Grovesmühle/Langeln l Der Satz von Landrat Martin Skiebe (CDU) bei der Vorstellung des neuen Fahrplans war eindeutig: „Die Pflichtaufgabe Schülerbeförderung erfüllen wir uneingeschränkt.“ Für Henriette Helmholz aus Langeln klingt dieser Satz wie Hohn. Ihr Sohn Benedikt wird ab August die fünfte Klasse besuchen und in diesem Zuge auf ein Gymnasium in freier Trägerschaft – das Landschulheim in Grovesmühle – wechseln. „Und dabei sind für mich mit dem am Sonntag in Kraft tretenden neuen Fahrplan erhebliche Probleme verbunden“, so die Mutter.

Während die Hinfahrt in den Morgenstunden keine Schwierigkeiten erkennen lässt, müssen Benedikt und drei weitere Schüler aus Langeln und Schmatzfeld ab August wohl in Grovesmühle übernachten. Der Grund: Laut jetzt vorgelegtem Fahrplan ist keine Rückfahrt mehr vorgesehen. Ein Unding, wie die Mutter findet, die schon Benedikts älteren Bruder einst nach Grovesmühle geschickt hat. „Damals hat es mit der Busbeförderung problemlos geklappt – aber jetzt?“

Erfolglos interveniert

Nachdem sie beim Busanbieter, den Harzer Verkehrsbetrieben (HVB), am Donnerstagmorgen zunächst erfolglos interveniert habe, kontaktierte die Mutter die Volksstimme. Soll es wirklich keine Lösung geben? Schließlich rollen tagsüber viele Busse durch Veckenstedt, zum dem Grovesmühle gehört. Das Problem: Der Schulstandort liegt etwas außerhalb, der Linienbus müsste einen rund zwei Kilometer langen Extraschlenker machen, um die Schüler abzuholen. Dreimal pro Woche gegen 16 Uhr, zweimal gegen 14 Uhr.

HVB-Abteilungsleiter Gerald Hahne und Geschäftsführer Björn Smith zeigten sich im Gespräch mit der Volksstimme offen, solche Korrekturen zu prüfen. So könnten Busse, die 13.55 Uhr und 14.37 Uhr Veckenstedt tangieren, vielleicht einen entsprechenden Bogen machen, so Hahne. Ähnlich sei dies mit einem Bus, der Veckenstedt um 17.13 Uhr anfahre. Dann läge die Abfahrtszeit allerdings mehr als eine Stunde nach Schulschluss. Was Variante zwei in den Fokus rückt: 16.09 Uhr fährt ein Bus in Grovesmühle ab, um Kinder nach Wasserleben, Berßel, Schauen und Osterwieck zu bringen. Könnte der nicht einen Umweg über Langeln machen?

„Wir werden all das prüfen“, so HVB-Planer Hahne. Was sich mit Smiths grundsätzlicher Position deckt: „Wenn ein Kundenproblem lösbar ist, wird es gelöst“, hatte der Manager am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen Fahrplans als Devise ausgegeben.

Auf kurzem Dienstweg lösen

Doch was ist, wenn die HVB das Problem nicht auf dem kurzen Dienstweg intern lösen kann? Dann wäre die Kreisverwaltung als Träger der Schülerbeförderung gefragt. Doch dort hebt Immo Kramer als zuständiger Amtsleiter für Gebäude- und Schulverwaltung sofort die Hände: „Der Schülertransport für freie Schulen war nie unsere Aufgabe“, betont er und überrascht mit dieser Lesart des Schulgesetzes.

Denn im dortigen Paragraphen zur Schülerbeförderung findet sich ein solcher Passus zur Unterscheidung zwischen freien und staatlichen Schulen nicht. Und diesen Fakt bestätigt auch der Sprecher des Bildungsministeriums, Stefan Thurmann, auf Nachfrage: „Die Regeln und Vorgaben rund um die Schülerbeförderung sind für staatliche und private Schulen völlig identisch.“

Das daraus resultierende Fazit bringt HVB-Chef Björn Smith so auf den Punkt: „Entweder finden wir bei der HVB jetzt eine Lösung, um die Schüler aus Grovesmühle zu befördern. Oder die Kreisverwaltung ist gefragt.“ Besser lässt es sich kaum formulieren.

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