Halberstadt l Es ist traurige Gewissheit. Die unter großer Anteilnahme der Halberstädter 1999 neu gegossene Domina ist beschädigt. So sehr, dass sie nicht mehr klingen wird. Nie mehr.

8,2 Tonnen Gewicht

Wie von Rolf Lindemann, Baudirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, zu erfahren war, hatte man bei den turnusmäßigen Wartungsarbeiten an den Glocken des Halberstädter Doms festgestellt, dass die Domina, mit 8,2 Tonnen größte Glocke des Geläuts, einen Riss hat. „Wir haben die Glocke daraufhin erstmal nicht geläutet und einen Sachverständigen hinzugezogen, berichtet Lindemann. Der Sachverständige stellte fest: Der Schaden ist so groß, dass die Glocke gar nicht mehr geläutet werden darf. „Wir haben sie also komplett außer Betrieb genommen“, sagt Lindemann und fügt an: „Ich hätte mit gewünscht, dass gerade diese Glocke länger gehalten hätte.“

Die Kulturstiftung ist Eigentümerin des Doms und damit auch der Glocken und somit zuständig für Wartung und gegebenenfalls Reparatur des Geläuts, dass deutschlandweit die meisten noch aus dem Mittelalter stammenden Glocken besitzt.

10.000 Gäste verfolgten Guss

Der Schaden an der Domina, die am 3. September 1999 vor den Augen von fast 10 000 Besuchern auf dem Domplatz gegossen worden war, ist offenbar erheblich. Man prüfe zurzeit, ob die Glocke neu gegossen werden muss, sagte Lindemann. „Eine Reparatur wäre nach bisherigen Schätzungen nicht sehr viel billiger.“

Bis es dazu kommt, muss die Stiftung zunächst Angebote einholen und schauen, wie und wann so ein Neuguss finanziert werden kann. Ganz so teuer wie der Guss 1999 wird es wohl nicht werden, da man das Material schon zur Verfügung habe, wenn die Glocke eingeschmolzen wird. Doch was wird mit der Glockenzier, gearbeitet von Johann-Peter Hinz, müsste sie dann vorher abgeformt werden. „Er hatte den Glockenschmuck von Hand modelliert, es gibt also keine Vorlagen mehr dafür“, sagt Ralf Lindemann.

Im Jahr 1999 hatte nach einer vierjährigen Vorbereitung der öffentliche Neuguss der 1944 zu Kriegszwecken eingeschmolzenen Domina erfolgen können. Rund 300.000 D-Mark mussten für das Vorhaben damals an Spenden gesammelt werden, federführend engagiert hatte sich Dr. Harald Hausmann.