Halberstadt l Jörg Wolansky, Matthias Conrad und Hannelore Lorenz blicken kritisch auf den kleinen Anbau des Verwaltungsgebäudes auf dem Halberstädter Friedhof. Darin befindet sich die alte Friedhofstoilette, die bald eine neue sein soll. Die Leiterin der städtischen Friedhöfe und die beiden Männer der Stadtverwaltung gestikulieren, diskutieren und schieben mit den Füßen Erde beiseite. Einiges muss noch geklärt werden. Zum Beispiel, wie sie das historische Toilettenschild wieder zum Leuchten bringen.

Erstmals behindertengerecht

Am 9. April beginnen Firmen aus der Region, die Friedhofstoilette neu zu gestalten. „Innen wird alles neu: Fenster, Türen, Boden, Toiletten und Belüftungsanlage“, zählt Jörg Wolansky, Leiter der Abteilung Hochbau in der Stadtverwaltung, auf. Neue, aber auf alt getrimmte Holzfenster und -türen sollen den Charme erhalten. Außerdem neu: eine behindertengerechte Toilette, die im Damenbereich eingebaut wird. Sowohl Männer als auch Frauen sollen sie nutzen können. Das hat nichts mit Transgender oder Intersexualität zu tun, sondern ist aus Platzgründen die einzige Option, um eine Toilette für Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen einzurichten. Von außen soll dann eine Rampe in den kleinen Anbau führen. Aktuell gibt es dort nur eine Stufe, die es gehbehinderten Friedhofsbesuchern schwer macht, aufs Örtchen zu gelangen.

Zeit ist reif für Umbau

Was ändert sich noch? In der Herrentoilette wird es künftig nur noch eines statt drei Urinalen geben. „Den Platz brauchen wir für die Behindertentoilette“, sagt Stadtmitarbeiter Matthias Conrad. Weiterhin gibt es je eine Toilette für Männer und für Frauen. Besucher der Frauen- und Behindertentoi­lette müssen die Außentür abschließen, sodass sich dort nur noch eine Person aufhalten kann. „Zur Not müssen die Besucher anstehen“, sagt Hannelore Lorenz. 50 000 Euro kostet das Projekt „komfortables Örtchen“. Jörg Wolansky ist sich sicher: „Wir haben aus dem Platz und den finanziellen Mitteln das he­rausgeholt, was möglich war.“

„Es war einfach an der Zeit, die Toilette modern zu gestalten“, sagt die Leiterin des Friedhofs, Hannelore Lorenz. Außerdem wandten sich immer wieder Besucher an sie mit dem Wunsch, die Toilette möge doch leichter zu erreichen sein. Am 15. Juni soll das Örtchen runderneuert sein. In der Zwischenzeit gibt es, nach Geschlechtern getrennt, eine mobile Toilette.

Wegweiser soll leuchten

Zuletzt wurden die Toiletten 1995 von damals friedhofseigenen Handwerkern saniert. Der Anbau, in dem sich das WC befindet, ist noch älter: aus den 1870er Jahren. Heute sind die Fliesen ausgeblichen und Kabel gucken aus den Wänden. Was die drei Mitarbeiter unbedingt erhalten wollen, ist das Toilettenschild. „Schon aus historischen Gründen“, sagt Hannelore Lorenz. Sie vermutet, dass der Hinweisgeber aus den 1960er Jahren stammt. Einen neuen Anstrich wollen sie dem Wegweiser verpassen und auch leuchten soll er wieder.