Halberstadt l Die einen haben vor ihm Angst, andere finden ihn faszinierend. Die Rückkehr des in Deutschland lange Zeit als ausgestorben geltenden Wolfs löst höchst unterschiedliche Emotionen aus. Franziska und Sebastian Meuter empfinden Begeisterung für den Wolf und wollen ihre berufliche Zukunft mit ihm verbinden.

Das junge Ehepaar aus Halberstadt verfolgt ein ehrgeiziges Projekt – in Halberstadt einen Wolfspark aufzubauen. Ziel ist, Gästen das Tier und seine ­Lebensweise naturnah näher zu bringen, mit Märchen aufzuräumen und in Halberstadt einen Touristenmagnet der besonderen Art aufzu­bauen.

„Wir setzen am Stadtrand von Halberstadt keine Wölfe in der freien Natur aus“, betonen Franziska und Sebastian Meuter. Das Rudel würde in einem sehr weitläufigen, naturnah ausgestatteten und eingezäunten sowie allen Sicherheitsvorschriften entsprechenden Gehege leben. Das Paar möchte damit möglichen Missverständnissen vorbeugen.

Der Wolf in Sachsen-Anhalt

Haldensleben (an) l Der Wolf treibt in Sachsen-Anhalt immer öfter sein Unwesen und reißt dabei oftmals Schafe. Die Vorfälle, bei denen der Wolf auf den Mensch und seine Nutztiere trifft, häufen sich.

  • Wolfgang Merda (links) und Adolf Winter stehen im Dezember2016 neben dem gefundenen Hirschkalb bei Havelberg. Foto: Wolfgang Masur

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  • Im Februar 2016 riss ein Wolf Schafe der Hobby-Schafzüchterin Petra Huth bei Uthmöden. Foto: Ivar Lüthe

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  • Schäfer Christian Kruse mit einem Schaf, dass einen Wolfsangriff im November 2016 bei Haldensleben überlebte. Foto: Alexander Rekow

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  • Anfang Dezember 2016 spaziert ein Wolf durch eine Gartenanlage in Rathenow. Screenshot: Facebook/Undine Voigt

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  • Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz bei Havelberg mehrere Filmsequenzen im September 2016 aufgenommen worden. Foto: Dirk Rahnfeld

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  • Ein Wolfsrüde wurde im September 2016 auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow gesichtet. Foto: Klaus Puffer

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  • Fassungslos standen Mario Amtage und Edmund Herrmann (v. li.) im April 2015 vor den Überresten eines der getöteten sechs Damwild-Tiere in Westenjerichow. Foto: Bettina Schütze

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Lehre als Tierpfleger im Zoo Magdeburg

Sebastian Meuter, der als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr dient, bringt den beruflichen Hintergrund zur Tierhaltung mit. Der 32-Jährige schloss im Zoo Magdeburg eine Lehre als Tierpfleger ab. Wo der Wolfspark entstehen soll, ist noch unklar. Der Süden Halberstadts, mit Spiegel-, Theken- und Klusbergen, würde die idealen Voraussetzungen bieten.

„Wir möchten einen Park ins Leben rufen, der sich an der Landschaft Skandinaviens orien­tiert. Ein Erlebnispark am Rande unserer schönen Stadt Halberstadt mit einem naturgetreuen und weitläufigen Wolfgehege, zwei Streichelgehegen mit Ziegen und einer Pony-Reitanlage“, informiert Sebastian Meuter. Und weil der Norden Europas eine so wichtige ­Rolle spielt, soll es ein Wikinger-Wolfspark werden.

Das Erlebnis, Wölfe hautnah zu sehen und einen Einblick in ihr Sozialverhalten zu bekommen, wollen die Initiatoren mit weiteren touristischen Angeboten abrunden. Dazu zählt der Aufbau einer Holzbungalow-Siedlung im skandinavischen Stil, in denen die Gäste des Parks übernachten können. Den Besuchern wollen sie mehr als eine Übernachtungsmöglichkeit mit den Häusern bieten.

Blick auf Wölfe rund um die Uhr

„Die Bungalows befinden sich ­direkt am Wolfgehege. Die Stirnseite, mit Blick ins weitläufige Gehege, wird komplett mit einer Spezialglas-Front ausgestattet, sodass die Gäste rund um die Uhr einen ungestörten Blick ins Gehege haben“, gewährt Sebastian Meuter einen Einblick in die Planungen. Das Glas sei verspiegelt. Bedeutet, die Tiere sehen ihre Beobachter nicht. Dafür erhalten die Haus-Bewohner einen unverfälschten Einblick in das Leben des Wolfrudels. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal. So etwas gibt es bislang noch nicht.“

Ein Stellplatz für Wohn- und Campingwagen gäbe Touristen die Möglichkeit, den Park zu besuchen. Unter anderem ist ein großer Wikinger-Zeltplatz mit gemeinsamer großer ­Feuerstelle und Wikinger- Zelten zum Übernachten geplant. Mittelalter-Märkte und ­Konzerte runden das Angebot ab.

Ob es Franziska und ­Sebastian Meuter gelingt, ihren Traum vom Wolfspark Halberstadt zu verwirklichen, ist eine Frage des Geldes. Die Kosten für den Aufbau und Unterhalt können sie nicht allein stemmen. Dafür suchen sie Investoren. „Es wäre toll, wenn wir Geldgeber finden. Wenn nicht, bleibt es ein schöner Traum“, sagen beide unisono. Derzeit erarbeiten sie einen Bussinessplan für den Park. Allein der kostet etwa 30.000 Euro.

Offene Ohren in Halberstadts Rathaus

Bei der Stadtverwaltung Halberstadt ist Familie Meuter bereits auf offene Ohren für ihr Projekt gestoßen. „Wir helfen gern mit Ratschlägen zur ­Existenzgründung und Tipps, wo und welche Flächen sich für das Vorhaben anbieten würden und begrüßen das Projekt grundsätzlich“ sagt Thomas Rimpler, stellvertretender Bürgermeister und Chef des städtischen Unternehmer-Büros.