Zilly l Die Stadt Osterwieck hatte sich per Ratsbeschluss vom Freibad Zilly (und Rohrsheim) schon zur Saison 2014 getrennt. Zu teurer im Unterhalt. Die Kommune musste und muss sparen. Freibäder sind auch anderswo Zuschussgeschäfte.

Ein Betreiberverein gründete sich in Zilly, ergriff den Strohhalm, das Bad zu erhalten. Die Einrichtung wurde per Nutzungsvertrag von der Stadt übernommen. Der Verein erhielt von der Kommune in den ersten drei Jahren planmäßig noch einige Zuschüsse.

Bad steht vor dem Aus

Jetzt stehen der Verein und das vor 50 Jahren eröffnete Bad möglicherweise vor dem Aus. Für Sonnabend, 16. März (18 Uhr, Feuerwehr), ist eine Mitgliederversammlung einberufen. Dort stehen Vorstandswahlen auf der Tagesordnung.

Vorsitzender Patrick Wöhler und wahrscheinlich auch seine sechs Mitstreiter wollen nicht wieder antreten. Die offene Frage ist, ob sich an dem Abend andere aus den Reihen des etwa 110 Mitglieder starken Vereins bereit erklären, Verantwortung zu übernehmen.

Die Rahmenbedingungen sind äußerst schwierig. 2017, die erste Saison ohne Stadtzuschuss, hatte einen kühlen Sommer und wenig Gäste. Dank größerer Privatspenden konnten die mehreren tausend Euro Minus aber ausgeglichen werden.

2018 folgte ein super Sommer. Doch das Bad musste geschlossen bleiben. Denn zwischenzeitlich schockten den Verein Auflagen von der Aufsichtsbehörde. Zum Beispiel Filteranlage, Schwallwasserkammer, Mess- und Regeltechnik für den Chlorgehalt des Wassers fehlten.

Großer Aufwand

Etwa 70.000 Euro Aufwand standen zunächst im Raum. Die wollte der Verein auch zu stemmen versuchen. Doch längst geht es um ganz andere Summen.

„Wir haben mehrere Varianten geprüft“, berichtete Patrick Wöhler. Die Investitionskosten liegen zwischen 300.000 und 700.000 Euro.

Geprüft wurde dabei auch, Quellwasser aus dem Forellenteich im Park zum Befüllen der Becken zu nutzen, um Trinkwasserkosten zu sparen. Doch das Quellwasser müsste, um die geforderte Qualität zu erreichen, erst aufbereitet werden, wie Wöhler sagte.

Der aktuelle Vorstand sieht es daher unterm Strich nicht als sinnvoll an, das Bad weiter zu betreiben. „Der Vorstand ist geschlossen dieser Meinung“, betonte Patrick Wöhler. „Wir haben alles geprüft. Wir würden nur Geld verbrennen.“

Deshalb war auf einer Mitgliederversammlung Ende Februar bereits darüber abgestimmt worden, den Verein aufzulösen. Eine Mehrheit der 26 anwesenden Mitglieder habe aber für ein Weitermachen votiert, berichtete der Vorsitzende.

Mitglieder entscheiden

Wie es nun weitergeht, wird die Mitgliederversammlung am 16. März ergeben. „Ich bin skeptisch, dass sich Leute finden werden, um das Projekt weiterzuführen“, schätzte Wöhler ein.

Dabei habe der Vereinsvorstand in einem Gespräch mit der Aufsichtsbehörde nochmal eingeräumt bekommen, 2019 für eine Saison zu öffnen. Aber auch nur unter Auflagen, die vorher erfüllt werden müssten und Geld kosten. Für Patrick Wöhler ein zu hohes Risiko. „Das Geld muss ja irgendwo herkommen.“

„Wir hatten große Pläne mit unserem Bad“, blickte er zurück. Mit den Auflagen, die schon lange vor der Badübernahme im Raum standen, aber damals wohl nicht so nachdrücklich formuliert waren, sei der Verein erst 2017 konfrontiert worden. „Das hat uns hart getroffen. Ich weiß nicht, ob es zur Vereinsgründung gekommen wäre, wenn wir das vorher gewusst hätten.“

Probleme sieht Wöhler auch darin, dass die Rettungsschwimmer aus den Reihen des Vereins aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Verfügung stünden. „Wir müssten auf die DLRG zurückgreifen.“ Was mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre. Auch beim Kiosk, der Haupteinnahmequelle des Vereins, gebe es Personalsorgen.

Auswärtige Besucher

Das Freibad war zuletzt viel von auswärtigen Besuchern genutzt worden. Offen sei es nach Wöhlers Einschätzung, ob diese sich in der ausgefallenen Saison 2018 anderen Bädern zugewandt haben und künftig überhaupt wieder nach Zilly kommen würden.

Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (parteilos) nimmt derzeit auch die Funktion als Zillys Ortsbürgermeisterin wahr. Sie berichtete auf Anfrage, der Badvereinsvorstand habe die Situation auf einer Ortschaftsratssitzung erläutert. Eine Schließung des Bades wäre „eine traurige Angelegenheit, ein Einschnitt ins Dorf, das es gewohnt ist, ein Bad zu haben“. Die Stadt sei finanziell nicht mehr in der Lage gewesen, das Freibad zu erhalten.

Gegen die Vorschriften zum Badbetrieb sei nichts zu machen. Nicht nur die Vereine, auch die städtischen Bäder müssten die strengeren Auflagen, die 2017 kamen, erfüllen. Wagenführ: „Das hat uns genauso getroffen.“