Halberstadt l Dass sie es am Sonnabend, 5. Dezember, aus der Volksstimme erfahren, ist nicht etwa Corona geschuldet, sondern entspricht einem Beschluss des Stadtrates vom April 2018 zur Verleihung von Ehrenbezeichnungen der Stadt: Die Halberstädter Schriftstellerin Kathrin R. Hotowetz „Persönlichkeit des Jahres 2021“ und der Ströbecker Schachverein „Verein des Jahres 2021“. So haben es die Mitglieder des Kultur- und Sportausschusses in ihrer Sitzung am 14. Oktober entschieden.

Die Schachtradition im Halberstädter Ortsteil Ströbeck reicht bis ins Mittelalter zurück. Schulschach, Schachwettkämpfe, Schachfeste, Lebendschach und vieles andere rund um das königliche Spiel sind feste Bestandteile des Dorflebens in Ströbeck, das seit 1991 offiziell Schachdorf heißt. Im Ort ist auch der 1883 gegründeten Schachverein mit seinen aktuell rund 70 Mitgliedern aktiv.

Dessen Vorsitzender ist seit einem Jahrzehnt Frank Willke. Mit Stolz blickt er auf die Geschichte des Schachspiels in Ströbeck und auf die seines Vereins zurück. Das Jahr 2020 werde in der Chronik künftig mehr mit der Corona-Pandemie in Verbindung gebracht, als mit dem Schachspiel, ist er überzeugt. Denn das Schachleben kam bekanntlich nicht nur im Vorharz zum Erliegen.

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Corona-Jahr schwierig für Schachverein

Willke: „In diesem Jahr fand so gut wie gar nichts von dem statt, das wir vorbereitet hatten und auf das wir uns gefreut haben“, schaut er zurück. „Das Maiturnier, das Schachfest und 1025-Jahrfeier des Schachdorfes wurden abgesagt. Die Jahreshauptversammlung fiel aus, das regelmäßige Schachtraining aufgrund des nicht einzuhaltenden Mindestabstands kann vorerst nicht stattfinden.“

Zum Glück konnte die Liga im November zu Ende gespielt werden. Der für den 13. Dezember geplante Beginn der neuen Liga allerdings wurde inzwischen auf Juni 2021 verschoben. Wenige Wochen davor soll das ausgefallene Schachfest stattfinden.

„Bereits vor zwei Jahren begannen wir mit den umfangreichen Vorbereitungen für dieses traditionelle Fest. Dazu gehörte auch das Projekt Kurierschach. Das Lebendschachensemble des Vereins will Kurierschach, eine aus dem Mittelalter stammende Form des Schachspiels, die fast vergessen ist, wiederbeleben. Diese Weltpremiere werden wir nun mit unseren Gästen am 29. Mai 2021 erleben“, so der Vereinsvorsitzende. Er lobt in diesem Zusammenhang die fleißigen Frauen, die die Kostüme für die 42 Figuren bereits fertiggenäht haben. „Corona hat einiges durcheinandergewirbelt. Doch wir lassen uns nicht unterkriegen. Der Verzicht auf Gewohntes fällt zwar nicht leicht, doch Gesundheit geht vor“, unterstreicht Frank Willke.

Schach nur im eigenen Wohnzimmer

Der Schachverein und die Ströbecker insgesamt werden ihre Traditionen weiter pflegen, ist er sicher. Das königliche Spiel werden sie wohl vorübergehend einmal mehr in den eigenen vier Wänden spielen.

In den eigenen vier Wänden hält es Kathrin R. Hotowetz vor allem, wenn sie schreibt. Dazu hat sie sich in diesen Wochen wieder einmal zurück gezogen. „Ich nutze die Zeit, um an meinem neuen Buch ,Vermächtnis der Wälder‘ zu arbeiten. Die Hälfte ist bereits fertig. Ich denke, über die Wintermonate, in denen es natürlich auch noch viele andere Dinge zu erledigen gilt, werde ich den Rest hinbekommen, so dass der siebte Band pünktlich auf den Markt kommt“, versichert die Schriftstellerin.

Seit mehreren Jahren verfasst die Halberstädterin erfolgreich Romane, in denen sie Kriminalfälle, Harzer Mystik, historische Begebenheiten und tatsächlich vorhandene Örtlichkeiten auf spannende Weise miteinander verknüpft.

Autorin macht Halberstadt und Harz bekannt

Aber nicht nur mit ihren Büchern macht sie auf den gesamten Harz und seine Städte und somit auch die Kreisstadt Halberstadt über die Landesgrenzen hinaus aufmerksam. Das durch Kathrin R. Hotowetz initiierte Kulturtourismusprojekt „Das versunkene Heiligtum“ in Zusammenarbeit mit Harzer Städten wie Halberstadt, Blankenburg und Thale hat sich zum Tourismuszugpferd entwickelt. Trotz aller coronabedingten Einschränkungen blickt die Autorin in dem Zusammenhang auf ein erfolgreiches und arbeitsreiches Jahr zurück.

„Messen, Lesungen und Führungen fielen aus, Seminare und Kurse wurden abgesagt, zuletzt mussten wir auf Advent in den Höfen verzichten“, listet sie auf. Auch die Vermietung von Ferienwohnungen in ihrer historischen Geistmühle lief anders als in vorausgegangenen Jahren. Es blieb aber trotzdem genug zu tun. So besuchte sie mit einem MDR-Fernsehen tausend Jahre alte Kultorte in der Region, die kaum einer kennt. Nachdem die Folgen von „Das versunkene Heiligtum – Die mystische Harzreise“ ausgestrahlt worden waren, zog es viele Neugierige an die vorgestellten Schauplätze.

„Das Interesse ist sehr groß. Das erlebten wir auch bei den Crime & Mysteryrundfahrten mit dem Oldtimerbus. Es mussten sogar Zusatztouren angeboten werden“, berichtet Kathrin Hotowetz.

Auf Spuren von "Im Schatten der Hexen"

Anfang Oktober startete mit der Einweihung des ersten Schnitzobjekts „Der Sterngucker“ unterhalb des Klusfelsens in Halberstadts die Beschilderung der Schauplätze des Kultur- und Literaturprojektes „Das versunkene Heiligtum“, an denen es 28 Stempelstellen für den Wanderpass gibt. Bereits 2018 war die „Kultur- und Wandertour – Im Schatten der Hexen“ mit über 100 Wanderstempelstellen im gesamten Harzgebiet an den Schauplätzen der Romanreihe „Im Schatten der Hexen“ eingerichtet worden.

Mit einem großen Herzen für ihre Stadt und den Harz trägt sie dazu bei, die wichtige Säule Kultur und Tourismus zu stärken, heißt es in der Begründung ihrer Ehrung. Beide Auszeichnungen sollten im Rahmen des Neujahrsempfanges im Januar 2021 stattfinden. Da dieser jedoch coronabedingt ausfällt, werden die Ehrungen bei einer Stadtratssitzung im Laufe des Jahres 2021 vorgenommen.