Calvörder Verein der Wassersportfreunde sucht Leute, die Spaß am gemeinschaftlichen Paddeln haben

Drachenboote erobern den Mittellandkanal

Von Anett Roisch

Der Calvörder Sportboothafen ist um eine Attraktion reicher. Die Mitglieder des Wassersportvereins haben zwei Drachenboote preisgünstig gekauft. Unbeschadet haben die Wassersportler die zwölf Meter langen Boote per Fahrzeug und Anhänger vom Schweriner See nach Calvörde geholt und dort ins Wasser gesetzt.

Calvörde l "Seit zwei Jahren versuchten wir vergeblich, gebrauchte Drachenboote zu bekommen. Neu kosten diese Boote nämlich etwa 20 000 Euro", berichtete Hansjoachim Schumann, Vorsitzender des Wassersportvereins Calvörde. Nun hat es dank Internetanzeige geklappt. "Ich habe eigentlich ein Ersatzteil für mein Boot gesucht. Da bin ich durch Zufall auf die Kleinanzeige gestoßen. Innerhalb von vier Minuten waren schon zwei von sechs Boote, die mehr als günstig waren, vergeben. Ich habe noch am späten Abend mit meinem Vorstand telefoniert, denn ich musste sehr schnell handeln. Alle stimmten mir zu", erzählte der Vorsitzende, während seine Vereinsfreunde die jeweils etwa 350 bis 400 Kilogramm schweren Boote vorsichtig und mit Hilfe eines Traktors vom Hänger des Kleintransporters ans Ufer des Mittellandkanals hoben.

Die Sportfreunde konnten ihren Erfolg nicht fassen. "Es stellte sich heraus, dass der Drachensportverein in Schwerin einen Gönner hat. Zu ihren ehemaligen Mitgliedern gehört Manfred Russ, ein Rechtsanwalt, der nach der Wende sein Glück in den USA gemacht hatte. Russ schenkte seinen Schweriner Freunden neue Boote unter der Bedingung, dass die alten Boote - die er auch damals seinem Verein schenkte - kostengünstig an einen kleinen bedürftigen Verein abgegeben werden", erzählte Schumann. Russ ist der Vizepräsident des internationalen und auch des europäischen Dragon Boat Federation. Der junge Calvörder Verein erfüllte diese Bedingung. Und so wurde der Kaufvertrag perfekt.

Mit den Paddelbooten soll auch der Sport und damit auch die Gemeinnützigkeit des eingetragenen Vereins nachgewiesen werden. Platz in einem Boot ist für 24 Paddler, einem Rudergänger und einem Trommler. Das Drachenbootfahren ist nicht nur ein eigenständiger Sport, es hat auch eine ganz eigenständige Tradition und Philosophie, die auf das Jahr 329 vor Christi zurückgehen.

Der Calvörder Sportboothafen wurde im Mai 2013 feierlich eingeweiht. Der Verein hat derzeit 16 Mitglieder. Wer im Verein mitwirken möchte, muss kein Bootsbesitzer sein. Spaß am Wassersport und die Mitgestaltung des Vereinslebens ist wichtig. "Gerade zum Drachenbootefahren sind viele Frauen, Männer und Jugendliche, die Spaß am Paddeln und an der Gemeinsamkeit haben, vonnöten. Der Schweriner Verein hat uns auch Hilfe angeboten, um mit den Booten richtig umzugehen ", sagte Schumann und verlas die Philosophie von Russ. Dort heißt es: "Drachenbootrennen ist nicht nur Rennsport mit langen Booten. Zelebriert werden soziales Engagement, Zivilcourage und persönlicher Einsatz des Einzelnen für die Gemeinschaft. Es repräsentiert jene Werte der Gesellschaft, die uns gemeinsam nach vorn bringen." So ist geplant, dass bald auch auf dem Mittellandkanal Drachenboote um die Wette fahren. Später soll es möglich sein, dass sich Gruppen für einen Betriebs- oder auch Vereinsausflug die Boote für ein gemeinsames Paddeln ausleihen. Nun braucht jedes Boot einen Namen. "Unsere Idee ist es, dass Calvörder Ur-Gesteine mit Spitznamen, wie Bube Höfer oder Jimmi Paarmann die Namenspatronen werden. Namensvorschläge könnten in unseren Postkasten geworfen oder per Mail an c.katlbult@gmx.de gesendet werden. Der Gewinner könnte ein Jahr lang Ehrenmitglied in unserem Verein sein", erklärte der Vorsitzende.