minuten lang, wobei es für die Studenten noch Vormittag ist. Sechs Stunden Zeitunterschied liegen jetzt zwischen Berßel und der Stadt im Norden der USA, gut vier Autostunden von den Niagara-Fällen entfernt.

So ganz Neuland ist dieses Unterrichten aus der Ferne für den Berßeler indes nicht. Er lehrt auch auf dem World-Campus der Universität, der generell online läuft. „Dazu kann sich jedermann einschreiben.“

Normalerweise kommt Robert Klosinski nur Weihnachten und im Sommer in die Heimat. Seine jetziger Aufenthalt hat im Ursprung nichts mit der Corona-Krise zu tun. Am 1. März landete er in Hannover, um kurz darauf an einer Konferenz in Hamburg teilnehmen zu können. Am 13. März wollte er zurückfliegen, er wäre nach Trumps verkündetem Einreisestopp auch gerade noch so zurückgekommen. Doch hatte er da schon erfahren, dass an der Universität kein Präsenzunterricht mehr stattfinden würde.

Also blieb Klosinski in der Heimat. „Das Gesundheitssystem in Deutschland ist auch besser aufgestellt.“ Dass der Berßeler für sich die richtige Entscheidung traf, haben die Wochen danach gezeigt. „Hier bin ich besser aufgehoben“, sagt er mit Blick auf Familie, Freunde und das freiere dörfliche Leben gegenüber der kleinen Wohnung in der Stadt. „Und ich kann bei Muttern futtern“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Vater Klosinski ist Lehrer für Deutsch und Englisch, die Schwester ebenfalls Lehrerin. Das mag dazu beigetragen haben, dass Robert Klosinski sich nach dem Abitur am Osterwiecker Fallstein-Gymnasium entschloss, selbst Sprachen zu studieren. Aber nicht um später als Lehrer vor Kindern zu unterrichten. Er umschreibt den Unterschied so: „Mein Vater lehrt die deutsche Sprache so wie sie gesprochen werden sollte, ich wie sie tatsächlich gesprochen wird.“ Denn die Schüler des Juniors sind oft amerikanische Studenten, die später in deutschen Unternehmen anheuern wollen und dafür die Umgangssprache benötigen.

Schon als Gymnasiast ein Jahr in den USA

Am Fallstein-Gymnasium ist der Schüleraustausch schon immer großgeschrieben worden. Das nutzte auch Robert Klosinski. In der elften Klasse wechselte er für ein Jahr an eine Highschool im Süden der USA, lernte Land und Leute kennen. Er erfuhr dabei vom Interesse vieler junger Amerikaner, Deutsch zu lernen, weil deren Vorfahren aus Deutschland stammten.

Nach dem Abitur ging er an die Universität in Jena, um Anglistik sowie Deutsch als Fremdsprache zu studieren. Während des Bachelor-Studiums war Klosinski 2012 ein halbes Jahr in Australien, um an der Universität in Sydney Studenten Deutsch zu lehren. Als Berßel 2013 seine 1000-Jahr-Feier beging, war gerade seine Bachelor-Arbeit fertig geworden.

Für das Masterstudium hätte er auch in Deutschland bleiben können. Aber es gab es nur wenige infrage kommende Universitäten. „Ich bekam aus den USA ein Angebot mit einem super Deal.“ Er durfte neben dem Studium unterrichten und musste keine Studiengebühren bezahlen. So ging er von August 2014 bis Mai 2016 an die Universität von Georgia, im Süden gelegen und die älteste staatliche Universität der USA. „Ich wollte auch ein wenig Amerika und überhaupt die Welt sehen.“ Auch der Football hat gelockt.

Schließlich der Wechsel aus dem angenehm warmen Süden in den zwar kühleren, aber landschaftlich reizvollen Norden zur Penn State-Universität mit der Möglichkeit, eine Doktorarbeit in Sprachwissenschaften zu schreiben.

Rückreisetermin ist noch ungewiss

Mit der Arbeit steht er noch am Anfang. Persönlich an die Universität wird er erst nach den Corona-Beschränkungen zurückkehren können. Gebucht hat er jetzt ein Flugticket für Ende April, möglicherweise wird es aber auch Sommer.

Wohin der berufliche Weg Robert Klosinski in der Zukunft führen wird, weiß er noch nicht. Da sind zum einen die angenehmen, von Respekt begleiteten Arbeitsbedingungen an Amerikas Universitäten, zum anderen möchte er auch wieder näher zur Familie zurück.