Emersleben feiert 888-Jahr-Feier

Halberstädter Ortsteil steht in den Startlöchern für ein besonderes Jubiläum

Von Sandra Reulecke
Blick auf Emersleben. Das Dorf gehört bereits seit Mitte der 1990er Jahre als Ortsteil zur Stadt Halberstadt. Foto: Ulrich Schrader

Emersleben

30. April. Dieses Datum wird Jahr für Jahr in Emersleben groß gefeiert, mit dem Tanz in den Mai. Eine Tradition, der Corona schon zum zweiten Mal in Folge einen Strich durch die Rechnung macht. Ganz nehmenlassen wollen sie sich die Emersleber aber nicht. „Den Maibaum stellen wir trotzdem auf“, kündigt Ortsbürgermeister Guido Spillecke (Emerslebener Wählergemeinschaft) an. Der Rahmen sei – der Pandemie geschuldet - natürlich kleiner als gewohnt, doch die Emersleber sollen sich wenigsten über den Anblick des Maibaums auf dem Hechtsplatz freuen, begründet er.

630 Einwohner zählt das Dorf, das seit 1995 ein Ortsteil Halberstadts ist. Die meisten von ihnen kennt Spillecke persönlich. „Ich bin seit fast 20 Jahren Bürgermeister. Nach so langer Zeit kennt man seine Schäfchen“, sagt er lachend. Wenn es die Corona-Lage zulasse, wolle er seine „Schäfchen“ im Sommer oder im Herbst zu einem Familienfest einladen – als Ersatz für den Tanz in den Mai.

Vielleicht bietet die Veranstaltung gleich Gelegenheit, die neuen Einwohner des Ortsteils oder diejenigen, die es werden wollen, kennenzulernen. Denn der Bürgermeister hofft, dass das Baugebiet des Dorfes bald vollständig genutzt wird. „Im ersten Baufeld sind noch sechs, sieben Grundstücke frei“, berichtet Spillecke. Sollte die Nachfrage wachsen, gebe es ein zweites Baufeld, das „jederzeit aktiviert werden kann“. „Aber der Ortskern darf dabei nicht vergessen werden“, mahnt der 57-Jährige. „Leerstand muss vermieden werden.“

So steht es um das Vereinsleben

Noch sei das Thema kein Problem im Ort. Im Gegenteil – einige junge Familien hätten Häuser gekauft und renoviert. Etwas, was ihn besonders freue, wird so auch die Auslastung der Kita in der Ortsmitte gesichert. 24 Mädchen und Jungen sind derzeit angemeldet, Platz wäre noch für zehn weitere.

„Wichtig ist, dass wir die neuen Einwohner für unser Vereinsleben interessieren“, sagt Spillecke. „So finden sie am besten Anschluss und lernen die alten Einwohner kennen – wenn sie es denn wollen.“

Die Vereinslandschaft des Ortsteils biete jedenfalls eine Menge Abwechslung, betont Marco Weiß. Er ist einer der stellvertretenden Bürgermeister Emerslebens. Da Guido Spillecke mit seiner Gesundheit zu kämpfen hat und, wie er angekündigt, deshalb in absehbarer Zeit politisch kürzer treten möchte, ist Weiß oft als Vertreter des Ortes im Einsatz. Wie er aufzählt, gibt es neben der freiwilligen Feuerwehr einen Storchen- und einen Kegelverein, Kleintierzüchter und die Schützen. „Die Vereine nutzen die Corona-Zeit, um ihre Räumlichkeiten zu renovieren und aufzuhübschen“, berichtet Weiß.

Verschönert werden aber auch andere Plätze im Ort, etwa der Springbrunnen vor dem Friedhof. Bei solchen Aktionen bringen sich die Bürger ein, finanziell wie mit Sachspenden, berichtet Guido Spillecke. Klaus Begall etwa spendiere die Farbe für den Brunnen.

2024 wird ein Festjahr

Schließlich soll sich der Ortsteil 2024 von seiner besten Seite präsentieren, zu einem besonderen Jubiläum. „Unsere 888-Jahr-Feier“, kündigt der Ortsbürgermeister hörbar stolz an. „Die ersten Vorzeichen dafür gibt es schon. Zum Beispiel einen Kalender, um die Fest-Kasse aufzubessern.“

Bis zum Jubiläum, so hofft nicht nur Spillecke, könnte auch die Ratsstraße fertig saniert sein. Endlich. „Seit 2015 wurden die Arbeiten immer wieder verschoben.“ Doch nun stünden Karten gut. „Laut Haushaltsentwurf sollen die Planungen noch dieses Jahr beendet sein, sodass kommendes Jahr losgelegt werden könnte“, erläutert der Emerseber. „Dann fehlen nur noch eineinhalb Straßen, an denen etwas gemacht werden muss.“

Emersleben weise eine Kuriosität auf, wenn es um Straßen geht, „Wir haben viele Verbindungsgassen, die gar keinen eigenen Namen haben. Bei den Bauplanungen muss man höllisch aufpassen, dass die nicht vergessen werden.“ So etwas sei schon passiert – was eine Menge Unmut mit sich brachte.

Kritik am Winterdienst

Verärgerung machte sich zu Beginn des Jahres aus einem ganz anderen Grund in Emersleben breit. „Der Winterdienst war eine absolute Katastrophe“, kritisiert Spillecke. „Acht Tage nach dem Schneefall konnte man die Straßen noch immer nicht passieren.“

Was bei den Einwohnern seines Ortsteils besonders für Unverständnis sorgte, sei die Tatsache, dass es in Emersleben mit Hagen Godisch einen eigenen Gemeindearbeiter gibt. Auch Räumtechnik sei vorhanden. „Aber der Gemeindearbeiter durfte nicht die Straßen frei schieben, weil es nicht sein Aufgabenfeld und er deshalb nicht versichert sei“, berichtet Spillecke. „Ich musste mich regelrecht durch den Ort schleichen. Das versteht doch keiner, warum ich nichts machen durfte“, berichtet Hagen Godisch selbst. Spillecke wolle sich dafür einsetzen, dass der Ortsteil im kommenden Winter mehr Handlungsspielraum habe. Auch die Landwirte Emerslebens seien bereit, mit anzupacken, sagt er.

Während für dieses Thema also eine Lösung in Sicht ist, gibt es aus Sicht Spilleckes noch ein Dauerproblem im Ort, ein übelriechendes. „Hundekot. Zu diesem Thema gehen ganz viele Beschwerden bei mir ein.“ Spillecke appelliert an die Bürger, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner ordnungsgemäß zu entsorgen und so dazu beizutragen, dass Emersleben ein lebenswerter Ort bleibt.

Bibliothek in der Telefonzelle

Dass er ein solcher ist, davon ist Guido Spillecke überzeugt. „Es lohnt sich, in Emersleben zu wohnen“, betont er. Damit beziehe er sich nicht nur auf die gepflegten Häuser, die Landschaft um den Ortsteil oder dessen gute Verkehrsanbindung, sondern vor allem auf das Engagement der Bürger.

Ein Beispiel dafür wird bald an einem prominenten Platz im Ort – dem Hechtsplatz – sichtbar sein. „Wir errichten eine Bibliothek in einer Telefonzelle“, kündigt Spillecke an. Gekauft sei die grau-pinke Zelle bereits – dank Spenden. Derzeit wird sie vom Gemeindearbeiter auf- und vorbereitet. Während im Inneren Bücher zum Mitnehmen zu finden sein werden, erhalten Sponsoren und Vereine die Möglichkeit, in den Scheiben für sich zu werben.

Guido Spillecke
Archivfoto: Susann Gebbert