Endlich wieder gemeinsam laufen

Der 18. Huy-Burgen-Lauf bringt die Region in Bewegung

Mit über einem Jahr Verspätung ist der Lauf gestartet und wird in die Geschichte als ein Lauf der Tests und Abstände, aber auch als fairer Wettbewerb eingehen.

Von Ramona Adelsberger
Auftakt zum 18. Huy-Burgen-Lauf. Gestartet wurde in Gruppen zu je 20 Läufern. Hier die erste Abteilung mit den sechs Aktiven, die immer dabei waren.  Ganz vorn Detlef Ilse aus Braunschweig, der zum 16. Mal beim Laufereignis dabei ist.  Er ist nie alleine unterwegs, sondern hat immer seinen treuen Begleiter, ein Steckenpferd, dabei.
Auftakt zum 18. Huy-Burgen-Lauf. Gestartet wurde in Gruppen zu je 20 Läufern. Hier die erste Abteilung mit den sechs Aktiven, die immer dabei waren. Ganz vorn Detlef Ilse aus Braunschweig, der zum 16. Mal beim Laufereignis dabei ist. Er ist nie alleine unterwegs, sondern hat immer seinen treuen Begleiter, ein Steckenpferd, dabei. Fotos (4): Ramona Adelsberger

Schlanstedt - Erschöpft, aber hochzufrieden mit dem Verlauf des 18. Huy-Burgen-Laufes sind nicht nur die Sportlerinnen und Sportler, sondern in erster Linie die Organisatoren des gleichnamigen Fördervereins aus Schlanstedt. Denn, dass dieser Lauf überhaupt stattfinden konnte, ist keineswegs selbstverständlich.

„Die Auflagen des Gesundheitsamtes waren zwar streng, haben am Ende aber gut funktioniert“, erklärt Rainard Mühlhaus, der Fördervereinsvorsitzende. Und zu diesen Bedingungen gehörte auch, dass jeder Läufer einen gültigen negativen Corona-Test vorweisen muss, um starten zu dürfen. Ein solcher Test aber ist nur 24 Stunden gültig.

So gehörte während der Mittagspause am ersten Lauftag auf der Huysburg nicht nur das Mittagessen fassen, sondern auch das Testen lassen zu den Pflichten der Läufer. „Wir konnten das Team aus dem Corona-Testzentrum aus Badersleben gewinnen, die das sehr gut organisiert hatten“, so Mühlhaus. Und unter den Läufern habe es viel Verständnis und Disziplin gegeben.

„Es war klar, dass wir keinen Massenstart auf der Burg Schlanstedt wagen werden“, erklärt Rainard Mühlhaus weiter. Das Hygienekonzept des Laufes hat einen Start von jeweils 20 Läuferinnen und Läufern vorgesehen, im Abstand von jeweils einer Minute, nach dem Startschuss durch die Schützengesellschaft Schlanstedt. Später, auf der Laufstrecke, zieht sich das Feld ohnehin auseinander.

Sechs Aktive haben keinen Lauf versäumt

Gleich im ersten Block, der gestartet ist, sind unter den Startnummern 1 bis 20 auch die sechs Läufer, die bereits zum 18. Mal beim Lauf dabei sind. Diese „alten Hasen“ sind Karsten Heyroth, Ruth Heise, Wolfgang Pardeike, Ralf Poerschke, Edgar Schirbel und Paul Thüne.

Seit 16 Jahren gibt es neben den Strecken für Läufer und Staffeln auch das Angebot an Walker und Nordic Walker, die an zwei Tagen eine Strecke von etwa 20 Kilometer zurücklegen.

Die Tour beginnt am Sonnabend mittags auf der Huysburg bis nach Ströbeck und wird traditionell durch die Huy-Räuber, die Böllertruppe der Dingelstedter Schützen, gestartet.

