Halberstadt l Es riecht streng nach einem Benzin-Diesel-Mix in der Quedlinburger Straße in Halberstadt seitdem die Straßen­decke der B 79 auf Höhe der ehemaligen Minol-Tankstelle aufgerissen ist. Mitarbeiter einer Baufirma sind in weiße Anzüge gehüllt und tragen Atemmasken. In etwa 60 bis 80 Zentimetern ­Tiefe verbirgt sich eine mit Kraftstoff verseuchte Erdschicht, die ein Arbeiten ohne Schutz unmöglich macht. Eine Hinterlassenschaft aus DDR-Zeiten, auf die Mitarbeiter der Landesstraßenbaubehörde während der Planungen zur Sanierung der Quedlinburger Straße gestoßen sind.

Der Mann im Bagger, der die Gräben für die neuen Regenwasserrohre der Abwassergesellschaft Halberstadt aushebt, trägt normale Arbeitsbekleidung und keine Maske. Aber auch er ist gut gesichert. „Die Kabine des Baugerätes, das extra aus Berlin nach Halberstadt geholt wurde, ist hermetisch dicht. Dort herrscht leichter Überdruck, um die Benzol-Ausdünstungen draußen zu halten“, erklärt Dirk Sauerhering vom Regionalbereich West der Landesstraßenbaubehörde. Ein Arbeiten ohne Schutz wäre unmöglich, dass würde starke Kopfschmerzen verursachen und die Gesundheit belasten.

Für Anwohner besteht keine Gefahr

„So extrem ist das aber nur ­direkt an der Baugrube. Für Anwohner und Passanten besteht überhaupt keine Gefahr“, so Dirk Sauerhering. Ein Streichholz würde er dort nicht unbedingt anzünden wollen. Der Ingenieur ist froh, dass die große Hitze von Ende Juni derzeit kein Thema mehr ist. Unter diesen Bedingungen hätten die Männer nicht arbeiten können. Bei Temperaturen von über 23 Grad sei dass ­unter der Schutzbekleidung unzumutbar. Insofern passen derzeit die kühlen Temperaturen.

Beim Blick in den Graben fällt eine dunkle und schmierige Schicht im Boden auf. Dabei handelt es sich um das kontaminierte Erdreich. Einen großflächigen Austausch wird es nicht geben, sagt Thomas Valentin, Geschäftsführer der Abwasser­gesellschaft Halberstadt. Es stelle keine Gefahr dar, wenn der Graben wieder geschlossen ist. In unmittelbarer Nähe gebe es dort keine Grundwasservorkommen, die verseucht werden können. Entsorgt wird bei den Tiefbauarbeiten nur der Aushub, der beim Kanal­graben anfällt. „Das Material transportieren Lkw zu einer Bodenwaschanlage, die die Schadstoffe auswäscht“, informiert Dirk Sauerhering. Verbaut wird es danach in der Quedlinburger ­Straße nicht wieder.

Kraftstoff floss über Jahre ins Erdreich

Betroffen sei der Bereich vom Bahnübergang aus etwa 150 Meter stadtauswärts. Wie viele Liter Kraftstoff im Boden einst versickert sind, könne man mittlerweile nicht mehr feststellen. Warum der Boden mit Kraftstoff verseucht ist, erklärt Dirk Sauerhering folgendermaßen: „Die im Erdreich versenkten Kraftstofftanks besaßen zu DDR-Zeiten im Füllstutzen keine Abschaltautomatik. Bedeutet, beim Befüllen der Tanks lief der Kraftstoff so lange, bis er aus dem Stutzen quoll.“ Vermutlich deshalb flossen über Jahrzehnte wahrscheinlich Hunderte oder Tausende Liter Benzin und Diesel ins Erdreich. Für diesen rücksichtslosen Umgang mit der Umwelt zahle man jetzt, fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, die Rechnung.

Etwa 120.000 Euro müssen die am Ausbau der Quedlinburger Straße beteiligten Partner (Landesstraßenbaubehörde, Halberstadtwerke, Abwassergesellschaft und Stadt Halberstadt) dafür berappen. Minol könne leider nicht mehr zur Kasse gebeten werden. Das Unternehmen gibt es nicht mehr. Und den heutigen Besitzer der Immobilie könne man nicht für die Sünden eines anderen bestrafen. Die Tanks der ehemaligen Minol-Tankstelle seien bereits in den 1990er ­Jahren entfernt worden. Für die komplette Sanierung der Quedlinburger Straße von der Kreuzung Straße des 20. Juli/Oehlerstraße bis zur Kreuzung Rudolf-Diesel-Straße/Am Sülzegraben sind 2,5 Millionen Euro Baukosten geplant.

Die derzeitige Vollsperrung der Bundesstraße 79 besteht noch bis zum Ende der Sommer­ferien.