Halberstadt l Die farbigen Punkte konzentrieren sich auf bestimmte Areale. „Hier suchen die Milane Futter zur Aufzucht der Jungtiere“, sagt Martin Kolbe, Manager des Rotmilanzentrums des Landes Sachsen-Anhalt. Außerhalb Halberstadts sind im Frühjahr drei der Greifvögel neu „besendert“ worden, wie Kolbe berichtet.

220 Flugkilometer in vier Stunden

Ein Altvogel, den die Biologen Anton getauft haben, trägt seinen Datenspeicher schon seit dem Vorjahr. Deshalb kann Martin Kolbe auch zeigen, welchen Weg ins Winterquartier das Tier gewählt hat. Überwintert hat Anton in Südfrankreich, nicht weit entfernt von den Pyrenäen. Für seine Rückkehr ins Brutgebiet benötigte Anton zehn Tage. „Man erkennt an der Flugroute, dass der Rotmilan dafür bestimmte Luftströmungen bei Wetteränderungen nutzte“, erklärt der junge Ornithologe. Deshalb führte der Rückweg übers Ruhrgebiet bis in die Nähe von Osnabrück. Dort übernachtete Anton vor der letzten Etappe. Die rund 220 Kilometer von Alfsee nach Nienhagen legte der Rotmilan am 24. Februar in etwas mehr als vier Stunden zurück.

Stadtgebiet als Nahrungsquelle

Die kleinen Sender, die die Milane auf dem Rücken tragen, können vom Boden aus ausgelesen werden und beziehen ihren erforderlichen Strom aus Solarzellen. Anton sendet vergleichsweise stabil, sagt Kolbe. Dafür fiel ein anderer Sender relativ früh aus. Aber nicht aus technischen Gründen.

Bilder

Der Datenverlauf zeigt, dass das bei Harsleben nistende Weibchen, das ebenfalls im vergangenen Sommer einen Sender erhielt, in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober gestorben ist. „So, wie es aussieht, wurde das Weibchen von einem Uhu geschlagen“, sagt Kolbe. In der Nähe des Nestes lebe einer dieser größten Eulenart. Auch Habichte schaffen es, Milane zu erbeuten. Wenngleich diese sich meist auf heranwachsende Vögel stürzen, die die sie aus dem Nest holen – in Sekundenbruchteilen.

Jeweils ein Partner besendert

Den Sender des gestorbenen Weibchens trägt nun ein anderer Vogel. Und weil es gelang, zwei weitere Alttiere mit den kleinen Geräten auszustatten, kann Martin Kolbe nun das Verhalten von insgesamt vier Rotmilanen im Umfeld Halberstadts verfolgen. Jeweils ein Partner eines Brutpaares ist besendert, paritätisch zwei Weibchen und zwei Männchen.

Mehrfach über dem Domplatz

Interessanterweise fliegt ein Altvogel fast täglich über den Arbeitsplatz von Martin Kolbe hinweg. Der hat sein kleines Büro im Heineanum am Domplatz, und über den Domplatz Halberstadts fliegt das Tier mehrfach am Tag. Der Vogel nistet wie die anderen außerhalb des Stadtgebietes, deshalb war Kolbe „äußerst überrascht“, dass der Vogel nicht – wie eigentlich typisch für die Milane – über den Äckern unterwegs auf Beutejagd ist.

„Es gibt noch einen zweiten Altvogel, der das Stadtgebiet als Nahrungsquelle nutzt. Er fliegt täglich hierher in die Stadt“, sagt Kolbe und zeigt auf die Punkte, die sich auf einer Karte finden. Martin Kolbe hat die Informationen aus den Sendern aufbereitet und auf ein Kartenwerk übertragen. Die Sender speichern GPS-Koordinationsdaten.

Futtersuche in der Innenstadt

Dass gleich zwei der vier beobachteten Milane die Stadt als Futterquelle bevorzugen, ist vielleicht ein Anzeichen dafür, dass die Vögel draußen nicht genügend zu fressen finden. Oder dass es deutlich leichter ist, in der Stadt Nahrung zu finden. Schließlich fressen Rotmilane auch Aas, wenn sie keine Mäuse oder anderes Kleingetier fangen können.

Doch noch steht Kolbe mit solchen Vermutungen am Anfang, für verlässliche Aussagen muss er noch weit mehr an Daten sammeln. „Grundlagenforschung ist nun mal langwierig“, sagt er. Die Sender seien so konzipiert, dass sie bis zu fünf Jahre lang arbeiten können.

Rotmilan-Ausstellung schließt

Nach fünf Jahren ist nun auch für die aus Landesmitteln finanzierte Sonderausstellung zum Rotmilan Schluss. Die ansprechend aufgebaute und äußerst sehenswerte Exposition „Red Kite – Roter Drache“ war in der Ausstellungsscheune des Schraube-Museums in der Voigtei 48 nur Gast und bereits länger als geplant zugänglich. Nun braucht das Team des Städtischen Museums, zu dem das Schraube-Museum gehört, die Räume selbst. „Wir werden die Ausstellung einlagern, sodass man sie auf Anfrage bei uns besichtigen kann“, informiert Martin Kolbe. Für Nachfragen kann man sich ans Heineanum wenden, Telefon (0 39 41)55 14 60.