Halberstadt l Der Breite Weg soll umgestaltet und belebt werden, Bars und Außengastronomie sollen her, Grünflächen attraktiver werden, Sicherheit und Sauberkeit erhöht. So lauten die meistgenannten Wünsche von Halberstädtern zur künftigen Entwicklung der Innenstadt, hat eine Befragung ergeben.

Anlass dafür ist die Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts der Stadt Halberstadt gewesen. Das bestehende stammt aus dem Januar 2009. Mit der Aktualisierung hat die Verwaltung das Planungsbüro Stadt+Handel, das einen Sitz in Leipzig hat, betreut. Das Team hat unter anderem aufgrund der Befragung, von Trends und Prognosen, wirtschaftlichen Kennzahlen und einer Analyse der aktuellen Situation Halberstadts Handlungsempfehlungen für die Verwaltung zusammengestellt. Ihre Ergebnisse präsentierten Annika Heinlein und Lucas Beyer nun öffentlich. Dass das Thema interessiert, war dabei kaum zu übersehen. Gewerbetreibende, Vertreter der Kommunalpolitik und Bürger waren gekommen.

Beyer erläuterte ihnen, dass die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in Halberstadt bei 232,3 Millionen Euro liegt. Eine beeindruckende Zahl. Aber nur auf den ersten Blick: Das Kaufkraftniveau in Halberstadt liegt bei 87 – und damit unterhalb des Bundesdurchschnittes. Auch im Landesvergleich scheidet Halberstadt schlechter ab, das Niveau für Sachsen-Anhalt liegt bei 91. „Aber das ist kein unüblicher Wert für eine ländliche Gegend“, sagte Beyer.

Lebensmittelmarkt meist gut erreichbar

Und wofür geben die Halberstädter ihr Geld aus? Vorrangig für Nahrungs- und Genussmittel, so Beyer. 39 Prozent der Kaufkraft werden dafür aufgewendet. Wenig verwunderlich also, dass laut Analyse bereits jetzt die meisten Einwohner in maximal zwölf Minuten einen Lebensmittelmarkt fußläufig erreichen können. Im nur einstelligen Prozentbereich folgen Ausgaben für Bekleidung, Schuhe/Lederwaren, Drogerie/Parfümerie/Kosmetik, Apotheken und neue Medien/ Unterhaltungselektronik.

Es sind nicht nur Halberstädter, von denen der hiesige Einzelhandel profitiert. Beleg dafür sei die sortimentsspezifische Einzelhandelszentralität. Dieser Wert ergibt sich aus der Gegenüberstellung des Umsatzes im Einzelhandel zu der am Ort vorhandenen einzelhandelsrele­vanten Kaufkraft. Gerade um Möbel zu kaufen, für Einrichtungszubehör, Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik und Bekleidung kommen Menschen von außerhalb in die Kreisstadt.

Nichts, worauf sich Händler und Stadtplaner ausruhen können. Der Online-Handel wird an Bedeutung gewinnen – sogar für Waren des täglichen Bedarfs – wie Annika Heinlein aufzeigte. Damit der Handel in Städten dabei nicht auf der Strecke bleibt, müsse mehr geboten werden als bloße Verkaufsflächen. Kunden erwarten, dass Einkaufen zum Erlebnis wird. Veranstaltungen in der Innenstadt locken potentielle Kunden. Um sie nicht mit Leerstand abzuschrecken, sollen ungenutzte Ladenflächen zum Beispiel für Ausstellungen und Schaufenster als Werbeflächen genutzt werden oder Räume eine neue Funktion erhalten. Annika Heinlein nennt Coworking Spaces, also Büros, in die sich mehrere Unternehmer einmieten können, als Beispiel.

Mehr Gastronomie und Sitze in Innenstadt?

Zudem sei es notwendig, die Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu verbessern. Dies können Spielgeräte und Sitzgelegenheiten schaffen – etwas, was sich laut Befragung die Halberstädter auch wünschen, ebenso mehr gastronomische Angebote. Sind die gegeben, bleiben die Menschen länger in der Innenstadt, sagten die Stadtplaner. Um Kunden regelmäßig dort hinzulocken, seien Frequenzbringer, also Geschäfte mit Magnetwirkung für viele Zielgruppen, notwendig.

Gerade für Betreiber kleiner Geschäfte sei es wichtig, mit der Zeit zu gehen, zum Beispiel dank Weiterbildungsangeboten. Mit Schaufenstergestaltung, regionalen Produkten und Fokus auf Touristen können sie sich besser behaupten. Stadt+Handel empfiehlt ihnen, zusammenzuarbeiten. Die Gründung von Interessen- und Gewerbegemeinschaften sei ein Weg, ebenso gemeinsame Marketingaktionen und eine gemeinsame Internetpräsenz.

Nicht jede Konkurrenz belebt das Geschäft

Während die Innenstadt-Händler sich so selbst stärken können, ist die Stadt dabei gefragt, sie zu schützen. Das Sprichwort „Konkurrenz belebt das Geschäft“ trifft bei der Stadtplanung nur bedingt zu. Dazu, wo, in welcher Größe und vor allem welche Geschäfte sich künftig in Halberstadt ansiedeln sollen, haben die Planer von Stadt+Handel ebenfalls Empfehlungen ausgesprochen.

Es müsse darauf geachtet werden, dass bestehende Geschäfte aufgrund von Neuansiedlungen nicht geschwächt werden. Vielmehr sollen neue Betriebe eine ergänzende Wirkung haben. Beispiel Altstadt: Dort seien, wie es bereits jetzt der Fall ist, Dienstleister und medizinische Geschäfte gut aufgehoben, die in der Innenstadt weniger zu finden sind.

Besonders das Gewerbegebiet am Sülzegraben sei für Investoren attraktiv, da es laut Planungsbüro deutlich über das Stadtgebiet hinaus strahlt. Aber, so wird betont, es müsse aufgepasst werden, dass das dortige Angebot nicht zur Konkurrenz für die Innenstadt wird.