Kirche

Halberstädter Friedensfest im Pandemie-Modus

Dieses Jahr wird es wieder gefeiert, das Friedensfest im Halberstädter Dom. Die Fortsetzung einer Tradition aus dem 16. Jahrhundert, erfährt am Samstag, 17. Juli, coronabedingt ein paar Neuerungen.

Von Sabine Scholz
Pfarrer Arnulf Kaus und Kunsthistorikerin Claudia Wyludda mit den Imbisstüten, die in diesem, von der Corona-Pandemie geprägten  Jahr für das Friedensfest am Halberstädter Dom ausgereicht werden.
Pfarrer Arnulf Kaus und Kunsthistorikerin Claudia Wyludda mit den Imbisstüten, die in diesem, von der Corona-Pandemie geprägten Jahr für das Friedensfest am Halberstädter Dom ausgereicht werden. Foto: Sabine Scholz

Halberstadt - Angeregte Gespräche an langen Tafeln im Kreuzgang – dieses Bild wird es dieses Jahr so nicht geben. Doch immerhin soll es wieder gefeiert werden, das ökumenische Friedensfest am Halberstädter Dom.

„Natürlich wird es ein Friedensmahl geben“ sagt Pfarrer Arnulf Kaus, „aber eben den Pandemiebedingungen angepasst.“ Heißt, es werden keine langen Tafeln sein, aber Familien finden Sitzmöglichkeiten vor und das Essen wird „eingetütet.“ Man habe zum Glück treue Sponsoren, die dieses Fest seit vielen Jahren unterstützen und auch diesmal den Organisatoren von Gemeinde und Domschatzverwaltung zur Seite stehen, berichtete Claudia Wyludda. „Die Halberstädter Bäcker und Konditoren GmbH tütet für uns den Imbiss ein, und auch Halberstädter Würstchen können wir reichen.“ Und weil in diesem Jahr alles etwas anders ist, sind Besucher des Friedensfestes samt zugehörigem Friedensmahl aufgefordert, eine Decke mitzubringen und es sich auf der Wiese im Kreuzgang gemütlich zu machen.

Kürze Führungen

Einige Traditionen aber kann man auch unter Corona-Bedingungen aufrecht erhalten. So beginnt das Friedensfest um 18 Uhr mit den eindrucksvollen gesungenen mittelalterlichen Gebeten im Dom, bevor es zum gemeinsamen Essen in den Kreuzgang geht.

Außerdem werden im 20-Minuten-Takt Kurzführungen angeboten. Etwas, das oft zum Angebot der „Nacht der Kirchen“ gehört, die alle zwei Jahre zusammen mit dem Friedensfest organisiert wird. Aber da die Kirchennacht ausfallen wird, gibt es eine kleine Friedensfest-Erweiterung.

Die Museumsdirektorin des Domschatzes, Dr. Uta-Christiane Bergemann bittet in die Neuenstädter Kapelle. In die kann der Domschatzbesucher sonst nur vom oberen Kreuzgang aus einen Blick werfen, diesmal geht es direkt hinein in die kleine Marienkappelle, die 1503 von Balthasar von Neuenstadt gestiftet worden war, wie Kunsthistorikerin Claudia Wyludda berichtet. „Er war seit 1461 Domherr am Dom und von 1475 bis 1516 Dompropst.“ Mit der Einführung der Reformation am Dom 1591 gab es bis zur Aufhebung des Domstiftes 1810 ein gemischt-konfessionelles Domkapitel. In der Neuenstädter Kapelle feierten die testamentarisch eingesetzten Commisarien (Vikare) unter anderem täglich die heilige Messe.

Geschichten zum Dachreiter und Remterkeller

Dombaumeister Dr. Volker Lind wird über den Wiederaufbau des Dachreiters berichten, allerdings erlaubt die kurze Zeittaktung keinen Gang ins Domdach. „Dr. Lind wird vor dem Domschatzneubau stehen und in Blickkontakt zum Dachreiter die spannende Geschichte der Wiedererrichtung erzählen“, kündigt Claudia Wyludda an. Aber eine Besonderheit gibt es: Zu den Vorträgen des Dombaumeisters wird das Adämchen erklingen. Die kleine mittelalterliche Glocke hing bis zum Absturz des Dachreiters im Februar 1946 in dem schmalen Turm und überstand auch den Sturz vom kriegszerstörten Domdach.

Als dritte im Bunde wird Claudia Wyludda Gruppen von maximal zehn Personen (so viel dürfen auch jeweils in die Neuenstädter Kapelle) in den Remterkeller führen. Der steht jeden Herbst im Fokus der Medien, wenn der Domstollen eingelagert wird. Der Keller diente schon im Mittelalter als Vorratskeller der Domherren. Im Zweiten Weltkrieg bot er außerdem den Menschen Schutz vor den Bombenangriffen. Auch das ist noch sichtbar.

Im Dom werden Saxofon, Zink, Schlagwerk und Orgel erklingen, in der Winterkirche bietet Bernhard Wieczorek Gitarrenklänge und Texte der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl. Enden wird das Friedensfest um 21 Uhr mit einem Gebet, der Complet. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Hintergrund des Festes

Gestiftet wurde das „Fest für den Frieden und die Einheit der Kirche“ (Festum pro pace et unitate ecclesiae pretenda) vom Halberstädter Domdechanten Friedrich von Britzke. Nachweislich gefeiert wurde es seit 1576. Mit Einführung der Reformation am Dom zu Halberstadt existierte seit 1591 ein gemischtkonfessionelles Domkapitel. Die katholischen und evangelischen Domherren feierten dieses Fest bis zur Auflösung des Domkapitels mehr als 250 Jahre lang.

Dass es dieses Fest gab, hatte 2004 der damalige Domkustos Jörg Richter entdeckt, als er historische Handschriften sichtete. Er fand eine entsprechende Gottesdienstordnung in den Handschriften. Seit 2005 feiern evangelische und katholische Christen jeden Sommer das Fest gemeinsam im Dom.