Rhoden l Die Jubiläen häufen sich jetzt im Fallsteindorf. Gerade erst ist der Sportverein 70 Jahre alt geworden, jetzt folgte das 60-jährige Orchester, und bald kann auch der 40-jährige Rhodener Carnevalsclubs feiern. Gemein ist ihnen allen, dass sie für ihre Aktivitäten das Kulturhaus, das jetzt im offiziellen Sprachgebrauch Gemeindezentrum heißt, benötigen. Mehrfach wurde darauf beim Festempfang des Orchesters hingewiesen.

Zwei Tage feierten die Musikfreunde am Wochenende. Am Sonnabendabend zunächst mit Vereinen aus dem Umland, am Sonntag dann mit der großen Fangemeinde beim Fest der Herbstmusik, das zum dritten Mal gemeinsam mit dem Wegelebener MTU-Blasorchester gestaltet wurde.

Steffen Grundmann, Vereinsvorsitzender und musikalischer Leiter, sprach beim Festempfang am Sonnabend von einem treuen Publikum. In Rhoden sowieso, aber auch in der Region wären viele Feste ohne das Fallstein-Orchester nicht vorstellbar. Bei Umzügen von Feuerwehren, Kindertagesstätten, Schützen-, Karnevals- oder Gesangsvereinen geben die Rhodener den Takt an, zu Frühschoppen und anderen Anlässen werden sie engagiert.

Bilder

„In Durchschnitt haben wir etwa 30 Auftritte im Jahr“, berichtete Grundmann. Meist im Zeitraum von Ostern bis Weihnachten. Grundmann hat es einmal überschlagen: An etwa hundert Tagen im Jahr sind die Orchestermitglieder zusammen.

Viele Gratulanten im Fallsteindorf

Die Schar der Gratulanten beim Empfang war groß. Auch musikalische Mitstreiter waren gekommen. Die Sangesbrüder aus Schauen und der Schalmeienzug Veltheim bereicherten mit ihren Auftritten das Programm. Gesangsbruder Frank Dorn betonte als Vorsitzender der Schützengesellschaft Schauen, wie wichtig das Orchester generell für die Schützenvereine sei.

Keine Kosten und Mühen hat der Rhodener Sportverein Fallstein gescheut, um ein würdiges Jubiläumsgeschenk überreichen zu können. Vorsitzender Jens Rumlich fuhr per Sackkarre einen künstlerisch gestalteten Gedenkstein in den Saal.

Die Grüße aus der Kreisverwaltung in Halberstadt übermittelte Vizelandrätin Heike Schäffer. Tatsächlich hatte sie nur eine kurze Anreise aus der Rhodener Nachbarstadt Hornburg, wo sie wohnt. „Für mich ist das hier ein Heimspiel.“ Sie freute sich, dass es hier am Fallstein dieses besondere Orchester gibt.

Wirklich aus Halberstadt angereist war Henning Rühe, der als Präsident des Kreissportbundes dem Mitgliedsverein eine Ehrenurkunde überreichte. Er erinnerte sich an die „Sternstunden“, wenn er früher als Landrat zu Gesprächen beim (nicht einfachen) Rhodener Gemeinderat war. Dieses Jubiläum jetzt sei wieder eine Sternstunde.

Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) fielen in Rhoden die vielen festlich geschmückten Häuser auf, die die Bedeutung des Orchesters für den Ort unterstreichen. Sie sagte: „Rhoden ohne Orchester geht gar nicht.“

Gar nicht gegangen wären die 60 Jahre Fallstein-Orchester aber auch ohne die nur zwei Leiter, die es in dieser Zeit gab. Der inzwischen verstorbene Dietrich Stegemann begründete den Klangkörper 1958 als Naturfanfarenzug und führte ihn ein halbes Jahrhundert lang. Vor zehn Jahren übernahm Steffen Grundmann das heute einschließlich Nachwuchs 24 Musiker starke Orchester, das als Verein von fünf passiven und drei Ehrenmitgliedern komplettiert wird.

Erinnerungen an Begründer Dietrich Stege

Jeder von ihnen stand beim Empfang auch selbst in Mittelpunkt. Viele sind jahrzehntelang dabei, einige erst seit Kurzem. Manuel Possin stieß vor sieben Wochen zum Orchester, der Dienstälteste Hans-Joachim Barner spielt seit 44 Jahren Trompete. „Nachwuchssorgen gab es nur selten“, betonte Steffen Grundmann. „Denn Herr Stegemann holte sich seine Truppen direkt aus der Schule, da er ja bekanntlich den Beruf des Lehrers sehr lange ausübte.“ So wie eben Hans-Joachim Barner, der einst in den Winterferien der vierten Klasse in Bühne eine Probenwoche absolvierte und bis heute dabei geblieben ist.

Was die Musiker an Steffen Grundmann haben, brachten sie am Sonntag im mit 350 Gästen vollbesetzten Saal zum Ausdruck. Antonia Rollnik verlas eine bewegende Dankesrede. „Den Anlass heute wollen wir nutzen, um dir zu sagen, wie viel uns an dir liegt, wie sehr wir dich mögen und schätzen und wie stolz wir auf unseren Chef sind.“

Seine Mitstreiter haben dafür gesorgt, dass Grundmann nun abheben kann, demnächst mit einem Heißluftballon. Ebenso wie die „Finanzministerin“ des Vereins, Anke Storbeck. Britta Voigt überreichte dem Chef darüber hinaus eine „Orchesterkönigsscheibe“ in Form einer Schützenscheibe.

Der Frühschoppen gemeinsam mit den Wegelebener Musikanten und Zuschauern erstreckte sich dann doch bis zum Sonntagnachmittag. „Es hat sich gelohnt“, zog Steffen Grundmann ein Fazit. Zeit nur zum kurzen Durchatmen, bevor die Rhodener schon bald wieder auf Achse sind. Jetzt steht die Saison der Laternenumzüge in den Kindertagesstätten an.