Am zweiten Tag wird dann von Huy-Neinstedt bis zur Westerburg gewalkt. Mit der Startnummer 200 führt Regina Farsky aus Badersleben das Feld der dienstältesten Walker an. Sie ist die einzige, die nun alle 16 Läufe absolviert hat. „In die Freude über den Lauf mischt sich bei mir immer auch Trauer“, erklärt sie. Denn vor 16 Jahren war es der 2019 verstorbene Dietmar Küchenmeister, der sie überredet hatte, mit ihm gemeinsam anzutreten.

Erfrischung aus dem Feuerwehrschlauch

Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr hatten an diesem Wochenende vor allem beim Absperren an Straßenkreuzungen und beim Absichern der Wegstrecke zu tun. Den vielleicht erfrischendsten Posten hatten dabei die Kameraden der Dingelstedter Feuerwehr, die mit einer gut gekühlten Tankerfüllung für eine nasse Erfrischung sorgten. „Viele Arme und Beine, aber auch einige Köpfe haben wir - immer nur auf Wunsch - nassgespritzt“, so Stefan Thielbeer, der Ortswehrleiter.

Das Wetter zeigte sich zunächst gnädig. So begann der Lauf in Schlanstedt am Sonnabendmorgen bei bedecktem Himmel. Aber zur Mittagspause auf der Huysburg kam die Sonne raus und brannte erbarmungslos. „Es ist schon ein Unterschied, ob im Mai oder im Hochsommer gelaufen wird“, war unter den Läufern zu hören. Doch weil es nicht um Zeiten und Platzierungen geht, sondern um das Erlebnis, hat jeder sein persönliches Tempo gefunden.

Ein Schlückchen Sekt für Notfälle

Für Pausen war zudem in den Ortschaften immer wieder Gelegenheit, denn die Vereine und Bürger waren wie gewohnt,vor Ort mit Wasser und kleinen Snacks.

Und wenn nur noch ein Schlückchen Sekt helfen kann, um weiterzulaufen, auch das ist für „Notfälle“ in den Ortschaften vorgesehen. Dafür ist zum Beispiel die Verpflegungsstelle an der Üppel bekannt, die durch die Damensportgruppe „Piccolo“ betreut wird. Und auch in Eisdorf wird gern etwas länger gerastet. Am Sportplatz verteilen die Biker die Stempel, denn jeder Läufer muss am Ende nachweisen, dass er tatsächlich hier und an allen anderen Stempelstellen langgelaufen ist. Am Thie aber gibt es noch einen weiteren Versorgungspunkt, der von den Billardfreunden ausgestattet wird. Hier gibt es Süßes, Deftiges und auch hier steht eine Flasche Rotkäppchen für dringende Fälle bereit.

Besonderes haben sich auch die Mitglieder des Freibadvereins in Eilenstedt ausgedacht. Zwar wird hier, etwa zwei Kilometer nach dem Start in Schlanstedt, nur „einfach“ vorbeigelaufen, doch haben die Eilenstedter dafür gesorgt, dass die Läufer das Bad in besonderer Erinnerung behalten.

Sie haben ein Schild mit der Aufschrift „Noch 52 Kilometer“ mit einem Smiley, dem das Lachen vergangen ist (analog den Baustellenhinweisen auf der Autobahn) ist. Dass damit die gesamte Strecke gemeint ist, die moderat in drei Abschnitte eingeteilt ist, und über zwei Tage geht, wissen die Läuferinnen und Läufer natürlich. Daher hat das Schild nicht etwa für Abschreckung gesorgt, sondern für viele Lacher und damit genau seinen Zweck erfüllt.

Darauf warten die Läufer, die zum ersten Mal beim Huy-Burgen-Lauf dabei sind, immer besonders - den Ritterschlag durch Ritter Bock (alias Reinhard Beyer).
Darauf warten die Läufer, die zum ersten Mal beim Huy-Burgen-Lauf dabei sind, immer besonders - den Ritterschlag durch Ritter Bock (alias Reinhard Beyer).
Fotos (2): Bernd Blum