Tiergarten

Eine Schwester für Känguru Joey

Beim Spaziergang durch den Tiergarten Halberstadt verrät David Neubert, Chef der Anlage, Neuigkeiten und dass es etwas zu gewinnen gibt.

Von Sandra Reulecke

Halberstadt l „Joey hat eine Halbschwester.“ Mit dieser Nachricht aus dem Känguru-Gehege hat Tiergarten-Chef David Neubert eine echte Überraschung parat. Etwa ein Dreivierteljahr sei das Jungtier alt. Und – im Gegensatz zu seinem großen Bruder, der 2019 als Findelkind für Schlagzeilen sorgte und von Tierpflegern mit der Flasche großgezogen wurde – ist das Bennett-Mädchen von der Mutter angenommen worden. „Die Kleine erkundet schon selbstständig das Gehege und lernt viel von ihrem großen Bruder“, berichtet Neubert.

Fehlt nur noch eins: ein Name. Neubert ruft die Leser der Volksstimme auf, ihre Ideen einzureichen. „Derjenige, dessen Vorschlag gewinnt, wird Pate der Kleinen und erhält eine Familien-Jahreskarte“, kündigt der Biologe an.

Nicht nur für den Gewinner lohnen sich 2021 häufige Besuche im Tiergarten, wie David Neubert betont. Er und sein Team schmieden viele Pläne, es wird neue Bewohner und Veränderungen zu entdecken geben. So sollen bald Steppenfüchse und Rothunde – oder Goldschakale – in die Spiegelsberge ziehen.

Davon hätte der Tiergarten-Chef den Volksstimme-Lesern gern persönlich beim traditionellen Neujahrsspaziergang berichtet. Doch aufgrund der Corona-Regeln ist es aktuell nicht möglich, mehrere Dutzend Leute zum gemeinsamen Schlendern einzuladen. Auf Eindrücke und Neuigkeiten muss dennoch niemand verzichten – der Kamera sei Dank.

Erstes Motiv ist die schüchterne, fünf Monate alte Stinktierdame Josie. Das Besondere: Ihr Fell ist braun. „Sie kennt keinen Winter. Darum lassen wir sie im Moment noch in einer beheizten Behausung. Wenn sie dann im Frühjahr in das Gehege wechselt, wird das ein Highlight für die Besucher“, kündigt David Neubert an. Zumal der Nachwuchs nicht lange auf sich warten lassen soll. Der potenzielle Vater ist ein langjähriger Bewohner des Tiergartens – Stinktier Karsten. Bereits „guter Hoffnung“ könnten die Wildschweine sein, verrät Neubert.

Schwieriger gestaltet sich die Kinderwunschplanung bei den Erdmännchen. Die Weibchen sind wählerisch, wenn es um einen Partner geht, erläutert David Neubert. Darum soll ein Weibchen, das bald das Gehege bezieht, so lange Männchen dazu gesetzt bekommen, bis sie den Richtigen für sich auserkoren hat. „Harem andersherum“, sagt der 33-Jährige lachend.

Zu einer reinen Männer-WG wird das Gehege der Mähenspringer in diesem Jahr. „Wir tauschen das einzige Weibchen gegen ein Männchen.“ Der Grund sei einfach: Männer unter sich leben entspannter und ganz ohne Zickenkrieg.

Gekuppelt wird dagegen im Dammwild-Areal. Der neue Hirsch soll weibliche Gesellschaft erhalten. Dafür, dass sich das Paar dann wohl fühlt, haben die Tiergarten-Mitarbeiter schon gesorgt. Zur Hangsicherung wurden neue Bäume gepflanzt, unter anderem Eiche und Walnuss. „Die Stürme und die Trockenheit der vergangenen Jahre haben deutliche Spuren hinterlassen“, berichtet der Tiergarten-Chef. Immer wieder seien die alten Bäume umgekippt. Immerhin könne man die Stämme noch nutzen – zum Beispiel als Wegbegrenzung.

Doch nicht immer ist es die Natur, die dem Tiergarten-Team Sorgen bereitet, sondern der Mensch. So ist die Anlage im Sommer zum Ziel von Vandalismus geworden. Zerstört wurden etwa Volieren – mehrere Vögel sind seitdem verschollen, auch der Fasan. 2021 soll ein neuer einziehen. „Wir planen ein neues, größeres Fasanengehege“,unterhalb des Belvedere-Turms, kündigt Neubert an.

Weit über die Planung hinaus ist ein Areal für Schildkröten. In der Nähe des Spielplatzes ist mit den ersten Bauarbeiten begonnen worden. „Wir haben schon lange Schildkröten, die Besucher haben sie nur bislang nicht zu sehen bekommen“, sagt der Tiergarten-Leiter. „Es handelt sich um Fundtiere und um welche, die beschlagnahmt worden.“

Gebaut werden soll auch am Ponystall. Dieser soll ein 2000 Quadratmeter großer, begehbarer Lehrbauernhof werden. „Dafür stellen wir den ersten Fördergeldantrag in der Geschichte des Tiergartens, soweit ich weiß“, sagt Neubert. Neben den Ponys sollen Zwergrindern- und Hühner, Kunekune-Schweine und Schafe hier ein Zuhause finden. Zudem soll es einen Brutapparat geben, um zu zeigen, wie Küken aus Eiern schlüpfen. „Das ist ein wichtiges Projekt“, sagt David Neubert. Künftig solle im Tiergarten der Fokus noch mehr auf Wissensvermittlung und Artenschutz liegen. Für Ersteres sind bereits 2020 Grundsteine gelegt worden. So wurde die Beschilderung an den Gehegen erneuert und um Kinderschilder – in einfacher Sprache und mit vielen Bildern – ergänzt.

Gern würde er Kindern wie Erwachsenen auch im Rahmen von Veranstaltungen mehr über die 284 Tiere aus 62 Arten, die im Tiergarten leben, erzählen, sagt Neubert. Besonders in diesem Jahr – in dem sich die Gründung der Anlage zum 60. Mal jährt. „Aber wir müssen erst einmal abwarten, wie sich die Situation entwickelt und was möglich sein wird.“Seite 17

Namensvorschläge für das Känguru-Mädchen werden bis zum 6. Januar per E-Mail an redaktion.halberstadt@volksstimme.de erbeten.