Halberstadt l Sie hatten gehofft, in diesem Jahr mal weniger Müll aufspüren zu müssen, die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10d des Gymnasiums Martineum. Denn seit drei Jahren beteiligen sie sich am Frühjahrsputz und staunen jedes Mal erneut, was so alles entsorgt wird an Orten, wo das nicht hingehört. „Es ist leider nicht weniger geworden“, spricht Stefan Manteufel für die vielen fleißigen Helfer.

Er und seine Mitstreiter haben beim ersten Einsatz auf dem Gelände der ehemaligen Friedensschule und im Mühlenweg 30 Säcke Müll zusammengetragen, fast 60 Säcke kamen aus der Braunschweiger Straße hinzu. Und als sie drei Tage später rund um den Anger zogen, trugen sie innerhalb von zwei Schulstunden einen weiteren großen Müllberg zusammen. Unter anderem landeten darauf Autoreifen, Fahrradrahmen, Kanister, Farbeimer, Autoteile und Auslegware sowie Flaschen, Plastikbehältnisse, Folien, Papier und anderer Unrat. Die Folie eines riesigen Pools, die sie aus den Büschen zogen, funktionierten sie zum Transportmittel um und zogen damit einen großen Teil ihrer Fundstücke zum Sammelpunkt.

„Wir reden nicht nur vom Umweltschutz, wir tun auch etwas dafür“, sagt einer der anderen Schüler. Die jungen Leute, die sich hier um die Sauberkeit in ihrer Stadt kümmern, können nicht nachvollziehen, warum so viel in der Landschaft entsorgt wird, obwohl es doch mehrere Möglichkeiten gibt, das Zeug problem- und zum größten Teil kostenlos loszuwerden. Sie verweisen auf den Wertstoffhof, wo neben Grünschnitt unter anderem Sperrmüll, Altmetall, elektrische und elektronische Haushaltsgeräte, Behälterglas sowie Papier und Pappe entsorgt werden können, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. ­Kostenlos sei auch die Abholung von Möbeln und Möbelteilen und anderer sperriger Hausrat aus Holz nach Anmeldung bei der Entsorgungswirtschaft des Landkreises (enwi). Außerdem gebe es noch die Gelben Säcke, die Müll- und die Papiertonnen, die regelmäßig abgeholt werden und die Glascontainer im Stadtgebiet. Nichts müsste „bei Nacht und Nebel“ über den Zaun geworfen, im ­Straßengraben entsorgt oder gar im Wald abgekippt werden.

Das bekräftigt Wolfgang Hartmann, der die Aktion begleitete und das Engagement der Klasse lobte. Seine Erfahrungen der letzten Tage bei verschiedenen Einsätzen beim Frühjahrsputz: „Wer glaubt, es wird besser, der wird enttäuscht sein. Und es ist ja nicht nur der Müll, der in den vergangenen Monaten illegal entsorgt wurde und nun während des Frühjahrsputzes von vielen Helfern beseitigt wird. Wir haben das Ganze Jahr über mit ,wildem Müll‘ zu tun.“

Der Mitarbeiter im Ordnungsamt der Stadt kann nicht verstehen, warum sogenannte Mülltouristen weder lange Anfahrten und Aufwand noch das Risiko des Entdecktwerdens scheuen, wenn sie ihre Abfälle irgendwo in der Landschaft hinterlassen. Mit den Entsorgungskosten werde der städtische Haushalt unnütz belastet, gibt er zu verstehen. Sollte jedoch solch ein Verursacher enttarnt werden, dann drohe ihm ein Bußgeld. Und das könne schon mal „ins Portemonnaie gehen“. Statt gegen das Abfallrecht zu verstoßen und die Konsequenzen tragen zu müssen, sollte doch besser der Wertstoffhof angefahren werden.