Schwanebeck l Eine Anlage im nördlich von Schwanebeck gelegenen Windpark sorgt weiter für Schlagzeilen. Erst stürzte bei besagtem Windrad Mitte Oktober aus bislang noch immer ungeklärten Gründen die Nabe samt Flügeln 94 Meter in die Tiefe. Nun geriet diese am Mittwoch auch noch in Brand (die Volksstimme berichtete am Donnerstag).

Doch der Reihe nach. Am Mittwoch gegen 14.30 Uhr ging der Notruf in der Kreis-Leitstelle ein. Arbeiter, die mit dem Zerlegen der Rotornabe beschäftigt waren, hätten die Feuerwehr alarmiert, berichtet Groß Quenstedts Ortswehrleiter Eric Walter.

Schwelbrand mit Schaum gelöscht

Mit insgesamt 15 Kameraden und fünf Fahrzeugen rückten die freiwilligen Feuerwehren aus Groß Quenstedt und Schwanebeck an.

Zur Brandursache erklärte Schwanebecks Ortswehrleiter Uwe Hoffmann später: Mit einem Schneidbrenner hätten Arbeiter versucht, die kaputte Windkraftkabine zu zerlegen. Da diese mit gepressten Buchenspänen verkleidet sei, habe sich das Holz sowie der ummantelnde Kunststoff aufgrund der hohen Temperaturen entzündet, sodass es zu einem Schwelbrand gekommen sei. Das noch in der Nabe verbliebene Öl und die Schmierstoffe hätten den Brand wohl forciert, vermutet er.

„Es ist nicht so einfach gewesen, die Glut zu löschen“, ergänzt Groß Quenstedts Wehrleiter Walter. Zunächst hätten sie es mit Wasser versucht, dann hätten die Schwanebecker Kollegen zur Sicherheit noch einen Schaumteppich um die Brandstelle gelegt. Außerdem sei mit einer Wärmebildkamera genau geprüft worden, ob sich noch weitere Glutnester in der Rotornabe und an den Flügeln befänden. Knapp zwei Stunden nach der Alarmierung – gegen 16.20 Uhr – seien die Kameraden wieder einsatzbereit zurück in ihren Feuerwehrgerätehäusern gewesen, berichtet Hoffmann.

Laut Polizeisprecher Uwe Becker waren auch Beamte vor Ort. Da es sich hier jedoch um keine Straftat handele, ermittele die Polizei nicht. Zudem sei niemand geschädigt worden.

Derweil sorgen die Umstände um die nach Volksstimme-Informationen älteste Anlage im Schwanebecker Windpark weiter für Rätsel. Am Sonnabend, 10. Oktober, war besagte Rotornabe samt der drei Flügel aus 94 Metern Höhe in die Tiefe gestürzt. Tags drauf machte die Schreckensnachricht in sozialen Netzwerken die Runde.

Nach Recherchen der Volksstimme ist der Windpark Schwanebeck vergleichsweise groß und besteht aus 27 Windenergieanlagen. Für 23 von ihnen hätten die Besitzer den Windkrafthersteller Vestas mit Sitz in Hamburg beauftragt, regelmäßige Service- und Wartungsarbeiten an den Windrädern durchzuführen, so auch bei der betroffenen Anlage, teilte Vestas-Unternehmenssprecherin Christina Schmidt im Oktober mit. Nach Schmidts Angaben wurde die beschädigte Anlage im Jahr 2003 in Betrieb genommen. Auch knapp sieben Wochen nach der folgenschweren Havarie ist die Ursache nach Angaben der Vestas-Sprecherin unklar.

Christina Schmidt bestätigte am Donnerstag auf Volksstimme-Nachfrage, dass mit den Aufräumarbeiten begonnen worden sei. Vermutlich seien Restflüssigkeiten beim Absturz im Oktober in den Technikraum der Nabe geraten, die sich am Mittwoch beim Zerlegen mittels Schneidbrenner entzündet hätten. Personen seien nicht verletzt worden, auch Öl sei nicht auf die landwirtschaftlichen Flächen gelangt. Die Demontage der gesamten Anlage benötige Zeit. Endgültig werde sie voraussichtlich Anfang nächsten Jahres beendet. Erst danach sei es möglich, die Ursachen-ermittlung abzuschließen, so Christina Schmidt. Außerdem teilte sie mit, dass das Holz aus den Blättern und der Nabe fachgerecht recycled werde.

Die anderen Windräder laufen weiter

Obwohl die Befürchtung im Raum steht, dass es sich beim Absturz um eine Ermüdungserscheinung oder einen Konstruktionsfehler handeln könnte, wurden die anderen 22 Windkraftlagen, für die Vestas die Servicedienste leistet, nicht abgestellt. „Es besteht kein Anlass, diese abzuschalten oder zu begutachten“, stellt die Vestas-Sprecherin klar. Zudem befänden sich in den Anlagen spezielle Sicherheitssysteme, die den Betrieb konstant überwachen und bei Bedarf eine Anlage automatisch abschalten würden.

Zur Höhe des Schadens hatte die Unternehmenssprecherin in der Vergangenheit keine Angaben gemacht. 2008 war eine Windanlage im Landkreis Anhalt-Bitterfeld von einem Blitz getroffen worden. Der Schaden betrug laut Medienberichten rund 2,5 Millionen Euro.

Windkraftanlagen hätten eine durchschnittliche Nutzungsdauer von ungefähr 20 Jahren, so Schmidt im Oktober. Ob die kaputte Windkraftanlage aus dem Jahr 2003 wieder aufgebaut werde, stehe bislang nocht nicht fest. Der Besitzer der Anlage sei ein Däne. Die Volksstimme hatte bislang keine Gelegenheit, mit dem Besitzer in Verbindung zu treten.